Verwandte seines Opfers wollten lebenslange Haftstrafe

Mörder bekommt Giftspritze - sein Todeskampf dauert drei Stunden

Joe Nathan J. vor seiner Hinrichtung. Er hatte 1994 eine junge Frau umgebracht.
Joe Nathan J. vor seiner Hinrichtung. Er hatte 1994 eine junge Frau umgebracht.

Drei Stunden dauerte es, bis der verurteilte Mörder Joe Nathan J. tot war. So lange hatten die Mitarbeiter im Todestrakt des Gefängnisses in Atmore, Alabama (USA), gebraucht, um den 50-jährigen mit er Spritze hinzurichten. Ein grausamer Tod, findet eine Menschenrechtsorganisation – und selbst die Angehörigen des Opfers hätten sich lieber eine andere Strafe gewünscht.

Mörder tötete Faith Hall - seine Hinrichtung lief schief

1994 tötete J. die damals 26-jährige Faith Hall in Birmingham, ebenfalls in Alabama. 28 Jahre nach der Tat, am 28. Juli, sollte J. die Todesspritze bekommen. Der Termin war für morgens früh um 6 Uhr angesetzt. Doch etwas stimmte nicht, fiel Medienvertretern auf, die als Zeugen eingeplant waren. Denn statt um 6 Uhr im Gefängnis zu sein, wurden sie erst um 6.33 Uhr abgeholt. Dann mussten sie in Atmore bis 9 Uhr warten, bis die Exekution offiziell begann. Um 9.06 Uhr soll J. geatmet und auf Nervenreizungen reagiert haben. Um 9.12 wurden die Vorhänge vor der Exekutionskammer zugezogen – und um 9.18 Uhr mussten die Zeugen den Raum verlassen. Neun Minuten später wurde er für tot erklärt.

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Drei Stunden nach seinem Hinrichtungstermin. War etwas schiefgelaufen? Die Gefängnisverwaltung dementierte unverzüglich: Bei der Hinrichtung sei „nichts Ungewöhnliches vorgefallen.“ Doch das Autopsie-Ergebnis erzählte eine andere Geschichte: J. soll bereits gegen 6 Uhr das Gift verabreicht worden sein – doch vermutlich ging das Setzen der intravenösen Spritze schief. Ein gut dreistündiger Todeskampf muss gefolgt sein.

Gewaltige Kritik nach Hinrichtung von Mörder

Nun hagelt es gewaltig Kritik: „Einen Gefangenen drei Stunden lang Schmerz und Leid auszusetzen, ist die Definition von grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung“, sagt Maja Foa von Reprieve US, einer Non-Profit Organisation, die sich dem Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen, der Aufklärung von missbräuchlichen Rechtsurteilen und der Allgemeinbildung verschrieben hat. Sie setzen sich unter anderem auch für die Häftlinge in Guantanamo ein.

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Der Staat könne nicht behaupten, so Foa weiter, dass diese Hinrichtungsmethoden menschlich seien. Reprieve US vermutet, dass J. ruhiggestellt wurde, damit die Hinrichtung überhaupt stattfinden konnte. Das hatte dazu geführt, dass er um 9 Uhr bereits bewusstlos gewesen war, und nicht mehr auf Ansprache reagiert hätte. „Zuerst war es reine Folter hinter geschlossenen Türen und dann ein Schauprozess für die Zeugen“, ist sich Foa sicher.

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Gefängnis weist jeden Fehler von sich

Das Gefängnis selbst sieht keinen Fehler bei sich. Kalt heißt es dort: „Ich kann gar nicht genug betonen: Wir führen die ultimative Form der Bestrafung durch und wir haben Protokolle, auf die wir achten und wir stellen sicher, dass alles nach Plan verläuft. Wenn das dann ein paar Minuten oder ein paar Stunden länger dauert, dann ist das das, was wir tun.“

Die Verwandten der 1994 getöteten Faith, ihre beiden Kinder und ihr Bruder, sprachen sich gegen (!) die Todesstrafe für J. aus. Sie hätten es begrüßt, hätte er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbracht. (eon)