Ermittler hielten ihn lange für Peggy Knoblochs Mörder

Ulvi K. ist verlobt: So lebt der unschuldig Verurteilte heute

Ulvi K. vor Gericht - bei einem Anhörungstermin im Januar 2015
Ulvi K. vor Gericht - bei einem Anhörungstermin im Januar 2015
© deutsche presse agentur, David Ebener

05. Mai 2021 - 9:58 Uhr

Von Michaela Johannsen und Lea Haberbosch

Er saß für den Mord an Peggy Knobloch in der Psychiatrie. Für einen Mord, den er nicht begangen hat. 2014 rollt ein Gericht das Verfahren gegen Ulvi K. neu auf. Am Ende ist er frei. Die Richter sind der Überzeugung, dass der geistig zurückgebliebene Mann NICHT der Mörder von Peggy Knobloch ist. Wie lebt Ulvi K. sieben Jahre nach dem Freispruch? Der 43-Jährige hat sein ganz privates Glück gefunden, wie wir von seiner Betreuerin erfahren haben. Doch der Fall Peggy ist auch 20 Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens ungeklärt.

Ulvi K. ist verlobt

Die gerichtlich bestellte Betreuerin von Ulvi K. heißt Gudrun Rödel. Sie berichtet im RTL-Interview, welches Glück der inzwischen 43-Jährige gefunden hat.

Betreuerin Gudrun Rödel und Ulvi K.
Betreuerin Gudrun Rödel und Ulvi K. bei einem Spaziergang durch Bayreuth im März 2014
© picture alliance, David Ebener

"Ulvi geht es gut", sagt Rödel: "Er kann ein ganz normales Leben führen". Der 43-Jährige wohnt in einer Einrichtung im Raum Bayreuth. Jeden Morgen geht er zur Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen. Zurzeit bearbeite Ulvi K. dort Autoersatzteile. Manchmal sortiere er aber auch Buntstifte in ihre Schachteln. Ab 16 Uhr hat Ulvi K. Freizeit, bis er abends wieder im Wohnheim sein muss. Er fühle sich wohl in der Gemeinschaft der anderen Bewohner dort. "Ulvi ist beliebt, alle mögen ihn", berichtet die Betreuerin. Etwa jedes zweite Wochenende fährt Ulvi K. zu seinen Eltern nach Lichtenberg. Er wolle die beiden unterstützen und entlasten, darum würde er die Arbeiten übernehmen, die den beiden inzwischen schwerfallen, erzählt die Betreuerin.

Seit ein paar Monaten hat Ulvi K. eine Freundin. Seiner Betreuerin erzählte er erst kürzlich, dass er der Frau einen Ring geschenkt und sich mit ihr verlobt habe. Die Beziehung sei natürlich ein wenig anders, trotzdem sei Ulvi sehr stolz darauf, sagt sie.

Ermittlungen im Fall Peggy Knoblich eingestellt
Der Fall der getöteten Peggy Knobloch gilt inzwischen als Cold Case.
© picture-alliance / dpa, Marcus Führer

Ulvi K. bekommt mit, dass Peggys Mörder noch nicht gefunden wurde

Sie berichtet aber auch, dass es ihren Schützling aufwühle, dass der 20. Jahrestag von Peggys Verschwinden immer näher rücke. Der Fall gilt inzwischen als sogenannter Cold Case. "Er ist freigesprochen worden und immer wieder sucht man in Lichtenberg einen Mörder", so Rödel. Das bekomme Ulvi K. mit.

Ulvi K. ist seit einer Hirnhautentzündung in der Kindheit geistig behindert. Bei einem Verhör im Oktober 2002 gestand er, Peggy Knobloch missbraucht und wenige Tage später getötet zu haben. Doch er widerrief sein Geständnis nur wenige Tage später. Sein Anwalt und seine Eltern warfen den Ermittlern damals vor, das Geständnis nur durch stundenlanges Verhören und Suggestivfragen erzwungen zu haben. Verurteilt wurde Ulvi K. trotzdem und daraufhin in der forensischen Psychiatrie untergebracht. Im Wiederaufnahmeverfahren im April 2014 wurde das Urteil schließlich aufgehoben.

Peggy Knoblochs Grabstein
Teile von Peggy Knoblochs Leiche wurde in einem Waldstück in Thüringen gefunden.
© dpa, David-Wolfgang Ebener, ebe rf sja sja wen baj sja zk

Fall Peggy Knobloch ist seit 2020 ein Cold Case

Der Fall Peggy Knobloch ist noch immer ungelöst. Klar ist nur, dass sie nicht mehr am Leben ist. Wer das Mädchen damals tötete, ist völlig unklar. 2016 fanden Pilzsammler Skelettteile des Mädchens im Wald in Thüringen, nur wenige Kilometer von Lichtenberg entfernt. Trotzdem stellte die Staatsanwaltschaft im Oktober 2020 die Ermittlungen ein – sie kam in dem Fall einfach nicht mehr weiter. Viele Spuren sind nach der langen Zeit zerstört oder verloren.

Zumindest Ulvi K. hat nach seinem Freispruch eine zweite Chance bekommen. Laut seiner Betreuerin träume er von einem Urlaub in der Türkei. Dorthin würde der 43-Jährige am liebsten mit seinen Eltern und seiner Betreuerin reisen. Rödel will nun versuchen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen, sobald man wieder stressfrei reisen kann. (jgr/ rsa)

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