Haben Säuglinge wirklich immer blaue Augen?

Die sieben größten Baby-Mythen im Check

© iStockphoto

14. November 2019 - 6:09 Uhr

Jeder weiß es besser

Jede Mama kennt das: Schon vor der Geburt wird man von allen Seiten mit Weisheiten und Ammenmärchen überschüttet. Und danach wird's nicht besser. Bestes Beispiel ist derzeit RTL-Moderatorin Angela Finger-Erben, die sich in ihrer Instagram-Story der vieldiskutierten Frage gewidmet hat: Dürfen Säuglinge Wasser trinken? Und es gibt noch viele weitere Mythen, die Erklärungsbedarf haben. Wir räumen mit den größten sieben Irrtümern auf.

Mythos 1: Neugeborene haben IMMER blaue Augen

Stimmt nicht. Zwar kommen die meisten hellhäutigen Babys mit blauen Augen zur Welt, es gibt jedoch auch Ausnahmen. Das liegt an der Konzentration des Farbstoffs Melanin, der sich in der Iris des Auges bildet. Bei mitteleuropäischen Kindern ist die Ausprägung meist sehr gering, wenn sie zur Welt kommen. Doch wie überall gibt es auch hier Sonderfälle. Durchaus kommen auch mal blasse Babys mit braunen Augen zur Welt. Bei dunkelhäutigen Kindern ist dies (fast) immer der Fall. Auch hier kann das Melanin mal so gering ausgeprägt sein, dass ein dunkles Baby blaue Augen bei der Geburt hat.

Mythos 2: Wenn Babys zahnen, werden sie krank

Zahnendes Baby
Wenn Baby zahnt, landet so ziemlich alles im Mund, was nicht dort reingehört. Keimalarm!
© iStockphoto

Meistens geht es um den sechsten Monat los. Die kleinen Mäuse müssen durch ihre erste große Mission nach der Geburt: Die Zähnchen schießen ein. Und damit sind bei den meisten Kindern starke Schmerzen und ein angeschwollenes Zahnfleisch verbunden. Oft haben sie plötzlich auch Fieber, Durchfall und eine Rotznase. Doch gibt es da einen Zusammenhang? Im gleichen Zeitraum verliert das Baby den Nestschutz, der es vor Viren und nervigen Infektionen schützt. Außerdem stecken sich die Kleinen durch den Druckschmerz im Mund alles Mögliche in den Mund, was ebenfalls Infektionen zur Folge haben kann. Dass es jedoch zu vermehrten Darmbewegungen durch die Schmerzen und die Entzündungen kommen kann, ist richtig. Folge vom Durchfall ist dann auch oft ein wunder Po. Was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier. 

Mythos 3: Es schreien zu lassen, kräftigt Babys Lunge

Schreien ist für ein Baby die einzige Möglichkeit, sich der Umwelt mitzuteilen und zu signalisieren: Ich brauche Hilfe! Also ignorieren Sie niemals den Hilferuf des Säuglings, nur weil die Oma immer gesagt hat, dass es davon kräftige Lungen bekommt. Kinderärzte warnen sogar vor medizinischen Folgen, wenn sich das Kind in Rage schreit. Durch die Anstrengung wird nämlich der Bauch so sehr angespannt, dass es in einigen Fällen zu einem Nabelbruch kommen kann, der wiederum zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann. Und auch psychisch kann Ihr Kind einen Knacks bekommen, wenn seine Schreie nicht erhört werden. Denn es kann das Urvertrauen verlieren, wenn sein Bedürfnis nicht gestillt wird. Und das wiederum wirkt sich negativ auf das Selbstvertrauen aus. Nebenbei: Haben Sie schon einmal gehört, dass ein Arzt einem Lungenpatienten dazu rät, laut zu schreien? Natürlich nicht. Er soll seine Lunge lieber schonen. Also: Seien Sie da, wenn Ihr Baby schreit, und genießen Sie es, wenn es sich nach dem gestillten Bedürfnis verliebt und zufrieden in Ihren Arm kuschelt.

Mythos 4: Nach jedem Fläschchen ein Bäuerchen

Oh nein, jetzt ist das Baby beim Trinken eingeschlafen, bevor es ein Bäuerchen gemacht hat! Also wieder wecken. Wenn Sie auch so gedacht haben, dann haben Sie viele ruhige Stunden verpasst. Denn Sie hätten es nicht wecken müssen, indem Sie stundenlang auf seinen Rücken klopften, damit es endlich rülpst. Wenn das Baby direkt "bauert", dann kann dies tatsächlich Erleichterung bringen. "Aber wenn Ihr Kind Ihnen nach dem ersten Versuch nicht den Gefallen tut zu rülpsen, dürfen Sie es durchaus ohne Bäuerchen hinlegen", erklärt Dr. Martin Beck in seinem Buch "Schreien stärkt die Lungen und 99 andere Elternirrtümer". Nicht nach jeder Mahlzeit habe ein Kind viel Luft im Bauch. Also, wenn Ihr Baby mal wieder beim Trinken einschläft: Freuen Sie sich und legen Sie einfach mal die Füße hoch!

Mythos 5: Das Elternbett ist tabu

Hier gehen die Meinungen immer wieder auseinander, warnen doch Ärzte immer wieder, dass die Gefahr einfach zu groß sei, dass das Baby durch Ersticken den plötzlichen Kindstod stirbt. Während die einen Studien besagen, dass das Kind absolut nichts im Bett der Eltern zu suchen hat, gibt es andere, die das Gegenteil behaupten. Dabei ist die Ursache für dieses Phänomen plötzlicher Kindstod bis heute nicht geklärt. Der Arzt Dr. Renz-Polster beruhigt besorgte Eltern. Sein Rat: keine Angst vor Co-Sleeping! Dass kleinste Kinder noch zu Mama und Papa ins Bett wollen, liegt bei uns allen noch in den Genen. Früher war es schließlich keine Frage, wo die Kinder schlafen. Alles andere als in unmittelbarer Nähe zu den Eltern wäre der sichere Tod gewesen. Die Sicherheit, die wir heute haben, hat sich längst noch nicht in unseren Genen verankert. Deshalb suchen müde Kinder auch so häufig plötzlich Nähe und werden kuschelig. Je entspannter und natürlicher die Eltern damit umgehen, umso wahrscheinlicher ist es, dass Kinder sowieso von selbst im Alter von zwei, drei Jahren ihren eigenen Raum zum Schlafen haben wollen.

Und wenn Sie zu große Angst haben, dass Sie Ihr zartes Neugeborenes verletzen könnten, und es einfach nicht im Beistellbettchen schlafen will: Legen Sie die Matratze aus dem Babybett zwischen sich und Ihren Partner. So liegt Ihr Baby zwischen Ihnen beiden und bekommt die Nähe, die es braucht, und Sie laufen nicht Gefahr, sich beim Umdrehen versehentlich auf den Säugling zu legen. Noch mehr wertvolle Tipps, wie alle sicher im Elternbett schlafen, haben wir im Video für Sie.

Mythos 6: Schnuller schaden dem Kiefer

Fakt ist: Der natürliche Saugreflex ist jedem Baby angeboren. Kann das Baby dieses Bedürfnis stillen – sei es über das Nuckeln an Mamas Brustwarze oder eben an einem Schnuller, wirkt dies beruhigend. Zahnärzte warnen jedoch vor dem Nuckeln mit zu großen Saugern, da die Zähne durch den Druck, der beim Nuckeln verursacht wird, auseinanderwandern. Je größer der Sauger, desto größer der Druck. Deshalb wird empfohlen, dass Eltern ihren Kindern nur Nuckel in Größe Eins anbieten. Eine größere Variante sei schon allein deshalb nicht nötig, weil der kindliche Kiefer bereits bis zum dritten Lebensmonat im Wesentlichen ausgeformt ist. Abgewöhnen sollten Sie Ihren Kindern das Nuckeln am Schnulli laut Experten spätestens im dritten Lebensjahr.

Mythos 7: Blitzlicht schadet Babyaugen

Aus medizinischer Sicht ist dies falsch. Babys erleiden keine Schäden, wenn sie mit Blitz fotografieren und in die Kamera schauen. Jedoch wirkt es natürlich immer erschreckend auf das kleine Wesen. Deshalb sollte man immer abwägen, ob es wirklich sein muss, dass man den Blitz in der Kamera aktiviert.