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Prozess um Solinger Kindermorde: Richter will kein neues psychiatrisches Gutachten für Christiane K. zulassen

Kein neues psychiatrisches Gutachten für Christiane K.

Prozess um Solinger Kindermorde: Richter lässt sich nicht auf Tricks der Verteidgung ein

Christiane K. vor dem Landgericht Wuppertal.
Christiane K. vor dem Landgericht Wuppertal.
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Mutter soll fünf ihrer sechs Kinder umgebracht haben

Ist Christiane K. schuldfähig oder nicht? Um diese Frage zu klären, wollte die Verteidigung die 28-Jährige neu begutachten lassen. Doch darauf ließ sich das Gericht nicht ein. Die Kammer sehe keine Anzeichen dafür, dass das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen falsch oder widersprüchlich sei, erklärte der Vorsitzende Richter am Mittwoch im Wuppertaler Landgericht. Die Mutter aus Solingen steht dort vor Gericht, weil sie fünf ihrer sechs Kinder getötet haben soll. Der Prozess kann damit ungehindert weitergehen.

Gericht hält den Sachverständigen für erfahren und gewissenhaft

Kinder in Solingen getötet
Prozess um Tod von fünf Kindern in Solingen
mk kde fc sab aba fdt, dpa, Marcel Kusch

Christiane K. ist in einem Zwischenbericht die volle Schuldfähigkeit attestiert worden. Dagegen hat die Verteidigung einen neuen Befangenheitsantrag gegen den psychiatrischen Gutachter gestellt. Doch das Gericht wies den Antrag ab. Der Sachverständige habe weder grob fahrlässig noch vertuschend gehandelt. Daher bedürfe es keiner neuen Begutachtung. Der Experte sei als erfahren und gewissenhaft bekannt. Das Gutachten entspreche den gesetzlichen Vorschriften. Auch der Gutachter hatte sich gegen die Vorwürfe der Verteidigung gewehrt.

Für die 28-Jährige geht es um viel: Ihr droht bei einer Verurteilung wegen Mordes lebenslange Haft. Ein neues psychiatrisches Gutachten, in dem ihr eine schwere Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden wäre, hätte die Angeklagte vor der lebenslanger Haft bewahren können. Darauf hatte die Verteidigung es mit ihrem Antrag offenbar abgesehen. Die mutmaßliche Mörderin hätte damit in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden können.

Christiane K. soll als Kind missbraucht worden sein

Verhandlung Kindermord (Archiv)
Christiane K. auf der Anklagebank im Gerichtssaal
www.imago-images.de, imago images/Tim Oelbermann, Tim Oelbermann via www.imago-images.de

Laut Verteidigung soll die Angeklagte als Jugendliche Opfer eines sexuellen Missbrauchs und einer Vergewaltigung geworden sein. Deshalb sei in einer Klinik in Viersen behandelt worden, dies sei aber vom Psychiater nicht ausreichend im Gutachten berücksichtigt worden.

Im September 2020 soll die Mutter in Solingen fünf ihrer sechs Kinder getötet haben . Die Leichen von Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8) wurden in der Wohnung der Familie entdeckt. Christiane K.s ältester Sohn blieb unverletzt. Sie hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt. Die Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Nach der Tat behauptete sie, ein Unbekannter habe ihre Kinder getötet. (dpa/mca)