Trauriges Jubiläum

Vor 20 Jahren verschwand Peggy Knobloch (9) - bis heute ist ihr Fall ungeklärt

Peggy Knobloch
Peggy Knobloch
© deutsche presse agentur, RTLi, unbekannt

04. Mai 2021 - 16:05 Uhr

Chronologie der Ereignisse im Fall Peggy

Der Fall Peggy Knobloch ist einer der aufsehenerregendsten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte – und bis heute ungelöst. 15 Jahre lang gab es keine Spur von Peggys Leiche, bis im Juli 2016 schließlich ihre sterblichen Überreste gefunden wurden. Nach fast 20 Jahren Ermittlungsarbeit, zwei Tatverdächtigen und einem widerrufenen Geständnis ist der Fall seit Oktober 2020 ein sogenannter Cold Case. Trotzdem bewegt Peggys Verschwinden nach wie vor viele Menschen – und vor allem ihre Familie.

Mai 2001: Peggy (9) verschwindet aus Lichtenberg

Die damals neunjährige Peggy verschwindet am 7. Mai 2001 aus ihrem Heimatort Lichtenberg in Oberfranken. Nur wenige Meter von ihrem Elternhaus entfernt wird sie das letzte Mal gesehen – gegen 13.00 Uhr. Sofort wird nach dem Mädchen gesucht, die Polizei arbeitet auf Hochtouren. Insgesamt werden in kurzer Zeit knapp 4.800 Spuren ausgewertet. Doch die Ermittlungen bleiben ohne Ergebnis, trotz einer damals ausgeschriebenen Belohnung von 55.000 DM.

August 2001: Polizei verhaftet geistig behinderten Ulvi K. als Tatverdächtigen

Im August 2001 verhaftet die Polizei schließlich den damals 23-jährigen Ulvi K., muss ihn wegen mangelnder Beweise und einem schlüssigen Alibi allerdings wenig später wieder auf freien Fuß setzen. Im Oktober 2002 wird Ulvi K. erneut festgenommen und der Öffentlichkeit als Tatverdächtiger präsentiert.

Ulvi K. ist seit einer Hirnhautentzündung in der Kindheit geistig behindert. Bei einem Verhör im Oktober 2002 gesteht er schließlich, Peggy Knobloch missbraucht und wenige Tage später getötet zu haben. Doch Ulvi K. widerruft das Geständnis des Mordes nur wenige Tage später wieder. Sein Anwalt und seine Eltern kritisieren damals die Behörden und werfen den Ermittlern vor, das Geständnis nur durch stundenlanges Verhören und Suggestivfragen erreicht zu haben.

Foto von Peggy an einer Pinnwand bei der Polizei
Bei einem Verhör im Oktober 2002 gesteht Ulvi K.., Peggy missbraucht und wenige Tage später getötet zu haben. Doch das Geständnis wird widerrufen.
© picture-alliance / dpa, Marcus Führer

Oktober 2003: Ulvi K. wird wegen Mordes an Peggy angeklagt

Trotz des Widerrufs wird Ulvi K. wegen Mordes angeklagt, im Oktober 2003 startet schließlich der Prozess gegen ihn. Wenige Monate später wird er wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Hauptindiz war das Geständnis des Angeklagten, welches das Gericht für rechtmäßig zustande gekommen und glaubwürdig hält. Die Verteidigung hält dagegen, ihr Mandat sei zu so einer Tat geistig nicht im Stande und geht in Revision – doch die wird vom Bundesgerichtshof abgelehnt. Ulvi K. wird in einer forensischen Psychiatrie untergebracht.

April 2014: Verfahren gegen Ulvi K. wird wieder aufgenommen - Verurteilung wird aufgehoben

Danach ist es lange ruhig um den Fall Peggy Knobloch. Erst im Juli 2012 widerruft ein Hauptzeuge im Prozess gegen Ulvi K. seine Aussage gegen den Verurteilten – die Staatsanwaltschaft überprüft das Verfahren daraufhin und empfiehlt im November 2013, das Verfahren wiederaufzunehmen. Im Wiederaufnahmeverfahren im April 2014 hebt das Landgericht in Bayreuth die Verurteilung von Ulvi K. schließlich auf – fast 10 Jahre nach dem ersten Prozess. Der Fall Peggy wird wieder offiziell zum ungelösten Mordfall.

dpatopbilder - Der als Peggys Mörder verurteilte Ulvi K. (r) sitzt am 10.04.2014 vor Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens vor dem Landgericht Bayreuth (Bayern) neben seinem Rechtsanwalt Michael Euler. 2004 wurde Ulvi K. in einem Indizienprozess wegen
Fall Peggy - Prozess Ulvi K.
© dpa, David Ebener

Juli 2016: Pilzsammler finden Peggys sterbliche Überreste

Am 2. Juli 2016 entdecken Pilzsammler bei Rodacherbrunn in Thüringen Skeletteile. Der Fundort liegt nur wenige Kilometer vom Heimatort Peggys entfernt. Der Tatort und die Knochenteile werden akribisch untersucht –Polizei und Staatsanwaltschaft teilen kurz danach mit, dass sie "höchstwahrscheinlich" von Peggy stammten.

Im Oktober 2016 folgt eine ebenso unerwartete wie plötzliche Wendung: Die Behörden finden am Fundort der Knochenteile DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Wenig später stellt sich allerdings heraus, dass die Spuren wohl durch eine Panne bei den Ermittlungen an den Fundort geraten sind.

September 2018: Polizei nimmt Manuel S. im Fall Peggy fest - und lässt ihn später wieder frei

Im September 2018 durchsucht die Polizei schließlich mehrere Anwesen eines 41 Jahre alten Beschuldigten. Die Polizei war dem Verdächtigen über die Analyse von Mikropartikeln auf die Spur gekommen, die sich auf den sterblichen Überresten fanden. Manuel S. zählte schon früher zum "relevanten Personenkreis" im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Peggy, er soll ein Freund von Ulvi K. gewesen sein.

In einer mehrstündigen Vernehmung legt Manuel S. schließlich ein Teilgeständnis ab, gesteht aber weder den Mord, noch eine Beteiligung daran. Vielmehr will er das Mädchen bereits leblos an einem Bushäuschen in Lichtenberg von einem Mann übernommen und später im Wald vergraben haben. Dieses Geständnis, das er ohne Beisein eines Anwalts abgelegt hatte, wird später von ihm widerrufen.

Im Dezember 2018 wird Manuel S. wegen Mangel an Beweisen aus der Untersuchungshaft entlassen. Viel Spuren sind nach der langen Zeit zerstört oder verloren – für eine Anklage gibt es aus Sicht des Gerichts keine Grundlage.

Oktober 2020: Fall Peggy wird zum Cold Case

Im Oktober 2020 erklärt die Staatsanwaltschaft Bayreuth, dass die Ermittlungen eingestellt wurden und der Fall mit seinen rund 6.400 Spuren, 250 Gutachten und 3.600 Vernehmungen geschlossen ist. Peggys Vater zeigt sich im RTL-Interview bestürzt: "Ich bin sehr traurig und enttäuscht, das soll es jetzt also gewesen sein." Seine vermisste Tochter sei nun "einfach ein weiterer ungeklärter Fall, von denen es leider so viele gibt".

Den ganzen Fall von Peggy Knobloch und warum die Journalistin Ina Jung davon überzeugt ist, dass Peggy noch bis 19 Uhr gelebt haben könnte, schlüsseln wir in unserem True Crime Format #crimetuesday auf Instagram auf. Mehr Infos rund um True Crime finden Sie auch in unserer True Crime Gruppe auf Facebook.

Auch interessant