Deutschland schnieft und hustet

Was hilft gegen Erkältung: Omas Hausmittel oder neue Hacks aus dem Netz?

24. November 2021 - 17:35 Uhr

Ganz Deutschland schnieft und hustet

Erwachsene und Kinder leiden seit den Corona-Lockerungen vermehrt unter Erkältungen, grippalen Infekten und echter Grippe. Auch unsere Reporterin Pauline hat es voll erwischt. Trotzdem rafft sie sich während ihrer Erkältung auf und testet für uns klassische und neue Erkältungsmittel. Sind Omas Hausmittel-Rezepte immer noch die besten? Oder überzeugen eher verrückte Tipps aus dem Netz? Das sehen Sie im Video!

Arzt schätzt gängige Erkältungsmittel ein

Eine Frau verwendet eine Nasendusche.
Auf eine Nasendusche mit Kochsalzlösung setzen besonders viele Erkältete.
© imago

Bei einer Erkältung greifen viele Menschen gerne zu alten Hausmitteln. Nicht jede Rezeptur von Großmutter ist jedoch wirklich wirksam und sinnvoll. Einige Methoden helfen - je nach Art der Beschwerden - aber sehr gut. Wir haben gängige Hausmittel gegen Erkältung und Grippe von Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht beurteilen lassen. Das sind die Tops und Flops!

  • Rohes Ei verquirlt mit frisch gepressten Orangen: "Bei den Apfelsinen war immer die Überlegung, dass es bei einer Erkältung Vitamin C braucht", erklärt uns Specht. "Aber Orangen haben gar nicht so wahnsinnig viel Vitamin C - da wäre eine rohe Paprika eigentlich besser." Aber: Vitamin C lindert die Beschwerden eigentlich nicht und verkürzt auch nicht die Dauer der Erkrankung. Ei können Sie auch dazu nehmen - aber auch das bewirke nicht wirklich was.

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  • Hühnersuppe: "In einer selbst gemachten, lange ausgekochten Hühnersuppe ist tatsächlich Schleim lösendes Acetylcystein drin", sagt der Medizinexperte, "das wurde bereits untersucht." Allerdings sei die Menge selbst bei einem komplett ausgekochtem Huhn zu gering. Die Wärme der Suppe sei allerdings wohltuend. Noch wohltuender sei es aber eben, wenn einem die Suppe zubereitet werde - denn gepflegt werden hilft der Psyche und damit auch dem Immunsystem.
  • Gurgeln mit Salbei- oder Kamillentee: "Ja", sagt der Mediziner, "gerade Salbei ist bei einem rauen Hals sehr angenehm." Erstens wirkt hier die Wärme und außerdem beruhigen Salbei und Kamille die Schleimhäute. Verkürzt also die Erkältung nicht - aber lindert die Symptome.
  • Waden- oder Halswickel mit Quark oder Kartoffeln und Essigwickel: Ob Quark, Kartoffel oder Essig - im Prinzip geht es um Wärme oder Kälte. Die Wärme tut dem Hals gut - gekühlt werden bei Fieber die Waden. Das gehe aber im Prinzip genauso gut mit dem Kühl- oder Wärmepad, so Specht. "Beim Fieber müssen Sie immer überlegen: 'Wann mach ich das?'", so der Arzt. "Fieber hat ja auch eine positive Wirkung." Wenn das Fieber sehr hoch ist, sollten Sie allerdings besser zu Medikamenten greifen.
  • Nasenspülung mit Kochsalzlösung: Wie der Name schon sagt, spült die physiologische Kochsalzlösung die Nase aus. "Das ist natürlich nicht schlecht", erklärt Specht, "denn bei Nasenspray droht ja der bekannte Gewöhnungseffekt." Das Kochsalz sei deswegen gut, weil es das sei, was wir sowieso als Zusammensetzung in den Elektrolyten haben. Spülung ohne Kochsalz gehe aber auch - wirke aber nicht ganz so gut.
Dr. Christoph Specht arbeitet im Bereich der Präventionsmedizin
Dr. Christoph Specht arbeitet im Bereich der Präventionsmedizin
© Privat

Zeit bis zur Heilung überbrücken

Viele Hausmittelchen bewirken nicht wirklich etwas gegen die Erkrankung als solche - selbst Medikamente sind gegen die Krankheit da ja auch bekannterweise machtlos. "Sie dienen in erster Linie dazu, die Zeit bis zur Heilung zu überbrücken", sagt uns der Mediziner. "Selbst mir, der es ja nun weiß, fällt es schwer, darauf zu verzichten - man will einfach das Gefühl haben, etwas zu tun."

Lese-Tipp: Stiftung Warentest – die besten günstigen Medikamente gegen Erkältung

Sich pflegen und Umsorgtwerden regt Immunaktivität an

Nicht zu unterschätzen ist der Effekt der Hausmittel auf die Psyche: Sich zu pflegen, sich etwas Gutes zu tun, gepflegt und umsorgt zu werden, unterstützt die Heilung, weil es den Stress mindert. "Dass Umsorgtwerden die Immunaktivität deutlich steigert, das hat die Psychoneuroimmunologie gezeigt", so Specht.

Insofern ist alles gut, was einem guttut! Und dazu gehört bei einer Erkältung definitiv Schlaf. "Schlafen ist die beste Medizin" - diese Weisheit sei nach wie vor gültig, so der Mediziner. Wenn es wieder geht: Einen Spaziergang an der frischen Luft machen. Denn auch das sei nachgewiesen: Bewegung an der frischen Luft ist gut für Lunge, Immunsystem und Psyche. (ija)