Späte Würdigung

Politiker ehren Afghanistan-Veteranen mit Zapfenstreich

13. Oktober 2021 - 15:10 Uhr

Großer Festakt für Soldaten

Mit einem großen Gedenkakt würdigen Politiker am Mittwoch den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan. Als die letzten Soldaten Ende Juni nach Hause kamen, stand kein Vertreter der Bundesregierung am Flughafen, um die Soldaten zu empfangen. Das hatte für deutliche Kritik gesorgt – Wertschätzung für den Einsatz sehe anders aus.

Jetzt findet die Ehrung in Berlin vor dem Reichstag statt. In Afghanistan ist die Lage weiterhin dramatisch. Was die Herrschaft der Taliban für Frauen bedeutet, sehen Sie oben im Video.

"Bundeswehr kann stolz auf Einsatz sein"

Im 20 Jahre dauernden Einsatz kämpften 93.000 Soldaten in Afghanistan, 59 von ihnen starben. Heute sollen sie mit einem großen Festakt in der Hauptstadt geehrt werden. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel werden den Einsatz würdigen. Auch wenn die Bilanz des Einsatzes eher dürftig ausfällt – schließlich sind die Taliban nach dem Abzug der Soldaten in kürzester Zeit wieder an die Macht gekommen – zeigen sich Politiker stolz auf die Leistung der Soldaten: "Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bundeswehr auf ihren Einsatz in Afghanistan stolz sein kann", sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). "Alle Aufträge, die das Parlament gegeben hat, wurden erfüllt." Trotzdem gehe es auch darum, Bilanz zu ziehen – "offen und ehrlich."

FDP: Die Politik hat den Einsatz scheitern lassen

Kritik kommt von der FDP, allerdings nicht an den Soldaten, sondern an der Politik. Nicht die Soldatinnen und Soldaten hätten das Afghanistan-Engagement scheitern lassen, "sondern die Bundesregierung, die nicht in der Lage und Willens war, ihre gesteckten Ziele zu evaluieren und anzupassen", sagte die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

"Die Aufgabe der Bundeswehr ist vergleichbar mit einem Anästhesisten während einer Operation. Er kann den Patienten lediglich eine Weile ruhig stellen", sagte Strack-Zimmermann. "In dieser Zeit muss der Chirurg, also die Politik, ans Werk gehen. Macht sie das nicht, hilft auch die beste Anästhesie nicht. Der Patient wacht auf und ist immer noch nicht gerettet."

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Fehlende Begrüßung war "Tiefpunkt des Einsatzes"

Der Generalsekretär der SPD, Lars Klingbeil, sagte im RTL/ntv Frühstart: "Ich finde es genau richtig, dass der große Zapfenstreich heute stattfindet. Ich finde es auch richtig, dass er vor dem Parlament stattfindet." Es gehe darum, den Soldatinnen und Soldaten Danke zu sagen für das, was sie geleistet haben: "Es sind 59 Soldaten gefallen in Afghanistan, an die muss erinnert werden", sagte Klingbeil. Zudem sei der Ausgangspunkt für den großen Zapfenstreich der gewesen, dass bei der Rückkehr der Soldatinnen und Soldaten aus Afghanistan "niemand am Flughafen war und sie abgeholt hat in Wunstorf. Das ist ein Tiefpunkt dieses Einsatzes gewesen. Deswegen ist es gut, dass das heute stattfindet."

Umgang mit Heimkehrern sorgte für Kritik

Die fehlende Begrüßung für die letzten Afghanistan-Heimkehrer sorgte für deutliche Kritik. Bei der Landung auf dem Luftwaffenstützpunkt waren weder Kanzlerin Merkel, noch Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer oder Außenminister Maas anwesend. Der Bundeswehrverband sprach davon, dass die Politik "bei der Begrüßung der letzten Afghanistan-Rückkehrer in der Heimat so gut wie alles falsch gemacht" habe.

Im Video: So kritisierte RTL-Politik-Chef Nikolaus Blome damals die fehlende Begrüßung durch die Politik.

Lage in Afghanistan weiterhin dramatisch

Für heftige Kritik sorgte auch der Umgang der Politik mit den afghanischen Ortskräften, also ehemaligen Bundeswehr-Helfern. Schon vor der Machtübernahme verzögerten das Auswärtige Amt und andere Behörden die Visa-Anträge, tausende Helfer mussten unkontrolliert vor den vorrückenden Taliban fliehen. Noch immer sollen sich Schätzungen zufolge immer noch zehntausende Ortskräfte und ihre Familien in Afghanistan aufhalten. Nur ein kleiner Teil von ihnen konnte durch die Rettungsmission evakuiert werden. Das Versagen der Politik könnte noch Folgen haben: FDP, Grüne und Linke wollen die Fehler der Regierung in einem Untersuchungsausschuss aufarbeiten.