Israelische Studie: Biontech-Impfstoff reduziert Corona-Übertragung um rund 90 %

Freude bei Medizinexperte Dr. Specht: „Ein ganz toller Lichtblick!“

22. Februar 2021 - 9:52 Uhr

Im Video: Impf-Hoffnung aus Israel - aktuelle Lage in Deutschland

Das Manuskript einer Studie des israelischen Gesundheitsministeriums und Pfizer schlägt große Wellen der Hoffnung: Die Ergebnisse zeigen, dass der Biontech/Pfizer-Impfstoff eine Weitergabe des Coronavirus zu rund 90 Prozent verhindern kann. Auch wenn die Verantwortlichen mit der öffentlichen Bestätigung dieser Werte noch zurückhaltend sind, ist sich Medizinexperte Dr. Specht sicher: "Ein ganz toller Lichtblick – das sind gute Nachrichten!" Aber was bedeuten die Neuigkeiten für Deutschland?

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Dr. Specht: „Bestätigt alles, was man hoffen durfte“

Israel ist in Sachen Corona-Impfung auf dem Vormarsch: 2,8 Millionen und damit rund ein Drittel der neun Millionen Einwohner haben die zweite Dosis bereits erhalten. Die Studiendaten beziehen sich laut "Bild" auf 1,775 Millionen geimpfte Israelis. Das zugehörige Manuskript wurde Journalisten des Internetportals "ynet" zugespielt und bisher nicht offiziell veröffentlicht – weder auf einem Preprint-Server noch in einem von Fachexperten begutachteten Fachjournal. Am Studiendesign gibt es Zweifel – mehr dazu hier.

Die Ergebnisse können also noch nicht als vollständig erwiesen betrachtet werden. Die erste wichtige Erkenntnis daraus lautet jedoch: Das Vakzin von Biontech/Pfizer verhindert eine Erkrankung mit Covid-19 zu 95,8 Prozent, schwere Erkrankungen und Tod sogar zu 99 Prozent. "Dieser Feldversuch bestätigt alles, was man aus der bereits bekannten Studie hoffen durfte", so Medizinkorrespondent Dr. Christoph Specht.

90 % Wirksamkeit gegen Übertragung: Was genau heißt das?

Dr. Christoph Specht beantwortet Ihre Fragen rund um das Thema Coronavirus.
Medizinexperte Dr. Christoph Specht ist über die Meldungen aus Israel erfreut
© rtl.de

Noch bahnbrechender scheint aber die Nachricht, dass auch die Weitergabe des Coronavirus bei asymptomatischen Fällen zu 89,4 Prozent und bei symptomatischen Fällen zu 93,7 Prozent verhindert werden soll, wie Reuters schreibt. Aber was bedeutet diese Prozentangabe genau?

Laut Dr. Specht werde die Gruppe der Geimpften einer anderen Gruppe ohne Impfung gegenübergestellt. "Das heißt, dass in der Gruppe der Geimpften die Krankheit 90 Prozent weniger oft auftritt als in der der Nichtgeimpften. Wenn bei den Nichtgeimpften zum Beispiel 10 Menschen erkranken würden, wäre es bei den Geimpften nur noch einer."

Generell könne man davon ausgehen, dass eine so gute Verhinderung der Krankheit an sich auch Auswirkungen auf die Übertragung des Virus hat: Wer nicht schlimm erkrankt, sei in der Regel auch weniger infektiös. Dass die israelischen Forscher trotzdem noch zurückhaltend sind, einen Erfolg zu verkünden, kann Dr. Specht nachvollziehen: "Sie sind selbst noch vorsichtig und sagen: 'Wir wissen nicht, ob es asymptomatische Ansteckungen gibt'. Das kann man nicht zu 100 Prozent ausschließen und wird es auch nie können. Die Tendenz ist aber wie erhofft."

LESE-TIPP: Biontech, Moderna, AstraZeneca: Die Top 3 der Impfstoffe im Vergleich

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Was bedeuten die Erkenntnisse für Deutschland?

Politiker Karl Lauterbach hofft laut der "Bild am Sonntag", dass sich mit dem Impfstoff von Pfizer und Biontech eine Herdenimmunität erreichen lässt. Dr. Specht ist da jedoch skeptisch: "Das können wir nur erreichen, wenn wir schnell sind. Bei den Israelis kann das funktionieren - bei uns sehe ich etwas schwarz." Das große Problem seien die Corona-Mutationen: "Wir hätten dann vielleicht eine Herdenimmunität gegen die Urvariante, aber in dieser Zeit entwickeln sich die Mutationen und herrschen dann vor."

Die britische Variante werde in Kürze die vorherrschende in Deutschland sein, "da können wir die Uhr danach stellen." Gegen sie seien die aktuellen Impfstoffe zwar noch wirksam, wenn auch weniger – zukünftige Mutationen könnten sich aber so stark entwickeln, dass selbst Menschen, die jetzt schon den Biontech-Impfstoff erhalten haben, nicht mehr geschützt wären.

Biontech/Pfizer: Impfstoff Nummer eins?

An der Vorstellung eines perfekten Impfstoffes sei der von Biontech und Pfizer nach diesen neuesten Erkenntnissen schon dicht dran, so Dr. Specht. Für ihn ist das dennoch keinen Grund, andere wie den viel diskutierten AstraZeneca-Impfstoff zu verschmähen: "Bei AstraZeneca liegen solche Daten noch nicht vor. Meine Einschätzung ist: Wahrscheinlich ist er in der Wirksamkeit etwas schlechter und auch bei der Infektionsverhinderung nicht so gut wie Biontech. Aber: In der aktuellen Situation in Deutschland nehmen Sie den Impfstoff, den Sie bekommen können. So sieht das, würde ich sagen, die Mehrheit der Ärzte. Alles ist besser als gar nicht zu impfen – denn Astrazenca verhindert wahrscheinlich ähnlich gut eine schwere Erkrankung und den Tod wie Biontech."

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Quelle: RTL.de/dpa