Tierschützer decken schreckliche Bedingungen auf

Schweineskandal bei Tönnies-Zulieferer: So sehr leiden die Tiere

24. Juli 2020 - 9:59 Uhr

Tierschützer filmen Schweine mit offenen Wunden

Es sind verstörende Aufnahmen, die Tierschützer des Vereins "Deutsches Tierschutzbüro e.V." veröffentlich haben: Sie zeigen den Stall einer Schweinemast von innen. Viele der Tiere haben blutige Verletzungen, Beulen, offen gebissene oder gescheuerte Stellen und entzündete Augen. Auch die Ferkel, die auf dem Video der Tierschützer zu sehen sind, haben kaputt gebissene und entzündete Ohren, obwohl sie augenscheinlich mehr Platz haben als die älteren Tiere. Im Video zeigen wir die verstörenden Bilder.

Tierschützer erstatten Strafanzeige gegen den Betreiber des Hofes

Die Aufnahmen entstanden laut dem Tierschutzverein in einem Schweinemastbetrieb in Rheda-Wiedenbrück. Die Tierschützer erklärten, sie seien in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli in den Stall eingedrungen und hätten dort die verletzten Tiere gefilmt. Das Deutsche Tierschutzbüro e.V. hat Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet. 

RTL-Reporter Ulrich Klose hat mit Landwirt Martin Diedam gesprochen. Er war entsetzt, als er die Bilder aus seinem Stall gesehen hat und fühlt sich angegriffen. "Wir geben unser bestes, dass jedes Ferkel gesund ist. Mit kranken Tieren können wir kein Geld verdienen", erklärt er im RTL-Interview und führte den Reporter durch den Stall, um zu beweisen, dass es seinen Tieren gut geht. Er erstattete seinerseits Anzeige gegen die Tierschützer, die unerlaubt in seinen Stall eindrangen. 

Verletztes Schwein
Tierschützer veröffentlichten herzzerreißende Aufnahmen, die aus einen Schweinestall in Rheda-Wiedenbrück stammen sollen.
© Deutsches Tierschutzbüro e.V.

Das sagt der Landwirt in Rheda-Wiedenbrück zu den Vorwürfen

"Manche Bilder kann ich identifizieren, manche nicht", erklärt er. Natürlich gebe es bei ihm auch mal ein krankes Tier. Darum würde er sich dann aber mit Hilfe eines Tierarztes kümmern. Die Ohrverletzungen seien ihm auch aufgefallen. Die hätte er inzwischen behandelt und bei den meisten Tieren seien sie gut verheilt. Die Maßnahmen, die der Tierarzt empfohlen hatte, würden greifen.

Das Tier mit dem geschwollenen Auge aus dem Video habe er in seinem Stall gesucht, aber nicht finden können. Es könne durchaus mal passieren, dass man so eine Verletzung zufällig mal übersieht. Spätestens am nächsten Tag würde ihm sowas aber auffallen, erklärt Diedam. Er würde viel Zeit bei seinen Schweinen verbringen. 

Der Landwirt glaubt auch, dass die Tierschützer gezielt nach kranken Tieren gesucht haben könnten. Sie hätten in seine Krankenbox gefilmt, wo er die angeschlagen Tiere unterbringt, um sie von den gesunden zu trennen. "Ein Schwein in einer Krankenbucht ist ein Schwein in einer Krankenbucht", meint er. Solange die Tiere aber fressen und trinken würden, brächte er es nicht übers Herz sie zu töten. Denn das sei ein Zeichen, dass sie sich auf dem Weg der Besserung befänden.

Landwirt Martin Diedam
Landwirt Martin Diedam bestreitet, dass die Schweine auf seinem Hof leiden müssen.
© RTL

Kranke Tiere werden bei Tönnies nicht verarbeitet

Der Betrieb, den die Tierschützer nun anprangern, ist ein Zulieferer für den Tönnies-Schlachthof. Darum gab es nach der Veröffentlichung der Videos Proteste vor dem Werk, das gerade erst wiederhochgefahren wurde. Wegen eines massiven Coronaausbruchs musste der Schlachthof wochenlang schließen. Seine Schweine wird der Landwirt dort vorerst nicht mehr schlachten lassen können. Tönnies nimmt erst mal keine Tiere mehr von dem Betrieb an.

Obwohl die Aufnahmen noch vor der Wiederaufnahme des Schlachtbetriebs bei Tönnies gemacht wurden, bestätigte der Mäster gegenüber den Tierschützern, dass es auf seinem Hof nicht zu einem Stau der Tiere gekommen sei. Der Stall ist in einigen Bereichen augenscheinlich sehr voll, das entspreche aber den Vorgaben.

Statement von Tönnies

Der Leiter der Stabstelle Tierwohl bei Tönnies, Tierarzt Jörg Altemeier erklärte im RTL-Interview, dass Tiere mit solchen Verletzungen, wie die, die in dem Video zu sehen sind, bei Tönnies nicht geschlachtet würden. "Wenn Schweine angeliefert werden, die leicht verletzt sind, werden sie zunächst ausgesondert und medizinisch beobachtet", so der Tierarzt. "Schwere Fälle werden unmittelbar nach der Ankunft getötet und kommen auf keinen Fall auf den Teller."

In den Videos der Tierschützer werden auch aus Sicht von Tönnies "schwere Verstöße gegen geltende Tierschutzgesetze und Regeln der Tierhaltung" gezeigt, teilte das Unternehmen in einer schriftlichen Stellungnahme mit. "Der in Rede stehende Landwirt wurde bei uns sofort bis auf Weiteres gesperrt", erklärte Tönnies. 

Tönnies-Fleisch steckt in jedem dritten Schweinefleischprodukt

Einen besonders hohen Marktanteil hat Tönnies im Schweinefleisch-Segment: Der betrug 2019 satte 30,3 Prozent, was rund 16,7 Millionen Schweine-Schlachtungen entspricht. In welchen Produkten das Fleisch aus Tönnies steckt, können Sie hier nachlesen.