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Seltsame Virus-Erkrankung an Leipziger Grundschule: Ursache steht fest, doch Mediziner ist verwundert

Mehr als 150 Kinder und Lehrer waren krank

Seltsame Virus-Erkrankung an Leipziger Grundschule: Ursache steht fest, doch Mediziner ist verwundert

Kurt-Masur-Grundschule in Leipzig.
An der Kurt-Masur-Grundschule in Leipzig grassierte ein Virus, das bereits über 100 Kinder und Lehrer infiziert hat. Vielen Betroffenen gehe es jetzt jedoch wieder besser.
RTL

An der Kurt-Masur-Grundschule in der Leipziger Südvorstadt sind seit über einer Woche etliche Kinder und Lehrer erkrankt . Über Tage hinweg war nicht klar, auf welche Krankheit ihre Beschwerden zurückzuführen sind. Der Höhepunkt der Erkrankungswelle war am 2. Mai mit mehr als 100 Krankmeldungen an nur einem Tag. Erst jetzt hat das Gesundheitsamt eine Erklärung für die mysteriösen Krankheitsfälle an der Schule gefunden.

Mysteriöses Virus grassierte an Leipziger Grundschule: Jetzt steht die Erkrankung fest

Nach RTL-Informationen war tagelang nicht festzustellen, mit welcher Krankheit Schüler und Lehrer sich in Leipzig angesteckt haben. Roman Schulz, Pressesprecher der Sächsischen Bildungsagentur, bestätigte auf RTL-Anfrage, dass diverse Untersuchungen beim Gesundheitsamt laufen.

Wie „mdr“ aktuell berichtet, spricht das Gesundheitsamt nun vom Grippevirus als Ursache. Die Erkrankten klagten allesamt über unterschiedliche Symptome, vor allem aber über Fieber und Durchfall. Zumindest, dass es sich bei der Infektionswelle um Ansteckungen mit dem Coronavirus handelte, konnte soweit ausgeschlossen werden, da die entsprechenden Tests alle negativ gewesen sind.

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Stadt Leipzig warnt: Grippe nicht vernachlässigen

Die Untersuchungsergebnisse des Gesundheitsamts zeigten, dass man neben den Covid-19-Viren auch nach wie vor die Influenza-Viren (Grippe) nicht vernachlässigen dürfe, betonte die Stadtverwaltung gegenüber dem „mdr“.

Zunächst hatten die Befunde des Gesundheitsamts für Verwirrung gesorgt. Bei über 100 erkrankten Kindern, konnten lediglich zwei Befunde festgestellt werden – der Nachweis des Rotavirus (Infektionskrankheit des Verdauungstrakts) und einmal der Influenza (Grippe). Bei den übrigen über 100 Erkrankten konnte seit Freitag (29. April 2022) kein Befund und keine Ursache für die Beschwerden festgestellt werden, bestätigte die Stadtsprecherin gegenüber RTL. Die weiteren Symptome der Kinder waren Kopfschmerzen, erhöhte Temperatur und Augenjucken.

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Schulleitung äußert sich nicht - vielen Kindern und Lehrern geht es wieder gut

Die Schulleitung der Leipziger Grundschule wollte sich bisher nicht zu den Krankheitsfällen äußern. Die Eltern hingegen seien mittlerweile „eher entspannt“, da die Symptome nach ein, zwei Tagen schon wieder abgeklungen sein sollen. Vielen Kinder gehe es bereits besser.

Doch könnte es sich um eine neue Variante der Influenza handeln? Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht hält das aktuell nicht für möglich. „Wenn das Influenza-Virus die Ursache sein soll, ist das mindestens ungewöhnlich, weil es sehr einfach zu diagnostizieren ist“, wundert sich Dr. Specht.

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Grippe an Leipziger Schule: Neue Variante der Influenza? Dr. Specht mit Einschätzung

Dr. Christoph Specht schaut in die Kamera.
Dr. Christoph Specht gibt eine aktuelle Einschätzung ab.
Moritz Jansen, photoMo

Auch hinsichtlich der Symptome zeigt sich der RTL-Gesundheitsexperte verblüfft, da als häufiges Symptom bei den Erkrankten an der Schule Durchfall genannt wurde.Der Mediziner hatte daher zunächst das Norovirus hinter den Krankheitsfällen vermutet.

„Ich glaube nicht, dass ein verändertes Influenza-Virus hinter den Krankheitsausbrüchen steckt. Sicher kann es bei Influenza auch mal Durchfall geben, aber eher Fieber und Schüttelfrost. Durchfall ist eher eine Randerscheinung und nicht das Leitsymptom. Möglicherweise war die Kommunikation falsch und die Kinder haben sich nicht so geäußert, wie es wirklich war.“ Ungewöhnlich sei auch die lange Wartezeit, bis das Gesundheitsamt Leipzig die Befunde vorliegen und kommuniziert habe.

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Dr. Specht: Wegfall der Maskenpflicht könnte zur vermehrten Ausbreitung der Influenza beigetragen haben

Die schnelle Verbreitung des Grippevirus an der Schule erklärt sich der Mediziner auch mit dem Wegfall der Maskenpflicht. „Als Mallorca fünf Wochen zuvor die Maskenpflicht aufgehoben hat, stieg die Zahl der Influenza-Fälle deutlich an. Das war ungewöhnlich, weil der Gipfel eher im Februar ist. Der Wegfall der Maskenpflicht war hier zum Teil die Ursache. Unser Immunsystem kam zwei Jahre nicht mehr mit Grippevirus in Kontakt. Daher war die Immunität nicht mehr gegeben.“ (mjä/vdü)