So manche alte Weisheit hat einen wahren Kern

Reinigt Dreck wirklich den Magen? Kindergesundheits-Mythen im Experten-Check!

11. September 2020 - 12:46 Uhr

Tu nicht dies, tu nicht das – und dieses lass!

Als Kind bekommt man ja so manche Regel beigebracht. Regeln, die oft die Gesundheit und das Wohlbefinden betreffen – und die teilweise schon sehr alt sind, aber sich seit Generationen hartnäckig halten. So manche alte Weisheit stimmt ja auch tatsächlich oder hat zumindest oft noch einen wahren Kern – aber viele davon sind heutzutage total veraltet. Dreck reinigt den Magen, lesen mit der Taschenlampe unter der Bettdecke verdirbt die Augen, Babyspeck verschwindet von ganz allein, zu Steinobst kein Wasser trinken und Bonbons besser lutschen statt kauen – in unserem Video schätzt Kinderarzt Dr. Felix Riepe die 5 gängigsten Kindergesundheits-Mythen Kinder ein.

Kinderärztin Dr. Melanie Ahaus klärt auf: Was ist wahr - was falsch?

Aber halt – es gibt ja noch viel mehr Regeln. Da wir schon einmal dabei sind, wollen wir hier mal so richtig mit all den Gesundheitsregeln und Kindergesundheits-Mythen für Kinder aufräumen und haben noch 7 weitere bekannte Verbote und Gebote herausgesucht und Kinderärztin Dr. Melanie Ahaus dazu befragt. Sie werden staunen, warum so manche Regel doch einen wahren Kern hat!

#1 Zucker macht Kinder hyperaktiv

Klares Ja von Kinderärztin Dr. Melanie Ahaus. "Zucker ist reine Energie", sagt sie uns, "die durch körperliche Bewegung abgebaut werden muss." Das Problem: In unserer Überfluss- und Medienkonsumgesellschaft funktioniert das leider immer weniger. Resultat sei, dass wir viele überaktive Kinder erleben. Wie kommt es denn zu dem Jieper auf Zucker bei Kindern: "Von Natur aus haben Kinder ein hohes Bedürfnis nach Zucker, um in früheren Mangelzeiten das Überleben zu sichern. Heutzutage werden die Kinder aber leider durch überzuckerte Nahrung an zu viel Zucker gewöhnt und verlangen nach immer mehr."

#2 Kaugummi verklebt den Magen

Klares Nein von unserer Expertin! "Es gab lange die Vermutung, dass Kaugummi im Wurmfortsatz des Dickdarms 'hängen bleibt'", sagt die Kinderärztin, "und damit eine Blinddarmentzündung auslöst. Hierzu gibt es aber keine gesicherten Daten."

#3 Augen bleiben beim Schielen stehen

"Das ist ein reines Ammenmärchen", sagt Ahaus dazu. Also: Keine Angst liebe Kinder und keine Angst liebe Eltern! Wenn die lieben Kleinen gerne aus Spaß schielen – da kann nichts schiefgehen.

#4 Vom Fingerknacken bekommt man Arthrose

Auch hier ein klares "Nein" von der Expertin. Aber: "Trotzdem ist es nicht unbedingt gesund, da es dauerhaft zu einer Überdehnung der Bänder und Gelenke kommen kann." Also keine Arthrose – aber trotzdem nicht so gut und daher lieber bleiben lassen.

#5 Wer krumm sitzt, bekommt einen Buckel

Jein - das muss differenziert betrachtet werden. "Der Grund, warum manche Kinder, meist in der präpubertären Wachstumsphase, eine Skoliose und damit im Extremfall einen 'Buckel' bekommen, ist in den meisten Fällen nicht bekannt", so die Medizinerin. Trotzdem sei es wichtig, dass Eltern bei ihren Kindern in der Wachstumsphase auf eine gerade Haltung achten, um Verspannung zu vermeiden. Außerdem werde durch die gerade Haltung die Rückenmuskulatur gestärkt, was wiederum Haltungsschäden und damit auch eine Skoliose verhindern kann.

#6 Nach dem Essen darf man nicht ins Wasser gehen

Auch das stimmt nicht. "Der Bauch wird nicht platzen, wie mir früher immer gesagt wurde", sagt die Kinderärztin. "Allerdings ist natürlich klar, dass man mit vollen Magen keine sportlichen Höchstleistungen vollbringen kann, deshalb sollte man nicht unbedingt vor dem Schwimmtraining noch eine Pizza verdrücken. Außerdem ist es bestimmt nicht sinnvoll, mit einem vollen Magen vom 3-Meterturm zu springen, da kann man sich schon vorstellen, dass rein mechanisch etwas schief gehen kann und die Nahrung einen schnellen Ausgang nach oben sucht."

#7 Wer mit nassen Haaren raus geht, erkältet sich

Klares Jein. "Wir alle wissen ja spätestens dank Corona, dass eine Erkältung mit Viren zu tun hat und nicht wie der Name fälschlicherweise vermuten lässt mit 'Kälte'", erklärt Dr. Ahaus uns. "Dennoch kann eine Unterkühlung, auch ausgelöst durch nasse Haare, eine Infektion durch Viren begünstigen, da die körpereigene Abwehr abgeschwächt wird. Ihr Tipp: Tatsächlich sollte man daher allenfalls in den warmen Sommermonaten mit nassen Haaren herumlaufen, nicht aber im Herbst und Winter.

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