Erzieherin atmet auf

„Beschlüsse für Kitas waren längst überfällig"

Erzieher stehen bei Kinderbetreuung in Zeiten von Corona vor vielen Herausforderungen.
Erzieher stehen bei Kinderbetreuung in Zeiten von Corona vor vielen Herausforderungen.
© dpa, Uwe Anspach, ua fgj bwe

07. Januar 2021 - 16:23 Uhr

„Wir Erzieher wollen endlich gehört werden!“

Die Werbungen sind voll von rührenden Spots, in denen Menschen gewürdigt werden, die unser tägliches Leben in Zeiten von Corona weiter am Laufen halten. Ärzte, Paketboten und Supermarktmitarbeiter werden gezeigt. Aber wer bedankt sich bei denen, die sich jeden Tag um unsere Kinder sorgen?

Erzieherinnen und Erzieher werden in solchen Debatten häufig vergessen und das völlig zu Unrecht. Denn gerade sie riskieren mit am meisten ihre Gesundheit, da Hygienemaßnahmen im Kita-Alltag fast unmöglich einzuhalten sind. Erzieherin Hanna erzählt von den unmöglichen Bedingungen, mit denen sie und ihre Kollegen tagtäglich zu kämpfen haben. Da sie unerkannt bleiben möchte, haben wir ihren Namen geändert. Sie fordert: "Wir Erzieher wollen endlich gehört werden!"

Unverständnis der Eltern statt Dankbarkeit

Seit Dienstagabend kann Hanna endlich aufatmen. Die neuen Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern beinhalten, dass Kitas ab Montag (11.01.2020) nur noch eingeschränkt öffnen und die Betreuungszeiten gekürzt werden. Für Hanna heißt das, sie und ihre Kollegen müssen zwar immernoch ständig in der Kita sein, jedoch bringt die neue Regelung eine deutliche Verbesserung.

Immerhin endlich ein Schritt in die richtige Richtung, um allen Erzieherinnen und Erziehern den Arbeitsalltag in der aktuellen Zeit ein wenig zu erleichtern. Denn bis jetzt war das bei weitem nicht so. Die Betreuungszeiten waren ganz normal von 7 bis 17 Uhr und es wurde lediglich an Eltern appelliert, ihre Kinder wenn möglich selbst zu betreuen. Ein Appell, dem in Hannas Kita-Gruppe fast niemand gefolgt ist. Nur ein Elternteil von zwölf zeigte Verständnis und ließ sein Kind zuhause.

Und nicht nur mit Unverständnis mussten sich die Erzieher rumschlagen, viele Eltern wurden sogar unverschämt: "Ich habe eine Mutter gebeten, beim Abholen ihres Kindes ihre Maske aufzuziehen. Aber alles, was ich mir anhören musste, war, dass ich ihr ja wohl nichts zu sagen habe", sagt Hanna, "und wir riskieren ja so schon jeden Tag unsere eigene Gesundheit. Einem zweijährigen Kind kannst du nicht sagen, es soll sich die Nase selbst putzen."

„Alles, was das ist, ist Massenabfertigung"

Doch das Unverständnis der Eltern sei nicht das Schlimmste, beklagt die Erzieherin. Denn bis Dienstag seien sogar die Gruppen innerhalb der Kita wild durchmischt worden, sowohl zwischen Erziehern als auch zwischen den Kindern. "Wir können froh sein, dass bisher noch nichts passiert ist und wir noch keinen Corona-Fall innerhalb der Kita hatten. Wenn's soweit kommt, können wir komplett dicht machen", so Hanna.

Hinzu kommt, dass die Erzieher fast Unmögliches leisten müssen, denn für 15 Kinder gibt es momentan nur drei Erzieherinnen: "Ich bin ja froh, dass es sogar drei sind, und gerade haben wir auch noch eine Praktikantin. Aber eine pädagogische Erziehung ist so gar nicht möglich, alles, was das ist, ist Massenabfertigung, mehr nicht!"

Man dürfe sich nicht wundern, dass es im Bereich der Erzieherinnen und Erzieher nur noch wenige Auszubildende gibt, denn die Voraussetzungen sind für Azubis eher abschreckend als attraktiv. "Wir versuchen uns seit Jahren Gehör zu verschaffen, aber es kommt ja nicht einmal zu einer Debatte. Wir werden einfach vergessen. Und das, obwohl wir die sind, die sich um unseren Nachwuchs kümmern, um unsere Zukunft! Das kann doch nicht sein!"

Ein kleines Ziel haben Hanna und ihre Kollegen durch die neuen Corona-Maßnahmen erreicht, aber abseits von Corona liegt vor allen Erzieherinnen und Erziehern noch ein weiter Weg, bis sie für das gewürdigt und bezahlt werden, was sie jeden Tag leisten.

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