Sie entdeckten die Variante und alarmierten die Welt frühzeitig

Südafrikanische Wissenschaftler sauer: Werden für Omikron-Entdeckung bestraft

Forscher weltweit versuchen jetzt, die Omikron-Variante besser zu verstehen. (Foto: Symbolbild)
Forscher weltweit versuchen jetzt, die Omikron-Variante besser zu verstehen. (Foto: Symbolbild)
© iStockphoto, istock/janiecbros, janiecbros

02. Dezember 2021 - 15:56 Uhr

Forscher weltweit versuchen, Omikron zu verstehen

Die Entdeckung der neuen Omikron-Variante des Coronavirus Sars-CoV-2 sorgt weltweit für Sorgen: Erleben wir einen herben Rückschlag? Flammt die Pandemie jetzt wieder auf, weil die Impfstoffe nicht mehr so gut wirken? Fieberhaft versuchen Forscher weltweit, die Eigenschaften der neuen Variante zu entschlüsseln. Wissenschaftler und Politiker in Südafrika aber sind sauer - sie fühlen sich dafür bestraft, die Variante entdeckt zu haben.

​Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de

Reisebeschränkungen für Südafrika

Über 30 Mutationen soll die Omikron-Variante aufweisen und ansteckender sein als alle bisherigen. Ob die Impfstoffe genauso gut wirken? Bisher nicht bekannt – tendenziell gibt es aber Hoffnung. In der Berichterstattung wird Südafrika als Herkunftsort der neuen Omikron-Variante genannt: Die Politik belegt Airlines und Menschen mit Herkunft Südafrika daher mit Einflugs- und Einreiseverboten – vorsichtshalber. Die WHO zeigte sich aber skeptisch. Denn Reisebeschränkungen für die Pandemiebekämpfung sind umstritten. Zu Recht: Die Virus-Variante ist schon lange in der Welt – und damit auch in Europa und in Deutschland.

Rassistische Klischees in der Berichterstattung

Inzwischen wurde Omikron bereits in 19 Ländern nachgewiesen. Ob die Variante überhaupt in Südafrika entstand, ist völlig unklar. Den Wissenschaftlern dort gelang es, sie nachzuweisen, nachdem Inzidenzen in bestimmten Gebieten sprunghaft angestiegen waren. Trotzdem bediente und bedient sich die Presse weltweit typischer Klischees.

In Deutschland fiel besonders die pfälzische "Rheinpfalz" negativ auf, indem sie "Das Virus aus Afrika ist bei uns" in ihrer Sonntagsausgabe titelte und dazu statt eines Hightech-Labors Menschen in ärmlichen Hütten zeigte. Und der Vorsitzende des Weltärztebundes, Prof. Frank Ulrich Montgomery, warnte vor einem möglichen Ebola-Szenario. Auf dem afrikanischen Kontinent sorgen solche Statements für Entsetzen.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Politiker und Wissenschaftler sauer: Werden bestraft!

In Südafrika wunderte sich deswegen schon am vergangenen Wochenende die Präsidentin der dortigen Ärztekammer, Dr. Angelique Coetzee, über den "Hype", der weltweit entstanden sei. Bisher seien in dem Land nur "milde Verläufe" mit Omikron zu verzeichnen, sagte sie einer erstaunten Weltöffentlichkeit - eine Bemerkung, die den weltweit anerkannten Epidemiologen Eric Feigl-Ding aber mit harscher Kritik auf den Plan rief.

Aber nicht nur die Präsidentin der Ärztekammer ist entsetzt - auch Politiker und vor allem Wissenschaftler fühlen sich schlecht behandelt und regelrecht bestraft, sind richtig sauer, berichten Reporter aus dem Land. Sogar anonyme Drohungen erhalten viele von ihnen mittlerweile. Man habe die Welt nur frühzeitig informieren wollen - und das Land ernte jetzt nur Restriktionen und Reisebeschränkungen dafür.

Präsident Cyril Ramaphosa zeigte sich tief enttäuscht

Südafrika werde "bestraft für fortschrittliche Genomanalysen", beschwert sich auch das südafrikanische Außenministerium. Dass nun schon die zweite Variante in Südafrika entdeckt wurde, liegt in den Augen von Experten daran, dass das von HIV gebeutelte Land in den vergangenen Jahrzehnten in erstklassige Epidemiologie investiert habe. "Exzellente Wissenschaft sollte belohnt, nicht bestraft werden", beklagt sich deswegen auch die Regierung. "Tief enttäuscht" sei er über die Reisebeschränkungen, sagte der sichtlich verärgerte Präsident Cyril Ramaphosa in einer Fernsehansprache. Sie seien "ungerechtfertigt" und "diskriminierend". (ija)

VIDEO-PLAYLIST: Alles, was Sie über Corona wissen müssen

Spannende Dokus zu Corona gibt es auf RTL+

Das große Geschäft mit der Pandemie: Ausgerechnet in einer Zeit, in der jeder um seine Gesundheit bangt, finden Betrüger immer wieder neue Wege, illegal Geld zu machen. Ob gefälschte Impfpässe, negative Tests oder Betrügereien in den Testzentren – die Abzocke lauert überall. Sogar hochrangige Politiker stehen in Verdacht, sich während der Corona-Zeit die eigenen Taschen vollgemacht zu haben. Unsere Reporter haben europaweit recherchiert – die ganze Doku auf RTL+.