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Papa-Kolumne: Hilfe, wir werden die Schnuller nicht los!

Schnuller abgewöhnen
Kalter Entzug oder langsamer Abschied: Wie gewöhnt man seinem Kind am besten den Schnuller ab? © iStockphoto

Schnuller abgewöhnen? Gar nicht so einfach!

Die Schnullerfee ist echt kulant - sie nimmt sogar Retouren. Normalerweise läuft der Deal ja so: Das Kind gibt nach einem ausführlichen Info-Gespräch mit den Eltern sämtliche Nuckies ab, Mama und Papa packen sie in eine Box und stellen sie am Abend feierlich vor die Wohnungstür. Am nächsten Morgen ist die Box dann weg, ersetzt durch ein Geschenk für das Kind, und der Schnuller-Spuk ist für immer vorbei. Zumindest im Idealfall. Bei uns kam es etwas anders. 

Von Sebastian Priggemeier

Drei Jahre Nuckeln lassen sich scheinbar nicht einfach so abschütteln

Tränen-Kollaps. Völliger Zusammenbruch. Zittern, zetern, schluchzen. Heftigste Entzugserscheinungen, und das keine 24 Stunden nach dem Schwur im Hausflur. Dabei war es meiner Tochter Lene (3) echt ernst, das weiß ich. Ihr Stimmchen hat sich richtig überschlagen vor lauter Aufregung und Stolz: "Liebe Schnullerfee, hier sind meine Schnuller. Die brauche ich nicht mehr, du kannst sie anderen Babys bringen." Von wegen. Eine ganze Nacht und einen Tag hat sie immerhin ohne Nuckel durchgehalten, abends ging dann nichts mehr. Siehe oben… Drei Jahre Nuckeln lassen sich eben nicht einfach so abschütteln. Nicht einmal für eine Belohnungs-Barbie mit Glitzerkleidchen. Also, Abbruch. Zurück in die Abhängigkeits-Falle.

Was ich mich jetzt frage: Wie lange soll das noch so weitergehen? Bin ich zu ungeduldig oder ist meine Kleine schon ein Fall für den Suchtberater? Sie ist jetzt drei Jahre alt. Die Kinderärztin riet uns neulich, wir sollten "dringend" die Schnuller loswerden. Haha. Danke für den Tipp. Aber WIE soll das bitte gehen? Genauso gut könnte sie einem leidenschaftlichen Kettenraucher empfehlen, spontan seine Kippen zu verschenken. Am besten an die Zigaretten-Fee. Wenn doch alles so einfach wäre…

Ganz ehrlich, ich verfluche den Moment, in dem ich meiner Tochter zum ersten Mal einen Schnuller in den Mund geschoben habe. Klar, schreiende Babys lassen sich prima damit ruhig stellen. Aber zu welchem Preis? Ich finde, die EU sollte Schnuller wie Tabakwaren behandeln: Warnhinweise und Schockbilder auf jede Verpackung, aber fix! Fotos von Kindern mit grotesk verzogenem Gebiss, von randalierenden Minis auf Entzug, die sabbernd am Boden liegen und um sich schlagen. Fakt ist: Schnuller können süchtig machen. Und sie versauen einem echt den Alltag.

Ich finde: Drogerien sollten Schnuller nur noch auf Nachfrage herausrücken dürfen

Mit dem Kind im Schlepptau mal eben etwas aus der Drogerie besorgen? Schon beim Gedanken daran bricht mir der kalte Angstschweiß aus, weil wir garantiert an der Schnuller-Ecke vorbeikommen. Lene hätte dann gerne ein neues Modell. Darauf weist sie mich erst freundlich aber bestimmt hin, dann fordernd und in der letzten Eskalationsstufe brüllend wie ein Bundesligatrainer auf Speed. Auch da sehe ich die Politik in der Pflicht: Drogerien sollten Schnuller nur noch auf Nachfrage herausrücken dürfen. Ganz vorne an der Kasse, wo es Rasierklingen und diese Aufsätze für elektrische Zahnbürsten gibt. Am besten mit einem herabwürdigendem Blick, nach dem Motto: Ist das wirklich nötig?!

Aber der soziale Druck ist ohnehin schon groß. Scheinbar sogar unter Kindern. Neulich, als ich Lene zur Kita brachte, kaute sie erst noch fröhlich-schmatzend auf ihrem Schnuller herum - 100 Meter vor der Kita drückte sie mir das nasse Teil dann plötzlich in die Hand. Aus Angst, damit gesehen zu werden? "Hier Papa, den kannst du einstecken", sagte sie. "Für den Notfall. Ich bin ja schon ein großes Mädchen." Puuuh, da musste ich vor Rührung erstmal kräftig schlucken. Zusammen schaffen wir das schon mit der Entwöhnung, dachte ich mir. Aber wahrscheinlich schafft sie es auch ganz gut alleine. Ohne Schnullerfee und drängelnde Eltern.

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