Krankenkassen zahlen seit Jahresbeginn weniger

Streik auf Kosten der Kinder? Ärzte wollen Mandel-OPs stoppen und fordern mehr Geld

Mandeloperationen bei Kindern
Ärzte wollen Mandel-OPs bei Kindern stoppen (Symbolbild).

Ein Streik, um mehr Geld für seine Arbeit zu bekommen: Was in anderen Berufen Standard ist, dürfte im Falle der HNO-Ärzte vielen Eltern Sorgen bereiten. Denn weil die Krankenkassen seit Jahresbeginn für manche Operationen weniger Geld erstatten, sollen die Mediziner nun keine Termine mehr für Mandel-OPs vergeben.

Berufsverbände rufen zur Aussetzung von Mandeloperationen bei Kindern auf

Die Forderung stammt von zwei Berufsverbänden. Sie haben HNO-Ärzte zur Aussetzung von Mandeloperationen bei Kindern aufgerufen. Bis zu einer deutlich verbesserten Bezahlung durch die Krankenkassen sollten ab sofort bundesweit keine neuen Termine für Mandeloperationen bei Kindern vergeben werden, erklärte der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte (BVHNO) und die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO) in Berlin. Sie begründeten dies mit einer Kürzung der Erstattungsbeträge zu Jahresbeginn.

Konkret geht es vor allem um die sogenannte Adenotomie mit Paukenröhrchen, bei der die Rachenmandeln oder umgangssprachlich Polypen entfernt und die Belüftung des Mittelohrs verbessert werden, sowie um die Tonsillotomie, die operative Teilentfernung der Gaumenmandel. Beide Eingriffe werden in der Regel bei Kindern zwischen dem zweiten und achten Lebensjahr vorgenommen.

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Kinder müssen lange auf Mandel-OP warten

Durch die jahrelange Unterfinanzierung des ambulanten Operierens sei es bundesweit "zu einem eklatanten Versorgungsnotstand mit monatelangen Wartezeiten auf dringend benötigte Operationen bei kleinen Kindern gekommen", kritisierten die Verbände. Die jüngste Kürzung der Erstattungsbeträge für die Eingriffe zum Jahresbeginn habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Es bleibe nichts anderes übrig, als mit einem Aussetzen der Operationen auf die katastrophale Lage aufmerksam zu machen und die Verantwortlichen zum Handeln zu bewegen, heißt es in der Mitteilung.

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OP-Kosten durch Inflation stark gestiegen

Einem Bericht des "Ärzteblatts" zufolge zahlen Krankenkassen nach der jüngsten Kürzung für eine Adenotomie-Operation nur noch knapp 105 Euro. Eine Lasertonsillotomie kann nur noch mit etwa 170 Euro abgerechnet werden. Als Reaktion auf die Kürzung hatte der BVHNO vor dem Jahreswechsel bereits betont, dass gleichzeitig aber die Kosten für ambulante Operateure durch steigende Hygieneanforderungen, wachsende Raum-, Personal- und Materialkosten sowie die Inflation stark angestiegen seien.

"Es erreichen uns täglich Meldungen von Operateuren, weil sie mit verzweifelten Anfragen für die Eingriffe förmlich überrannt werden", berichtete nun BVHNO-Präsident Jan Löhler. Manche Kinder müssten ein halbes Jahr und länger auf eine Operation warten. Gleichzeitig seien die Eingriffe unter wirtschaftlichen Bedingungen "nicht erbringbar". Viele Operateure hätten "bereits das Handtuch geworfen und die Eingriffe aus ihrem Leistungsspektrum gestrichen".

Die Verbände rechnen mit einer hohen Beteiligung an der Protestaktion. Der Aufruf gilt den Verbänden zufolge so lange, bis eine gesicherte Zusage für eine deutliche Anhebung der Bezahlung kommt. (ntv/bst)