"Sofort impfen"

Erzieher fordern besseren Schutz für sich und ihre Kollegen

Symbol: Erzieher wollen geimpft werden.
© imago images/Westend61, Mareen Fischinger, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

29. Januar 2021 - 9:38 Uhr

Tagesmutter Irmel Nüsser schlägt Alarm

Während andere im Homeoffice bleiben können, müssen Erzieher quasi an vorderster Front arbeiten. Sie können aber nicht nur nicht von zu Hause aus arbeiten, Tagesmütter und Betreuer haben zudem engen Kontakt zu Kleinkindern und können sich kaum vor Infektionen schützen. Deshalb fordern immer mehr Erzieher jetzt, dass auch sie sofort geimpft werden und nicht erst, wenn ihre Altersklasse an der Reihe ist.

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Erzieherin schreibt Brandbrief an die Politik

Eine von ihnen ist die selbstständige Tagesmutter Irmel Nüsser aus Döhren in Niedersachsen. Sie forderte vor wenigen Tagen in einem Brandbrief unter anderem an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Niedersachsens Ministerpräsident Weil, dass Beschäftigte in der Kinderbetreuung besser geschützt werden müssten. "Politiker sagen uns jeden Tag: Reduziert Kontakte, wo ihr nur könnt. Ich kann aber mit kleinen Kindern so nicht arbeiten."

Dabei kommt den Erziehern gerade wie schon im ersten Lockdown eine sehr wichtige Aufgabe zu. Zwar sind Kindertagesstätten und andere Betreuungseinrichtungen weitestgehend geschlossen. Einige Eltern können aber nicht von zu Hause arbeiten und brauchen deshalb dringend eine Not-Betreuung.

Bundesregierung erteilt Forderung eine Absage

Irmhild Nüsser liest ihren Tageskindern vor.
Irmhild Nüsser fordert von der Politik, das Erzieher bei der Impfung priorisiert werden.
© RTL, Simon Steioff

Bei der Bundesregierung hingegen stößt die Forderung nicht auf Zustimmung. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte im RTL-Interview, es habe bereits eine Priorisierung für Lehrer und Erzieher gegeben. Es gehe in erster Linie jetzt darum, die Todeszahlen nach unten zu bekommen. Faktisch also eine Absage der Bundesregierung.

Aktuell sind sowohl Lehrer als auch Erzieher in Gruppe vier eingeordnet. Das entspricht einer leichten Vorzugsbehandlung, weil die Berufsgruppen – ähnlich wie Pflegepersonal – unabhängig von ihrem Alter ein Impfangebot bekommen sollen.

Karliczek appeliert an Solidarität

Ähnlich wie ihr Kollege Jens Spahn appellierte die Bundesbildungsministerin auch noch einmal an die Solidarität der Deutschen. "Eins dürfen wir in diesen Tagen nicht tun, nämlich den Einen gegen den Anderen ausspielen." Die Expertengruppe aus Ständiger Impfkommission, Ethikrat und Leopoldina hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Es sei aber einfach so, dass die Reduzierung der Todeszahlen und ein funktionierendes Gesundheitssystem die wichtigsten Punkte seien, so Karliczek.

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