Zwei Kilometer über das Meer - die Polizei schaut zu

Exklave Ceuta in Marokko: Mehr als 5.000 Migranten schwimmen nach Spanien

19. Mai 2021 - 10:01 Uhr

Tausende Migranten erreichen spanische Nordafrika-Exklave Ceuta

Mehrere Tausend Migranten haben die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta erreicht. Sie waren etwa zwei Kilometer durch das Mittelmeer von der marokkanischen Stadt Fnideq aus geschwommen. Die marokkanische Polizei sei nicht eingeschritten, berichtete die Zeitung "El País" unter Berufung auf Berichte von Augenzeugen in Fnideq. Die Zeitung spricht von mindestens 3.000 schwimmenden Migranten, die teilweise ohne Papiere ankamen. Viele von ihnen seien minderjährig. Inzwischen wird die Zahl deutlich höher geschätzt: auf mehr als 5000 Personen.

Marokkanischer Erzfeind Brahim Ghali wird in Spanien wegen Corona behandelt

Ein Migrant nach den 2 km schwimmen nach Spanien.
Dieser Mann freut sich, dass er die 2 km nach Ceuta geschafft hat.
© AP, Antonio Sempere, EM

Als möglichen Grund für die Tatenlosigkeit der marokkanischen Polizei nannten beide Zeitungen die Verärgerung der Regierung in Rabat darüber, dass Spanien die medizinische Behandlung des Chefs der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für Westsahara, Brahim Ghali, erlaubte. Er wird seit April in einem spanischen Krankenhaus wegen einer Corona-Erkrankung behandelt.

Westsahara an der nordafrikanischen Atlantikküste war bis 1975 spanische Kolonie. Marokko kontrolliert große Teile des dünn besiedelten Gebiets an seiner Südgrenze. Die Polisario strebt nach Unabhängigkeit für die Westsahara. Marokko will der Region nur Autonomie zugestehen. Nach einer marokkanischen Militäroperation im November in der Westsahara nahmen die Spannungen wieder zu.

Behörden in Ceuta überfordert: "Weiß nicht, was wir mit den Menschen machen sollen"

Schwimmer erreichen das spanischen Territorium von Ceuta.
Diese Menschen haben es geschafft. Wegen der Untätigkeit der marokkanischen Polizei umschwammen sie den Zaun.
© AP, Antonio Sempere, EM

Die Behörden in Ceuta mit etwa 85.000 Einwohnern wurden von der Massenflucht überwältigt. "Am Sonntag waren ungefähr 70 Menschen in dem Aufnahmelager für illegale Migranten. Ich weiß nicht, was wir mit den Menschen machen oder wo wir sie unterbringen sollen", zitierte die Zeitung einen Verantwortlichen in der Exklave.

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