Ganz ohne Spritze

Israelis arbeiten an Corona-Impfung zum Schlucken

Früher war eine Schluckimpfung gegen Kinderlähmung möglich. Israelis möchten eine ähnliche Methode künftig auch gegen das Corona-Virus einsetzen. Bis es soweit ist, wird es aber noch dauern.
Früher war eine Schluckimpfung gegen Kinderlähmung möglich. Israelis möchten eine ähnliche Methode künftig auch gegen das Corona-Virus einsetzen. Bis es soweit ist, wird es aber noch dauern.
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25. März 2021 - 11:55 Uhr

Corona-Impfung zum Schlucken

Um Impfungen gegen das Corona-Virus weiter voranzutreiben, lassen Forscher auf der ganzen Welt offenbar nichts unversucht. Machte vor wenigen Wochen noch die Forschung an Nasensprays als Corona-Impfung von sich Reden, ist es nun eine Schluckimpfung. Daran arbeitet jetzt ein israelisch-amerikanisches Pharmaunternehmen.

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Impfung für zu Hause

Für eine Corona-Impfung zum Schlucken müsste man gegebenenfalls nicht einmal in ein Impfzentrum oder zu einem Arzt. Jeder könnte sich den Impfstoff zuhause selbst verabreichen.

"Ein Covid-19-Schluckimpfstoff würde mehrere Barrieren für eine schnelle, breite Verteilung beseitigen und es den Menschen möglicherweise ermöglichen, den Impfstoff selbst zu Hause einzunehmen. Während die einfache Verabreichung heute entscheidend ist, um die Durchimpfungsraten zu beschleunigen, könnte ein Schluckimpfstoff sogar noch wertvoller werden, falls ein Covid-19-Impfstoff ähnlich wie die Standard-Grippeimpfung jährlich empfohlen wird", so Nadav Kidron, CEO des Pharmaunternehmens Oramed, das an dem oralen Impfstoff forscht, in einer Pressemitteilung.

Weitere Vorteile laut Unternehmen

Neben der einfachen Verabreichung würde der Corona-Impfstoff zum Schlucken auch weitere Vorteile mitbringen, sagt zumindest Oramed-Chef Nadav Kidron.

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Das Unternehmen möchte mit der Schluckimpfung den Markt revolutionieren – hat aber eigentlich ein anderes Fachgebiet.

Oramed hat eigentlich anderes Fachgebiet

Eigentlich ist das Unternehmen Oramed bislang nicht an der Entwicklung von Corona-Impfstoffen oder Medikamenten beteiligt gewesen, sondern beschäftigte sich mit der Entwicklung von Diabetes-Medikationen. Oramed möchte die Behandlung von Diabetes revolutionieren und die erste kommerzielle orale Insulinkapsel für die Behandlung von Diabetes entwickeln.

Auf diesem Weg hat sich das Unternehmen dann aber wohl auch gedacht, dass eine ähnliche Methode auch gegen Corona helfen könnte.

Schluckimpfungen gab's schon gegen Kinderlähmung

Diese Art von Impfstoff ist nicht neu. Im Juli 1961 lautete eine Schlagzeile in der Zeitung "Die Welt" so: "Polio-Schluckimpfung wird im Winter eingeführt – Alle Bundesbürger im Alter bis 40 Jahren werden wahrscheinlich ab dem kommenden Winter aufgefordert werden, sich einer Polio-Schluckimpfung zu unterziehen."

Was sperrig klingt, war damals eine Revolution im Kampf gegen die Kinderlähmung. Bei Kindern wurde der Impfstoff, bestehend aus Lebendviren, beispielsweise auf Zuckerwürfel geträufelt und so verabreicht. Eine Spritze und großes Geschrei waren nicht mehr nötig. Bis 1998. Seitdem wird diese Form der Impfung in Deutschland nicht mehr genutzt, da es in seltenen Fällen zu einer Erkrankung an Kinderlähmung durch die verwendeten Lebendviren kam. Fortan empfahl die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut wieder einen weiterentwickelten Totimpfstoff, bei dem die verabreichten Viren nicht vermehrungsfähig sind. Der wurde dann wieder mit Spritze injiziert. Bei den israelisch-amerikanischen Pläne einer Corona-Schutzimpfung, handelt es sich aber wohl im Gegensatz zur Schluckimpfung gegen Kinderlähmung um Totviren, wie Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht erklärt.

Schluckimpfung triggert Abwehr an der Schleimhaut

RTL-Medizinexperte Dr. Specht
Medizinexperte Dr. Christoph Specht schätzt die Pläne zu einer Schluckimpfung gegen Corona im RTL-Interview ein.
© RTL

Dr. Christoph Specht zeigt sich im RTL-Interview fasziniert von der Idee. "Die haben sich jetzt drei verschiedene Antigene überlegt, die im Bereich des Virus sind und haben eine Stelle ausgesucht, die nicht so oft verändert wird, einfach, um es mutationssicher zu machen. Diese Antigene wollen sie in eine Kapsel packen und das den Leuten zum Schlucken geben, dass sie sozusagen von innen durch den Dünndarm geimpft werden." Im Tierversuch sollen die Forscher gesehen haben, dass es funktioniere. Dabei sei rausgekommen, "dass nicht nur Immunglobulin G, die Langzeit-Antikörper gegen Corona, produziert werden, sondern auch sogenannte Immunglobulin A." Während Immunglobulin G Erkältungsviren abwehrt, die durch die Luft fliegen – sofern wir daran schon erkrankt waren – sitzt Immunglobulin A schon vorne an der Schleimhaut. Eine Schluckimpfung würde also schon die an der Schleimhaut befindliche Abwehr aktivieren, was bei der normalen Impfung nicht der Fall sei. "Das wäre natürlich gut, denn das Corona-Virus fliegt uns ja auch schon an den Schleimhäuten an und wenn da schon Immunglobulin As produziert worden wären, die das abfangen können, wäre gut", meint Dr. Specht.

Schluckimpfstoff wird in dieser Pandemie keine Rolle spielen

In dieser Pandemie wird der Schluckimpfstoff allerdings noch keine Rolle spielen, prognostiziert Dr. Specht. Eine faszinierende Idee also, die aber noch weit von einer Marktreife entfernt sei. Der Mediziner geht von Jahren aus, die die Entwicklung wohl noch benötigen wird. "Das ist alles noch sehr am Anfang, wäre toll, wenn das mal so kommen würde, dann könnte man noch andere Impfungen so machen, aber aktuell muss noch sehr vorsichtig sein", so Dr. Specht gegenüber RTL.

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