Angeklagter bedankt sich für ein faires Verfahren

Vater entführte angeblich den Freund seiner Tochter: Freispruch für 51-Jährigen

Der Angeklagte im Gerichtssaal.
Der Angeklagte im Gerichtssaal.
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09. November 2021 - 15:06 Uhr

Freispruch nach Zeugenaussage

Ein 51-Jähriger, der sich wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung vor dem Kieler Landgericht verantworten musste, ist am Dienstag freigesprochen worden. Der Mann soll laut Anklageschrift vor vier Jahren versucht haben, den Partner seiner Tochter zum Ende der Beziehung zu zwingen. So schilderte es zumindest das vermeintliche Opfer. Doch eine Zeugenaussage änderte den gesamten Verlauf des Prozesses.

Freund der Tochter wurde angeblich geschlagen und gefangen gehalten

Zuerst ging man von einer Entführung mit schwerer Körperverletzung aus. Während der Tat am 22. Dezember 2017 sollen der Angeklagte und seine mutmaßlichen Mittäter den Freund der Tochter geschlagen, gefesselt, geknebelt, ihm die Augen verbunden und ein Messer an den Hals gesetzt haben. Sie sollen unter anderem auch gedroht haben, sein Kind in der Türkei und seine Mutter würden getötet, falls er die Polizei einschalte. Zugleich behaupteten die damaligen Verdächtigen demnach, sie seien Mitglieder der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Erst drei Stunden später sei der Freund der Tochter angeblich in die Freiheit entlassen worden. So schilderte zumindest das vermeintliche Opfer die Geschehnisse.

Zeugenaussage stimmt Staatsanwaltschaft um

Nach der Aussage eines Zeugen vor einer Woche war diese Geschichte so nun nicht mehr haltbar. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es lediglich zu einer Auseinandersetzung zwischen dem vermeintlichen Opfer und dem Angeklagten gekommen war: "Die Aussage des Zeugen vor einer Woche lässt erhebliche Zweifel an der Geschichte des Geschädigten aufkommen", so Staatsanwältin Hanna Schmücker-Borgwardt in ihrem Plädoyer. Eigentlich sollte dieser Zeuge schon früher vernommen werden, das klappte aber wohl aus gesundheitlichen Gründen nicht.

In der Auseinandersetzung habe der 51-jährige Vater dem vermeintlichen Opfer zwar gedroht, von einer Entführung mit schwerer Körperverletzung sei jedoch nicht auszugehen. Vielmehr komme zwar eine versuchte Nötigung des Angeklagten in Betracht, doch auch diese sei durch die vorliegenden Zeugenaussagen nicht zu beweisen. Deshalb plädierte die Staatsanwältin dafür, die Anklage fallen zu lassen – und der Richter sowie die Verteidigung stimmte dem zu. Das Verfahren wurde eingestellt. Die Gerichtskosten für den Prozess trägt somit der Staat.

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Angeklagter bedankt sich vor Gericht

Der Freund der Tochter selbst war am Dienstag nicht bei Urteilsverkündung im Landgericht. Die Kieler Staatsanwaltschaft wird nun prüfen, ob sie wegen falscher Verdächtigung und/oder Falschaussage unter Eid gegen ihn Ermittlungen einleitet.

Der Angeklagte hingegen zeigte sich erleichtert. Er habe Glück, dass er mittlerweile in Deutschland lebe, wo es einen funktionierenden Rechtsstaat gebe. Er bedankte sich sowohl beim Richter als auch bei der Staatsanwaltschaft für ein faires Verfahren. (nfi/kst)