Keine Erfassung des Infektionsgeschehens bei höherer Mobilität

Virologe Streeck warnt: Wir gehen wieder unvorbereitet in Herbst und Winter

Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild
Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

29. Oktober 2021 - 13:44 Uhr

Der Winter wird uns Probleme bereiten

Die Maßnahmen wurden weitgehend gelockert, das Gröbste ist in Sachen Corona-Pandemie geschafft – das glauben viele Menschen in Deutschland. Doch der nahende Winter hält immer noch einiges an Ungemach für uns bereit. Die Wirkung der Impfungen lässt teilweise schon nach, es gibt immer noch sehr viele Ungeimpfte und in den Intensiv-Stationen der Krankenhäuser fehlt zusätzlich Personal – dazu kommen Durchbruchsinfektionen und möglicherweise noch eine Influenza-Welle. Der Bonner Virologe sieht uns deswegen schlecht vorbereitet.

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Keine gute Erfassung des Infektionsgeschehens mehr - aber höhere Mobilität

Deutschland ist aus Sicht des Virologen Hendrik Streeck unzureichend für die nächsten Pandemiemonate gewappnet. "Wir gehen leider erneut sehr unvorbereitet in Herbst und Winter", sagte der Direktor des Virologie-Instituts der Universität Bonn der Deutschen Presse-Agentur. "Entspannt sehe ich das nicht: Die Kapazitäten auf Intensivstationen sind reduziert, wir können gegebenenfalls auch wieder mit einer Grippewelle rechnen, wir haben keine gute Erfassung des Infektionsgeschehens, aber wieder eine höhere Mobilität." Mit dem breiten Angebot kostenloser Schnelltests habe es ein gutes Standbein zum Erkennen von Infektionen gegeben, betonte Streeck. Nun darauf zu verzichten, halte er für falsch.

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Schließen der Impflücken wichtiger als Auffrischungen

"Den Rat zur Impfung kann man nicht oft genug geben", sagte Streeck. Auch die berichteten Ansteckungen bei Geimpften seien kein Argument dagegen. "Das Ziel bei der Impfstoffentwicklung war nicht in erster Linie, eine Immunantwort auszulösen, die vor jeglicher Infektion schützt. Es ging immer im Kern um den Schutz vor schweren Verläufen." Wegen sogenannter Durchbruchsinfektionen könne man keinesfalls von einem Versagen der Impfstoffe sprechen.

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Eine Ausweitung des Angebots von Drittimpfungen auf die breite Bevölkerung hält Streeck derzeit nicht für nötig. "Booster sind sinnvoll für die Gruppen, denen dies bereits empfohlen wird", also etwa Immungeschwächten und Menschen ab 70. "Alle anderen sind nach der Zweitimpfung in der Regel sehr gut vor einem schweren Verlauf geschützt. Wichtiger als Auffrischungen bei ihnen ist das Schließen der Impflücken bei den über 60-Jährigen." Auch würden die Impfdosen in anderen Ländern dringlicher benötigt. (dpa/ija)

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