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Rache nach ESC-Sieg? Russland soll Phosphorbomben auf Stahlwerk in Mariupol gefeuert haben

Fotos von Bomben mit höhnischen Nachrichten aufgetaucht

Nach ukrainischem ESC-Sieg: Bombardiert Russland Stahlwerk in Mariupol mit Phosphorbomben?

Russland soll Stahlwerk mit Phosphorbomben angreifen Kämpfe bei Mariupol
00:39 min
Kämpfe bei Mariupol
Russland soll Stahlwerk mit Phosphorbomben angreifen

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War das die russische Reaktion auf den Sieg der Ukraine bei „Eurovision Song Contest“ (ESC) 2022 ? Russland soll das Asow-Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol nach ukrainischen Angaben mit Phosphorbomben beschossen haben. „Die Hölle ist auf die Erde gekommen“, schrieb der Mariupoler Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram. Er veröffentlichte außerdem Fotos von Bomben, die mit Botschaften beschriftet waren.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen rund um den Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit im Liveticker.

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Ukrainischer Sänger rief beim ESC zur Hilfe für eingekesselte Soldaten im Stahlwerk auf

Zu lesen ist dort auf Russisch: „Kalusha, wie gewünscht! Auf Azowstal“ und auf Englisch „Help Mariupol - Help Azovstal right now“ (Helft Mariupol - Helft Azowstal sofort) mit dem Datum 14. Mai. Der Sänger der ukrainischen Band Kalush Orchestra, die den Sieg beim ESC in Turin holte, hatte genau das bei seinem Auftritt gesagt. Das russische Militär soll mit den höhnischen Nachrichten auf den Bomben auf das Ergebnis des Gesangswettbewerbs reagiert haben, so der Vorwurf. Woher die Fotos stammen, ist allerdings unklar.

Laut Andrjuschtschenko wurde das Stahlwerk mit Phosphorbomben beschossen. Das sind Brandbomben, die sich beim Kontakt mit Sauerstoff entzünden und verheerende Schäden anrichten. Ihr Einsatz gegen Menschen ist verboten. Beweise für den Einsatz dieser Geschosse gab es bisher noch nicht. Der Mariupoler Stadtratsabgeordnete veröffentlichte ein Video mit Luftaufnahmen, auf denen ein Feuerregen zu sehen ist, der auf das Werk niedergeht. Auch diese Aufnahmen konnten noch nicht unabhängig überprüft werden. Wer sie gemacht hat, ist ebenso unklar.

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Rund 1.000 Soldaten sollen Stahlwerk Asovstal noch verteidigen

Der Kommandeur der Donezker Separatistenbrigade „Wostok“ (Osten), Alexander Chodakowski, und russische Kriegskorrespondenten veröffentlichten das Video am Sonntag ebenfalls und sprachen von einem Angriff auf das Werksgelände mit brandauslösenden Geschossen. Dabei soll es sich um Brandraketen handeln, die mittels des Mehrfachraketenwerfers „Grad“ (Hagel) abgefeuert werden.

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In dem Stahlwerk Asovstal haben sich nach ukrainischen Angaben rund 1.000 Verteidiger von Mariupol verschanzt. Sie lehnen russische Aufforderungen ab, sich zu ergeben. In den russischen Hasskommentaren war mit Blick auf den Beschuss des Stahlwerks auch zu lesen, die Kämpfer hätten nun genug Zeit gehabt, aus der Industriezone herauszukommen. Die ukrainische Regierung hatte erklärt, alles für die Rettung der Verteidiger von Mariupol zu tun.

Mehrere Ehefrauen der letzten ukrainischen Kämpfer in der Hafenstadt Mariupol haben katastrophale Zustände in dem von russischen Truppen belagerten Stahlwerk Azovstal geschildert. Pro Person gebe es nur noch ein Glas Wasser am Tag, sagte eine der Frauen in einem Interview, aus dem ukrainische Medien am Sonntag zitierten. Besonders für die schwerverletzten Soldaten sei die Situation „schrecklich“: Manchen fehlten Arme oder Beine, es gebe kaum noch Medikamente oder Betäubungsmittel.

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Ukraine fasst angebliche Phosphorbomben als Reaktion auf ESC-Sieg auf

In ukrainischen Kommentaren war zu lesen, die Phosphorbomben seien der russische Gruß zum ESC-Sieg. Russische Medien berichteten in der Nacht zum Sonntag zwar von dem Sieg, anders als in den Vorjahren durfte das Staatsfernsehen die Show aber nicht zeigen. Russland ist wegen des Angriffskrieges auf die Ukraine vom ESC ausgeschlossen. (jgr, mit dpa)