Sexismus-Vorwurf gegen ukrainisches Verteidigungsministerium

Was soll DAS denn?! Soldatinnen in der Ukraine marschieren plötzlich in Pumps

04. Juli 2021 - 18:52 Uhr

Ukraine: Pumps statt Kampfstiefel

Soldatinnen in Stöckelschuhen. Was wie ein schlechter Scherz klingt, scheint in der Ukraine Wirklichkeit zu werden. Bei einer geplanten Militärparade sollen nämlich die jungen Frauen in Pumps marschieren. Den tieferen Sinn dahinter kennt keiner. In der ukrainischen Armee dienen mehr als 30.000 Frauen, das Verteidigungsministerium scheint aber nicht auf der Höhe der Zeit zu sein. Doch Befehl ist Befehl – und so sollen die jungen Soldatinnen in Absätzen und Tarnkleidung marschieren. Nicht nur ukrainische Politiker zeigen sich empört.

Stellvertretende Parlamentspräsidentin: Demütigung von Frauen, die mit Waffen die Unabhängigkeit der Ukraine verteidigt hätten

Das ukrainische Verteidigungsministerium ist in die Kritik geraten, weil es bei einer geplanten Militärparade Soldatinnen in Pumps statt in Kampfstiefeln marschieren lassen wollte. Die stellvertretende Parlamentspräsidentin Olena Kondratjuk forderte die Behörden auf, sich "öffentlich für diese Demütigung" von Frauen zu entschuldigen, die "die Unabhängigkeit der Ukraine mit Waffen in der Hand verteidigen". Auch in den Online-Netzwerken sorgte der Plan für Empörung.

Ausgelöst wurde die Debatte durch Fotos, die das Verteidigungsministerium bei Facebook veröffentlicht hatte. Darauf waren junge Studentinnen einer Militärhochschule zu sehen. Bei einer Probe für die Paraden zum Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes am 24. August trugen sie demnach Tarnkleidung und halbhohe schwarze Pumps.

"Heute trainieren wir zum ersten Mal in Absatzschuhen", wurde am Donnerstag auf der Informationsseite des Verteidigungsministeriums "ArmiaInform" eine Teilnehmerin zitiert. "Es ist ein bisschen schwieriger als in Kampfstiefeln, aber wir tun unser Bestes", sagte die Frau.

Soldatinnen in Heels
Mit solchen Heels sollen die ukrainischen Soldatinnen marschieren - für den Kampfeinsatz scheinen die hochhackigen Schuhe jedoch eher ungeeignet zu sein.
© Ukrainisches Verteidigungsministerium

Verteidigungsminister in High Heels zur Parade?

Auf Facebook bezeichneten viele User die Aktion als "Schande". Die Entscheidung des Verteidigungsministeriums sei "mittelalterlich". Einige ukrainische Abgeordnete, die dem ehemaligen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko nahestehen, erschienen mit Absatzschuhen vorm Parlament und forderten den Verteidigungsminister auf, zur Parade High Heels zu tragen.

"Eine idiotischere und schädlichere Idee kann man sich kaum vorstellen", sagte Inna Sovsun, Mitglied der Golos-Partei, und wies auf gesundheitliche Risiken hin. Sie sagte, dass die weiblichen Soldaten der Ukraine - wie auch die Männer - ihr Leben riskierten und "es nicht verdienen, verspottet zu werden".

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31.000 Frauen dienen in der ukrainischen Armee

In der ukrainischen Armee gibt es mehr als 31.000 Frauen, darunter mehr als 4.100 Offizierinnen. Mehr als 13.500 ukrainische Frauen haben laut Parlamentspräsidentin Kondratjuk seit dem Ausbruch des bewaffneten Konflikts vor sieben Jahren gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes gekämpft. (ntv/kra)