Verzweifelte Videobotschaft aus dem Kabul

Afghanische Journalistin: "Taliban haben Frauen lebendig begraben"

19. August 2021 - 8:43 Uhr

Frauen in Afghanistan haben Angst zur Zielscheibe von Gewalt und Unterdrückung zu werden

Sie fürchten nicht einfach nur um ihre Existenz, sondern um das nackte Überleben: Viel afghanische Frauen haben in den vergangenen 20 Jahren die Chance genutzt, eine Schule zu besuchen und einer eigenen Arbeit nachzugehen. Jetzt haben sie Angst vor Vergeltung, denn berufstätige Frauen sind ein erklärtes Feindbild der Taliban in Afghanistan. Eine Fernseh-Journalistin berichtet über die dramatische Situation in ihrem Land.

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TV-Journalistin schickt bedrückende Handy-Botschaft aus Kabul

Es ist ein bedrückendes Handy-Video, dass uns Zahra N. aus der afghanischen Hauptstadt Kabul geschickt hat. Noch hält sich die junge Kamerafrau und TV-Reporterin in ihrer Redaktion auf. Aber die große Angst, was als nächstes kommen wird, ist ihr anzusehen.

"Frauen sind sehr besorgt über ihre Zukunft, besonders Journalistinnen. Vielleicht werden sie von den Taliban verfolgt. Ich persönlich hatte letzte Woche einige Schwierigkeiten mit Verbündeten der Taliban. Ich sah, dass in einer Region, in der ich unterwegs war, Frauen vollständig begraben wurden. Wir sind sehr enttäuscht. Unsere Errungenschaften wurden verkauft", sagt die junge Journalistin. Wie so viele Frauen in Afghanistan hatte auch sie gehofft, dass ihre Regierung gemeinsam mit den westlichen Verbündeten das Land in ein neues Zeitalter steuern könnten.

Frau in Burka in Afghanistan
Frau in Burka in Afghanistan
© dpa, Jalil Rezayee, ba jak cul htf tba

Afghanische Frauen machen sich sorgen um ihre Zukunft unter den Taliban

Jetzt sieht es so aus, als würde sich die Zeit zurückdrehen und besonders Frauen könnten die großen Verlierer werden. Zahra N. arbeitet bei einem Fernsehsender, der im Jahr 2017 an den Start ging. Ein TV-Sender von Frauen für Frauen. Vier Jahre später scheint davon nichts übrig zu bleiben.

"Die Situation der Frauen ist sehr kompliziert. Unsere Medien, die besonders von Frauen betrieben wurden, laufen nicht mehr, weil die Frauen sich Zuhause vor der Hölle eingesperrt haben. Seit gestern haben wir unzählige Anrufe von Frauen erhalten. Sie sind sehr besorgt um ihre Zukunft und dass das Taliban-Regime wie vor zwanzig Jahren wiederholt wird", erzählt sie. Eine Zukunft die für die Frauen Afghanistans sehr düster aussieht. (rra)