Fünf Kinder in Solingen getötet

Das erschreckende WhatsApp-Protokoll des Tattags: „Die Kinder sind schon da oben"

Christiane K. schrieb dem Vater ihrer Kinder vor der Tat: "Du wirst deine Kinder nie wiedersehen"
Christiane K. schrieb dem Vater ihrer Kinder vor der Tat: "Du wirst deine Kinder nie wiedersehen"
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06. Juli 2021 - 12:55 Uhr

Im Prozess gegen Christiane K. werden Chatprotokolle vorgelesen

Was bringt eine Mutter dazu, fünf ihrer sechs Kinder umzubringen? Christiane K. steht vor Gericht, weil sie in Solingen Melina (†1), Leonie (†2), Sophie (†3), Timo (†6) und Luca (†8) mit einem Medikamenten-Cocktail ruhiggestellt und in der Badewanne erwürgt, erstickt oder ertränkt haben soll. Sie selbst schweigt zu den Vorwürfen. Am Tattag schrieb die Angeklagte über WhatsApp Nachrichten an den Vater ihrer vier jüngsten Kinder und an ihre Mutter. Die Chat-Protokolle lassen kaum Zweifel an ihrer Schuld.

Im Gerichtssaal fällt die Maske von Christiane K.

An diesem Tag fällt im Wuppertaler Landgericht die Maske von Christiane K. Bislang hatte die 28-Jährige während der Verhandlung kaum eine Regung gezeigt. Selbst als die Rechtsmedizinerin erklärte, dass die Kinder minutenlang um ihr Leben kämpften, schien Christiane K. einerseits zuzuhören, wirkte aber gleichzeitig sehr weit weg. Das ändert sich, als das Gericht an diesem Montag ein Video zeigt, das die Angeklagte offenbar selbst gefilmt hat.

Es zeigt, wie ihr Noch-Ehemann Pascal K. ihre Kinder in die Luft wirft. Die Kleinen sitzen auf einem Sofa, lachen, glucksen, sind glücklich und warten, bis sie an der Reihe sind, dass ihr Vater mit ihnen tobt. Offenbar zu viel für die Angeklagte.

Kaum laufen die ersten Bilder, kaum sind die ersten Kinderlaute zu hören, schießen Christiane K. die Tränen in die Augen. Etwa eine Minute schafft sie es noch hinzusehen. Dann senkt sie den Kopf. Ganz tief nach unten. Fast so, als möchte sie ihre Tränen vor allen Menschen im Saal verbergen. Ihre Haare sind zerzaust, die Augen verweint, die Schminke verschmiert und der Blick leer. RTL-Reporter Valerio Magno: "Fast habe ich den Eindruck, als würde der Angeklagten nun klar, was ihr da eigentlich vorgeworfen wird: Dieses Kinderglück, ihr eigenes Lebensglück, zerstört zu haben."

Heftiger Streit "Die Kinder siehst du nicht mehr"

Am Tattag schien dieses Glück für Christiane K. ganz weit weg. Die Beziehung zu Pascal K. ist ein Scherbenhaufen, er ist aus der gemeinsamen Wohnung in Solingen wieder zurück zu seiner Mutter gezogen. Bei WhatsApp soll er ein Bild von sich und seiner neuen Freundin geteilt haben. "Hast Du also…mich verarscht?", schreibt ihm Christiane K. am Morgen des 3. September 2020.
"Ich habe jemanden kennengelernt und versuche einen Neuanfang", antwortet Pascal K. "Wie verfahren wir jetzt weiter?", fragt er. "Keine Ahnung. Kannst ja mit der Ollen neue Kinder machen", antwortet ihm Christiane K. Um 11.30 Uhr schreibt sie: "Ich komme ohne Dich nicht klar." Und wenige Minuten später: "Ich kann nicht neu starten. Ganz einfach. Ich liebe Dich … und will ohne Dich nicht."

Doch Pascal K. geht darauf nicht ein. Es scheint, als fasse Christiane K. daraufhin einen Entschluss: "Die Kinder siehst Du nicht mehr", droht sie. "Was? Wegen einer neuen Frau?", antwortet ihr Ex irritiert. Um 12.45 Uhr ergänzt er: "Sag mir, wann ich sie sehen werde." Die Antwort: "Die Kinder sind weg." Christiane K. schickt ihrem Ex ein Foto. Eine Hand liegt auf dem Boden. In der Hand ein Zettel. Neben der Hand ein langes, spitzes Messer. Neben dem Messer Blut.

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Polizei stellt gelöschte WhatsApp-Kommunikation wieder her

RTL-Reporter Valerio Magno
RTL-Reporter Valerio Magno hat die Aussagen der Gerichtsmedizinerin im Saal verfolgt.
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"Das ist doch jetzt nicht Dein Ernst. Du bist krank, meine Fresse", schreibt Pascal K um 13:22 Uhr. "Ich beende es", antwortet die Angeklagte. "Ruf die Polizei in die Wohnung." Der Vater ihrer vier jüngsten Kinder weigert sich: "Du bist so krank." "Die sind schon da oben, wo ich auch gleich bin", fährt Christiane K. fort. "Die Kinder sind tot." Ihr Ex tippt: "Hör auf mit dem Sch***. So bekommst Du mich auch nicht zurück." Um 13:42 Uhr schreibt Christiane K. die letzte Nachricht: "Ich meine es ernst. Die Kinder leben nicht mehr." Zwei Minuten später antwortet ihr Ex: "Du sch*** Miststück. Was hast du getan?" Das Protokoll endet.

Die Polizei hatte die gelöschte WhatsApp-Kommunikation der 28-Jährigen mit ihrem Noch-Ehemann und ihrer Mutter wieder sichtbar machen können. Zwischenzeitlich hatte Christiane K. behauptet, ein maskierter Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen und habe ihre Kinder umgebracht. Für die Polizei ist das eine Schutzbehauptung: "Wir sind dem natürlich nachgegangen, haben aber nichts gefunden, was dafür spricht", sagte einer der Ermittler. Der Angeklagten droht lebenslange Haft wegen fünffachen heimtückischen Mordes. (mst)