24. Mai 2019 - 14:44 Uhr

Wie viel Holz aus Raubbau steckt in unserer Grillkohle?

Grillen ist eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Sobald das Wetter schöner wird und die Grillsaison eröffnet ist, wird der Rost regelmäßig zum Glühen gebracht. Beim Griff zur Holzkohle möchten immer mehr Menschen darauf achten, dass die Kohle für das Freizeitvergnügen möglichst umweltfreundlich produziert wurde. Doch das ist gar nicht so einfach, denn die Anbieter geben sich wenig transparent.

Auf neun Säcken fehlte der Hinweis auf Herkunft oder Art des Holzes

In fünf von 17 geprüften Holzkohle-Säcken hat die Stiftung Warentest Holz aus Raubbau aus den Tropen gefunden. Eines der Produkte trägt sogar fälschlicherweise das FSC-Siegel für Holz aus nachhaltiger und heimischer Bewirtschaftung, obwohl die Grillkohle komplett aus Tropenholz besteht. Und: Auf insgesamt neun Säcken fehlt der Hinweis auf Herkunft oder Art des Holzes.

Verbraucher wissen so nicht, ob nicht illegal geschlagenes Holz in den Kohlesäcken steckt - aus massenhafter Vernichtung von Regenwäldern beispielsweise. Allerdings: Die Hersteller von Holzkohle sind nicht verpflichtet, das Herkunftsland zu nennen. Und auch die Einfuhr von Holzkohle aus illegalem Raubbau ist an sich nicht verboten, erläutert die Stiftung Warentest. Eine entsprechende europäische Verordnung gegen illegales Holz auf dem EU-Markt gilt nicht für Grillkohle und Briketts.

Wie lässt sich Holzkohle aus legaler Bewirtschaftung erkennen?

Für legale und nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern stehen vor allem zwei freiwillige Siegel: PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) und FSC (Forest Stewardship Council). Die Label befinden sich im Supermarkt auf vielen Produkten: unter anderem an Zahnstochern, auf Verpackungen von Taschentüchern und  Toilettenpapier - und eben auch auf Grillkohle.

Beide Label gehen mit ihren Vorgaben teilweise über die Regulierungsmaßnahmen der EU-Gesetze hinaus, vor allem aber über die Vorschriften vieler anderer Länder. Die Siegel garantieren auch eine gute Behandlung der Menschen, die mit dem Wald zu tun haben. Die Stiftung Warentest empfiehlt neben diesen beiden Siegeln auch das Naturland-Label.

Auf Siegel und die Deklarierung achten

Betrug ist möglich, wie die Untersuchung der Stiftung zeigt - hier mit dem FSC-Label. In diesem Fall könnte die Falschinformationen auf einen Lieferanten zurückgehen, so die Stiftung Warentest mit Verweis auf eine FSC-Information. Das zeigt: Eine Garantie gibt es nicht. "Dennoch ist FSC-Holz besser überwacht als anderes", so die Stiftung. Sie empfiehlt darüber hinaus, ein Produkt zu wählen, auf dem Holzart und -herkunft angegeben sind.

Im aktuellen Test erfüllten folgende Produkte am ehesten diese Kriterien:
Flammenco Qualitäts Grillholzkohle
Jakob's Kohle aus Buchenholz von Activa Barbecue
und die BBQ Holzkohle von Aldi Süd .

Falsch deklariert ist die Premium Holzkohle von Max Grill & Barbecue. Nicht deklariert ist unter anderem die Grillholzkohle von Netto und die K-Classic Let's BBQ Grill-Holz-Kohle von Kaufland.

Weitere Informationen zum Test und das gesamte Ergebnis finden Sie auf test.de.

Welche Alternativen gibt es zur Holzkohle?

Mittlerweile gibt es Briketts aus Kokosnussschalen oder aus verkokten Resten landwirtschaftlicher Abfälle. Hier entsteht Brennmaterial etwa aus Olivenkernen, Maiskolben oder abgeschnittenen Weinreben. Die Produkte sind vor allem in Bio- oder Ökomärkten und online zu finden. Und natürlich kann man mit Gas grillen.

Wann ist ein Holzkohlegrill besser, wann ein Gasgrill?
Beim reinen Grillergebnis nehmen sich beide Formen nichts. Die Entscheidung ist deshalb eine sehr individuelle, bei der viele Faktoren eine Rolle spielen - zum Beispiel Platz. Wer nur einen kleinen Balkon hat, muss oft Rücksicht auf die Nachbarn nehmen, und greift daher oft zum Gasgrill. Bei einem großen Garten ist ein Holzkohlegrill meist kein Problem. Grills mit Holzkohle sind zudem günstiger, Gasgrills lassen sich dafür leichter und präziser steuern - und sie werden schneller heiß.

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