Wie Sie glimpflich durch den Winter kommen

Wer sind die Abzocker bei Sprit, Energie und Lebensmitteln?

Wer sind die Abzocker bei Sprit, Energie und Lebensmitteln? Wie sie glimpflich durch den Winter kommen
17:04 min
Wie sie glimpflich durch den Winter kommen
Wer sind die Abzocker bei Sprit, Energie und Lebensmitteln?

30 weitere Videos

Sind Krieg, Klimakrise und die Nachwehen der Corona-Pandemie wirklich der einzige Grund für die hohen Verbraucherpreise? Nicht nur in den USA sehen Politiker auch in der Preistreiberei großer Konzerne den Grund für die steigende Inflation – und nennen Sie Gierflation, Inflation durch Gier. Welche Konzerne besonders zulangen und wie wir alle halbwegs glimpflich durch den Krisen-Winter kommen können, zeigen unsere Reporter Andreas Notz und Sascha Winkel im Video anhand einer Familie.

REWE: Unbegründet hohe Forderungen seitens Lebensmittelindustrie

Was vielen Konsumenten beim Gang durch den Supermarkt komisch vorkommt: Viele Preissteigerungen von Lebensmitteln lassen sich in ihrer Höhe kaum mit den gängigen Gründen Krieg und Energie-Krise erklären. Unsere Reporter fragen dazu bei der Supermarktkette REWE nach. Dort bestätigt man uns: „Leider sehen wir aber auch Forderungen aufseiten der Lebensmittelindustrie, die sich in ihrer Höhe mit keinem der genannten oder anderen Faktoren begründen lassen. Solche Forderungen lehnen wir strikt ab. Krisenzeiten sind keine Zeiten für Gewinnmaximierung und Spannensteigerung. Die Zeche dürfen nicht die Kundinnen und Kunden zahlen.“

Lese-Tipp: Wut-Rede von Rewe-Chef Lionel Souque wegen hoher Lebensmittelpreise

Nestlé-Chef: „Wir sind betroffen, wie eben ein Konsument auch“

"Das konnte man ja bereits im letzten Jahr absehen", kommentiert Nestlé-Vorstandsvorsitzender Mark Schneider die Krise.
"Das konnte man ja bereits im letzten Jahr absehen", kommentiert Nestlé-Vorstandsvorsitzender Mark Schneider die Krise.
Ludovic Marin, picture alliance, dpa/AP

Trotz Krise konnte unter anderem der weltgrößte Lebensmittelhersteller Nestle seinen Umsatz zu Beginn des Jahres steigern. Erklärungsversuche des millionenschweren Nestlé-CEOs Mark Schneider im Schweizer Fernsehen: „Das konnte man ja bereits im letzten Jahr absehen. Auch unsere Betriebsmarge hat sich reduziert, es ist also nicht so, dass wir von dieser Situation profitieren. Wir sind betroffen, wie eben ein Konsument auch.“

Handelsexperte: „Gewinn stabil halten“

Dass sich große Lebensmittelhersteller an der Krise und damit an uns bereichern könnten – diese Vermutung hat auch Unternehmensberater, Handelsexperte und Hochschullehrer Professor Thomas Roeb. Er erklärt uns: „Zum einen hilft das natürlich dabei, den Gewinn stabil zu halten.“ Aber die Preissteigerungen könnten auch andere Gründe haben: „Zum anderen hängt es vielleicht auch ein wenig damit zusammen, dass man die weiteren Kostensteigerungen, die man in absehbare Zeit erwartet, schon vorwegnimmt und nicht in wenigen Monaten bereits wieder Preissteigerungen machen zu müssen. In jedem Fall geht es um Preissteigerungen, die über das Maß hinausgehen, das eigentlich erforderlich wäre.“

ADAC: Tankrabatt wurde ganz klar nicht zu 100 Prozent weitergegeben

Und dann auch noch das Ende des Tankrabatts und die damit wieder explodierenden Spritpreise – und das bei sinkenden Rohöl-Preisen. Auch hier wird Kasse gemacht, sagt der Katharina Luca vom ADAC: „Wir sehen beim Tankrabatt ganz klar, dass er nicht zu 100 Prozent an die Verbraucher, also an die Autofahrerinnen und Autofahrer, weitergegeben worden ist. Und wir sehen da schon die Mineralölkonzerne als Profiteure des Ganzen.“ Wenn man sich die Gewinnmargen anschaue, die sich im Gegensatz zu Anfang des Jahres vervier- beziehungsweise verfünffacht hätten, dann könne man das tatsächlich nicht anders sagen, so Luca.

Lese-Tipp: Ende des Tankrabatts: Spritpreise schnellen in die Höhe

Mineralöl-Konzern: 8 Prozent Bonus für Mitarbeiter

Besonders im Kreuzfeuer der Kritik steht an dieser Stelle der Mineralöl-Konzern Shell und sein CEO Ben van Beurden. Die britische Zeitung Guardian schätzt, dass dessen Jahresgehalt in diesem Jahr von 7,5 auf 16 Millionen Euro steigt. Mitten in einer europaweiten Energiekrise macht Shell ein riesiges Geschäft – und zahlt seinen Mitarbeitern einen Bonus in Höhe von acht Prozent. Der britische Auto-Lobbyist Howard Cox, der sich selbst als Erzfeind von Shell bezeichnet, kritisiert seit zehn Jahren die Profitgier des Konzerns. „Er hat sicher kein Mitgefühl mit den Ärmeren“, sagt er uns. „Er weiß doch noch nicht mal wie es ist, morgens aufzustehen, ohne zu wissen, ob du dir was zu essen leisten kannst oder wie man Tee kocht. Wie viel Geld will er denn noch? Mich ekelt das an.“

Lese-Tipp: Energiekonzern Shell verzichtet auf Gelder aus Gasumlage

Shell-CEO van Beurden warnte diese Woche vor weiteren harten Wintern.
Shell-CEO van Beurden warnte diese Woche vor weiteren harten Wintern.
/FW1/Rashmi Aich, REUTERS, Sergio Moraes

Shell-Chef rät: Im Winter in öffentlichen Gebäuden Unterschlupf suchen

Und in dieser Woche richtet sich van Beurden direkt an seine Kunden. Er warnte vor weiteren harten Wintern und rät den Briten, die sich wegen der gestiegenen Energiepreise das Heizen nicht leisten können, in öffentlichen Gebäuden Unterschlupf zu suchen. Ein zynischer Ratschlag. Denn er ist mit seinem Energiekonzern selbst für hohe Preise verantwortlich und profitiert offenbar enorm davon. (ija)