Er geriet unter Beschuss, als er sie aus Kiew retten wollte

Deutscher Feuerwehrmann sitzt im Kampfgebiet fest: Anna bangt um Ehemann Steve

Steve Meiling aus Borna
Steve Meiling geriet unter Beschuss als er auf dem Weg nach Kiew war, um seine Frau abzuholen.

von Johanna Grewer und Janis Heinz

Bekommt diese Liebesgeschichte noch ein Happy End? Die Ukrainerin Anna Meiling weiß nicht wann sie ihren Mann Steve wiedersieht – obwohl die beiden nur wenige Kilometer voneinander entfernt in der Ukraine festsitzen. „Es geht ihm jetzt den Umständen entsprechend“, erzählt Anna jetzt im RTL-Interview.

Steve kam mit Granatensplittern im Kopf in ein Krankenhaus in Bordodyanka. Dort sei er aber jetzt nicht mehr, berichtet seine Frau. Der Ort nördlich von Kiew sei komplett zerstört, alle Bewohner seien geflüchtet und auch das Krankenhaus wurde geräumt. Der 42-Jährige aus dem sächsischen Borna war gerade auf dem Weg zu ihr nach Kiew, um sie dort abzuholen und nach Deutschland zu bringen, als er unter Beschuss geriet.

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Anna Meiling sogrt sich um ihren Mann
Anna Meiling aus Kiew im Skype-Interview mit RTL, links neben ihr ist eine Dolmetscherin zugeschaltet.
RTL

Kurz nach der OP mussten alle flüchten

Der frisch operierte Feuerwehrmann aus Borna sollte eigentlich verlegt werden. Doch inzwischen weiß Anna, dass er nicht in ein anderes Krankenhaus gebracht wurde. Ein Arzt hat den deutschen Patienten kurzerhand mitgenommen, als das Krankenhaus in Bordodyanka geräumt wurde. Er brachte Steve bei Bekannten unter – in der Region rund um Kiew finden gerade heftige Kämpfe statt. Normal läuft dort gar nichts mehr. „Er ist jetzt irgendwo in der Nähe von Kiew, da verläuft auch die Verteidigungslinie“, erzählt Anna.

Sie macht sich große Sorgen um ihren Mann, denn obwohl nur noch wenige Kilometer zwischen den beiden liegen, gibt es im Moment keine Möglichkeit für das Paar, zusammenzukommen. Die Lage ist viel zu unsicher. Anna harrt zuhause in Kiew aus. Immer wieder gibt es Luftalarm, immer wieder muss sie hoffen, dass keine Bombe in ihrer Nähe explodiert. Weg kommt man jetzt nicht mehr so einfach.

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Ehepaar Anna und Steve Meiling
Anna und Steve Meiling haben vor wenigen Wochen geheiratet.

Steve harrt im Haus von Bekannten seines Arztes aus

Und auch Steve muss gerade bleiben, wo er ist, damit er nicht wieder zwischen die Fronten gerät. Im Krankenhaus wurden ihm mehrere Metallsplitter aus dem Kopf entfernt. Um die kleineren Splitter, die sich bei der Explosion in seinen Körper gebohrt haben, konnte sich aber noch niemand kümmern. Zumindest sei der 42-Jährige jetzt wieder transportfähig, sagt seine Frau. Das war zuvor wegen der schweren Verletzungen auch zu gefährlich.

Anna und Steve versuchen im Moment, über Handy Kontakt zu halten. Doch so einfach ist das im Kriegsgebiet nicht. Viele Sendemasten seien zerstört, erzählt die Frau. Wenn ihr Mann telefonieren wolle, müsse er im Moment aufs Dach des Hauses steigen, in dem er untergebracht wurde. Und selbst dort sei die Verbindung holprig und breche immer wieder zusammen. Es sei schwer, in Kontakt zu bleiben.

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Oberbürgermeisterin von Borna Simone Luedtke
Die Oberbürgermeisterin von Borna, Simone Luedtke, sorgt sich um Feuerwehrmann Steve Meiling, der verletzt in der Ukraine festsitzt.
RTL

Bürgermeisterin von Borna will Steve nach Hause holen

Auch in Borna sorgen sich viele um Steve. Nicht nur die Feuerwehr-Kameraden, auch die Oberbürgermeisterin der Stadt hat kaum noch eine ruhige Minute. Simone Luedtke (Linke) setzt alle Hebel in Bewegung, um den Verletzten und seine Familie nach Hause zu holen. Sie hat schon das Auswärtige Amt eingeschaltet und mit Ärzten gesprochen. Sie ist sich sicher, dass sie einen Spezialtransport ab der polnisch-ukrainischen Grenze organisieren könnte, aber ab da wird es schwierig, denn dort herrscht Krieg. Es sei schwer abzuschätzen, welche Straßen überhaupt noch passierbar wären. Zwar hätten ihr auch Bundeswehrsoldaten schon angeboten, in die Ukraine zu fahren und Steve Meiling da raus zu holen, aber die Bürgermeisterin will auf keinen Fall verantworten, dass sich noch mehr Menschen in Gefahr bringen.

Auch Anna weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll. Ihr größter Wunsch ist es, ihren Mann bald wieder in die Arme schließen zu können, um dann gemeinsam zu überlegen, wie sie das Land verlassen können. Sie wünscht sich auch, dass der Krieg bald zu Ende ist. „Ich habe einfach keine Worte, das zu beschreiben“, sagt sie.

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