Was läuft hier besser als in Deutschland?

Live aus Israel: RTL-Reporterin bekommt Corona-Impfung vor laufender Kamera

05. Februar 2021 - 13:22 Uhr

Corona-Impfung: Israel gibt Gas, Deutschland bummelt

Es ist der Piks der Hoffnung. Während der Großteil der Menschen in Deutschland wohl bis Ende des Sommers auf ein Angebot für eine Corona-Impfung warten muss, gibt Israel Gas. 40 Prozent der neun Millionen Einwohner sind dort schon immunisiert. Alle anderen ab 16 können sich seit Donnerstag einen Impftermin holen. Was macht das Land anders? Brechen auch dort die Server und Telefonhotlines zusammen? RTL-Korrespondentin Raschel Blufarb lebt in Israel und bekommt vor laufender Kamera den Corona-Impfstoff – das Ergebnis sehen Sie im Video. Eine Maske musste sie dabei nicht tragen, weil Journalisten während der Dauer der Sendung von der Maskenpflicht befreit sind, wenn sie dabei reden müssen.

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"Was ist da los bei euch?"

Wenn Menschen aus Israel an Deutschland denken, dann denken viele von ihnen an Effizienz. Bei der Impfung sieht es anders aus: "Was ist da los bei euch?", werden in Deutschland lebende Israelis von ihren Familien gefragt. Mit ihren 40 Jahren wäre unsere Korrespondentin hierzulande beim Impfen noch lange nicht an der Reihe – wann Sie mit der Corona-Impfung dran sind, lesen Sie hier. Anders in Israel. Für 350 Euro musste Raschel in eine Krankenkasse eintreten und ist dadurch wie alle anderen Israelis impfberechtigt.

Die vier großen Krankenkassen des Landes impfen dort direkt selbst und das ist eines der Erfolgsrezepte. Alles ist digitalisiert, jeder wird einfach per SMS zur Impfung eingeladen und macht dann online einen Termin. Genau so funktioniert es auch bei Raschel. "Gestern habe ich mich angemeldet, heute bin ich direkt dran", erzählt sie. "Israel hat doppelt so viel wie Deutschland pro Impfdosis bezahlt, dafür sind die Lager jetzt voll." Dann kommt der Piks. Und danach? "Mir geht es super", so Raschel nach der Impfung. "Der rechte Arm tut ein bisschen weh. Aber ich habe überhaupt keine Nebenwirkungen und bin total froh, dass ich die Impfung gemacht habe."

Lesetipp: Warum läuft es in Deutschland so holprig mit dem Impfen? Hier klären wir die wichtigsten Fragen.

Israel hat viel Impfstoff, aber bezahlt einen hohen Preis

In Israel gibt es ausreichend Impfstoff. Das Land hat früher als Deutschland viele Dosen bestellt und sie auch bekommen. Allerdings, und da liegt wohl auch ein Teil der Wahrheit, ist die Regierung einen Deal mit dem Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer eingegangen. So stellt das Land dem Unternehmen anonymisierte Patientendaten zur Verfügung. Laut Vertrag wollten Israel und Biontech/Pfizer so herausfinden, ab welcher Impfquote eine Herdenimmunität in der Bevölkerung erreicht wird und wie man am schnellsten dahinkommt, heißt es in einem Beitrag in den "Tagesthemen". Was bei Datenschützern für Kopfschmerzen sorgt, wischt Premier Netanjahu mit der Aussicht weg, die Erkenntnisse aus dem Datenabkommen würden der gesamten Menschheit zur Verfügung gestellt.

Möglich ist das Ganze, weil das israelische Gesundheitswesen im Gegensatz zum deutschen auch in Sachen Digitalisierung anders dasteht – so werden Patientendaten zentral und digital erfasst, was auch die Organisation der Corona-Impfungen erleichtert.

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Polizisten werden angehustet

Probleme hat Israel trotzdem. Trotz hoher Impfquote ist das Land noch immer im Lockdown, die Krankenhäuser sind nach wie vor voll mit Corona-Patienten. Zum einen nimmt die Impfbereitschaft ab, vor allem jüngere Leute sind unsicher. Zum anderen lassen sich Teile der ultraorthodoxen Bevölkerung nicht impfen und halten sich auch nicht an die Vorschriften. Bei der Beerdigung eines hohen Rabbiners standen Tausende von ihnen dichtgedrängt auf der Straße – ohne Abstand und ohne Maske, Sicherheitskräfte wurden angehustet. Die Bilder sehen Sie im Video.