Meinungsforscher im "Frühstart"

"Union hat auf der Zielgeraden die meisten Reserven"

18. September 2021 - 6:00 Uhr

Forsa-Meinungsforscher sieht noch Potenzial bei Union

Eine Woche vor der Bundestagswahl liegt die SPD (25 Prozent) in der aktuellen Forsa-Umfrage weiter vor der Union (21 Prozent). Ein Vorsprung auf dem sich die Sozialdemokraten nicht ausruhen sollten. "Es kann sich noch viel bewegen bis zum Wahltag.", sagt der Forsa-Meinungsforscher Peter Matuschek. Matuschek sieht bei der Union noch das Potenzial bis zum Wahltag aufzuholen, allerdings könnte der eigene Kandidat die Hürde sein: "Die Partei, die auf der Zielgeraden noch die meisten Reserven hat, wäre die Union. Die Frage ist allerdings, ob sie mit Armin Laschet dieses Potenzial abrufen kann."

Einen Termin auf den die Union sicherlich hofft, ist die Anhörung von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz am Montag vor dem Finanzausschuss des Bundestags. Scholz muss sich in seiner Rolle als Bundesfinanzminister zu den Durchsuchungen in seinem Ministerium, im Rahmen der Ermittlungen gegen die Zoll-Behörde FIU, äußern. Doch laut Matuschek werden weder die Ermittlungen noch die Anhörung einen Einfluss auf die Zustimmungswerte der SPD haben. "Auch der Wirecard-Skandal hat Scholz nicht wirklich geschadet. Das Problem bei solchen Vorgängen ist, dass die Mehrheit es gar nicht durchschaut.", so der Meinungsforscher.

„Olaf Scholz macht keine Fehler"

Auch das von der Union aufgebaute "Linke-Schreckgespenst" stellt laut Matuschek keine Gefahr für Olaf Scholz da. Eine Koalition mit der Linkspartei würden zwar nicht viele befürworten aber eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei würde noch lange nicht den Schrecken auslösen wie etwa vor 20 Jahren, so Matuschek. Für den Meinungsforscher ist das Linksbündnis dennoch unrealistisch, da Scholz eine Koalition mit den Linken eigentlich ausgeschlossen habe, indem er in den letzten Wochen oft auf seine Positionen in der Außen- und Verteidigungspolitik hingewiesen hat. Diese würden eine Koalition zwischen SPD und Linkspartei zwar unmöglich machen aber dennoch verweigert Scholz öffentlich das klare Nein zu einem Linksbündnis. Matuschek vermutet dabei taktische Gründe für mögliche Sondierungsgespräche mit der FDP: "Scholz schließt das Linksbündnis nicht aus, um Verhandlungsmaße für spätere Koalitionsverhandlungen zu haben. Wenn er jetzt Rot-Grün-Rot ausschließen würde, könnte Christian Lindner als Königsmacher ihm die Bedingungen diktieren."

Scholz ist laut der aktuelle Forsa-Umfrage der zweitbeliebteste Bundespolitiker Deutschlands. Damit liegt der SPD-Kandidat hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel und hat sogar CSU-Chef Markus Söder überholt. Auf die Frage, was Scholz im Vergleich zu seinen Konkurrenten ums Kanzleramt besser macht, sagt Matuschek: "Olaf Scholz macht keine Fehler. Während Armin Laschet und Annalena Baerbock ins Straucheln geraten sind, hat Scholz seinen Wahlkampf stur weitergeführt."