Welche Daten Sie niemals einfach preisgeben sollten

Polizei warnt vor Telefonabzocke! Betrüger drehen ahnungslosen Kunden teure Stromverträge an

Verzweifelter Mann sitzt vo Laptop und hält Vertrag in der Hand
Die Weitergabe von Informationen kann zum ungewollten Wechsel des Stromanbieters führen, warnt die Polizei Lübeck. (Foto: Symbolbild)
fizkes, iStockphoto, iStock/fizkes

von Nicole Ide und Diana Heuschkel

Die Energiekrise belastet Stromkunden und viele sind verunsichert. Das nutzen Betrüger bundesweit aus und hoffen auf leichte Beute bei der Vermittlung von teuren Stromverträgen am Telefon. Jetzt warnt die Polizei Lübeck: Die Betrüger brauchen nur wenige Informationen von ihren Opfern, um die neuen Teuer-Verträge abzuschließen.

Telefonabzocke unseriöser Firmen

„Geben Sie am Telefon niemals Zählernummer oder Zählerstand durch. Die Informationsweitergabe könnte zum Wechsel des Stromanbieters führen und als mündlicher Vertrag gelten“, warnt Claudia Struck von der Polizei in Lübeck. Bundesweit häufe sich gerade das Phänomen der Telefonabzocke, bei der unseriöse Firmen arglose Stromkunden per Anruf auffordern, ihre Zählernummer sowie den aktuellen Zählerstand durchzugeben. „Man muss sich davon frei machen, dass ich einen Vertrag nur abschließe, wenn ich unterschreibe, dass kann auch mündlich am Telefon passieren“, so Struck auf Anfrage von RTL.

Lese-Tipp: Vermeintlicher Stromanbieter-Wechsel: Vorsicht vor fieser Telefon-Abzocke!

Was bezwecken die Strom-Betrüger mit der Telefonabzocke?

Was haben die Betrüger aber selbst davon, ihren Opfern neue Stromverträge anzudrehen? Man gehe davon aus, dass hinter der Masche unseriöse Firmen stecken, die von der Akquise von Stromneukunden finanziell profitieren, erklärt Polizeisprecherin Claudia Struck im RTL-Interview. „Und je mehr Kunden, desto mehr Umsatz." Vorstellbar sei auch, dass diese Firmen Mittler einsetzen, die dann für jeden Vertragsabschluss eine Art Provision erhalten. Auf RTL-Nachfrage wollte die Polizeisprecherin die Drahtzieher-Firmen nicht namentlich nennen, da es sich noch um laufende Ermittlungen handele.

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Lübeckerin meldet Anruf bei der Lübecker Polizei

Der jüngste bekannte Fall in Lübeck: Am Dienstag (4.Oktober) gibt sich ein Anrufer als Mitarbeiter eines regionalen Energieversorgers aus und fragt eine Lübeckerin nach dem aktuellen Zählerstand sowie der Zählernummer. Gleichzeitig gibt er vor, dass die sogenannte EEG-Umlage ausgezahlt werden solle. Zum Glück wird die 50-Jährige misstrauisch – denn sie hatte erst kürzlich eine Rechnung über die Anpassung durch ihren tatsächlichen Stromanbieter erhalten. Sie beendet das Gespräch und hakt bei ihrem Energieversorger nach, der ihren Verdacht bestätigt. Danach wendet sie sich an die Polizei.

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Wie die Betrüger an die Nummern ihrer Opfer gelangen, lässt sich noch nicht nachvollziehen. Im Fall der Lübeckerin ist wohl der Eintrag im Telefonbuch missbraucht worden. Die Beamten in Lübeck ermittelt jetzt wegen des Verdachts des Betruges.

Dazu rät die Polizei, bei solchen Anrufen aufzulegen, keine Daten preiszugeben und einige wichtige Tipps zu befolgen:

  • Geben Sie am Telefon niemals Zählernummer oder Zählerstand durch!
  • Am Telefon geschlossene Verträge sind gültig! Sollten Sie einem Vertragsabschluss zugestimmt haben, widerrufen Sie nach Eingang der Auftragsbestätigung umgehend und zwar schriftlich (am besten per Einschreiben) innerhalb der Frist, die in der Regel 14 Tage beträgt.
  • Verlangen Sie von dem Anbieter ein postalisch versendetes Formular zum Eintragen der Zählerstände.
  • Beenden Sie das Telefonat, sollte der Anbieter unter einem Vorwand weitergehende Informationen erfragen wollen.
  • Nennen Sie niemals Ihre Kontodaten, wenn Sie den Gesprächspartner nicht kennen.

„Wenn man merkt, einen Vertrag eingegangen zu sein, dann sollte man sich nicht schämen die Polizei zu Rate zu ziehen oder sich an eine Rechtsauskunft zu wenden“, empfiehlt Claudia Struck. (nid/dhe)

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