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Prozess um Doppelmord in Delmenhorst: Bruder des Opfers erhebt schwere Vorwürfe

Prozess um Doppelmord in Delmenhorst

Bruder des Opfers: "Ich kann es bis heute nicht begreifen"

Bruder des Opfers: "Ich kann es bis heute nicht begreifen" Prozess um Doppelmord
01:40 min
Prozess um Doppelmord
Bruder des Opfers: "Ich kann es bis heute nicht begreifen"

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von Juliana Schatzschneider und Christo Tatje

„Man muss doch nicht zwei Menschen umbringen, drei Kinder zu Waisen machen, unser ganzes Leben zerstören. Davon werden wir uns doch niemals erholen. Nie im Leben. Das war meine kleine Schwester“, erzählt Said Ibrahim unter Tränen im RTL-Interview zum Prozessauftakt in Oldenburg. "Ich kann es bis heute nicht begreifen". Er ist der Bruder der Getöteten und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Angeklagten und seine Familie. Am 3. Oktober 2021 soll der angeklagte Barzan H. zunächst einen 23-jährigen Mann und dann seine eigene Frau in Delmenhorst erstochen haben .

Angeklagter und seine Familie hätten „nur einen Sündenbock gesucht“

Prozess wegen zweifachen Mordes am Landgericht Oldenburg
Der Angeklagte sitzt vor Prozessbeginn in einem Saal im Landgericht und bedeckt sein Gesicht. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
deutsche presse agentur

Laut Staatsanwaltschaft seien die Taten ein Versuch gewesen, seine Familienehre wiederherzustellen. Said Ibrahim ist überzeugt, dass der Angeklagte Barzan H. und seine Familie „nur einen Sündenbock gesucht“ hätten. Sein Anwalt erklärt im RTL-Interview, dass im Zuge der Mordermittlungen die Mobiltelefone beider Opfer ausgelesen wurden. Dort wären „keine Kontakte“ zu finden gewesen. Dabei sei eine vermeintliche Affäre zwischen dem 23-Jährigen und seiner 27 Jahre alten Frau der Auslöser für die Taten gewesen. Über die getötete Schwester seines Mandanten sagt er, sie sei eine „taffe Frau“ und eine „super tolle Mutter“ gewesen.

Neunjähriges Mädchen soll alles mit angesehen haben

„Ich finde dafür keine passenden Worte. Also, es ist schrecklich. Das wünsche ich niemandem und die, die mir am meisten leid tun sind natürlich die Kinder“, sagt der Onkel der drei gemeinsamen Kinder von seiner Schwester und Barzan H. Die mittlerweile 5-, 9- und 10-Jährigen leben jetzt bei ihrem Onkel und ihrer Großmutter. Vor allem das neunjährige Mädchen, das alles mit angesehen haben soll, sei schwerst traumatisiert. „Im Idealfall ist es doch so, dass ein Kind seine Eltern liebt und dann sieht es zu, wie die Mutter erstochen wird vom eigenen Vater. Das wieder aus einem Kinderkopf herauszubekommen, das ist eine Hochleistung für Psychologen, ich weiß nicht ob das jemals geht“, sagt der Anwalt des Bruders.

"Es zerstört einen innerlich"

Gewalttat in Delmenhorst
Polizisten sperren im Oktober 2021 den Tatort in Delmenhorst ab. Foto: Kai Moorschlatt/Nord-West-Media TV/dpa
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Said Ibrahim und sein Anwalt sind überzeugt, dass es zweifacher Mord war. Der Angeklagte habe seine Schwester mit 21, ihren angeblichen Geliebten mit 30 Messerstichen brutal getötet. Vor Gericht gesteht der Angeklagte am Dienstag seine Taten. „Es zerstört einen innerlich. Weil wir und diese Familie waren eigentlich auch eine Familie. Und wie man uns so etwas antun kann – auch wenn es stimmt – das kann man doch nicht machen.“ Der Bruder der getöteten jungen Mutter wünscht sich, dass Barzan H. wegen der besonderen Schwere der Schuld nie wieder auf freien Fuß kommt.