Der RTL-Wahl-Kompass: Was den Norden bewegt

90 Stunden-Woche und trotzdem rote Zahlen: Warum bekommen Landwirte zu wenig Geld?

23. September 2021 - 13:28 Uhr

Finanzielle Sorgen der Bauern

Der RTL-Wahl-Kompass zeigt in Richtung Norden. Reporterin Sarina Sprengelmeier besucht einen jungen Bauern in Plate, kurz vor Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. Trotz monatlicher Miesen will Linus Wille den Hof seines Vaters übernehmen und ihn gerne zu einem Bio-Hof machen. Doch dafür reicht das Geld vorne und hinten nicht – und Linus und sein Vater sind nicht die einzigen Bauer im Norden, denen es so geht.

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Minusgeschäft und 90-Stunden-Arbeitswoche

Jungbauer Linus Wille war in seinem ganzen Leben noch nie in einem Club. Auch seine Jugend hat er voll und ganz dem Hof gewidmet: "Wenn man auf so einem Betrieb groß wird und schon als kleiner Lütte mitarbeitet – du hast keine wirkliche Jugend. Das richtet sich alles nach dem Betrieb", erzählt uns Linus.

Sein Vater ist auch auf die Hilfe des Jungen angewiesen, immerhin müssen sie knapp 3.200 Mastschweine versorgen. Dabei kommen sie schnell auf eine 90-Stunden-Arbeitswoche und schreiben trotzdem monatlich rote Zahlen. Pro Kilo Schwein bekommen sie 1,25 Euro. Um überleben zu können bräuchten sie mindestens 1,55 Euro pro Kilo, verrät uns Linus Vater Stefan Wille.

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Wunsch auf Umstellung zu einem Bio-Hof

Linus und sein Vater wollen ihren Hof am liebsten auf einen Bio-Hof umstellen. Doch das ist für die beiden aktuell leider nicht machbar. "Ein Biobauer muss mindestens das Doppelte bekommen als das, was wir bekommen, um kostendeckend zu arbeiten und auch noch ein bisschen was zu erwirtschaften. Und das ist nicht gegeben", so Jungbauer Linus.

Damit der seit über 600 Jahre alte Bauernhof überleben kann, hat Bauer Linus klare Wünsche an die Bundesregierung: "Dass fair mit uns umgegangen wird und dass klipp und klar Ziele gesetzt werden, dass auch wir Landwirte endlich planen können."

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