Rapper wegen Abou-Chaker-Clan unter Polizeischutz

Prozess in Berlin: Hier macht sich Arafat Abou-Chaker über Bushido lustig

31. August 2020 - 19:13 Uhr

Prozess gegen Abou-Chaker in Berlin: Es geht um Beleidigung, Erpressung und Gewalt

Über lange Jahre hinweg waren sie Geschäftspartner, enge Freunde, nannten sich sogar "Bruder" – 2017 schließlich der Bruch zwischen Rapper Bushido und dem Clanboss Arafat Abou-Chaker. Jetzt stehen sie sich vor Gericht gegenüber – es geht um Beleidigung, Erpressung und auch um Gewalt. Im Prozess gegen Abou-Chaker und seine drei Brüder Yasser (39), Nasser (49) und Rommel (42) hat Bushido vor dem Landgericht Berlin seine Aussage begonnen. Eine RTL-Reporterin hat den Angeklagten Arafat Abou-Chaker nach dem Ende des Prozesstags auf Bushidos Polizeischutz angesprochen – im Video.

dpatopbilder - 17.08.2020, Berlin: Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt als Rapper Bushido, sitzt zu Beginn eines Prozesses gegen den Chef einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie in einem Gerichtssaal des Landgerichts.
Bushido beim Prozess gegen seinen ehemaligen "Bruder".
© dpa, Paul Zinken, pdz lop

15:32 Uhr - Prozesstag nach ersten Aussagen von Bushido beendet

RTL-Reporterin Samina Faizi meldet aus dem Gerichtssaal: Der Prozesstag ist zu Ende. Bushido wird seine Aussage am Mittwoch fortsetzen. Am vierten Prozesstag ging es in der Aussage des Rappers um den Beginn der Beziehung zu den Abou-Chakers. Wie Bushido, mit bürgerlichen Namen Anis Ferchichi, vor Gericht erklärte, hat Arafat Abou-Chaker ihm im Jahr 2004 aus seinem Vertrag bei "Aggro Berlin" geholfen.

Für diesen Gefallen habe Bushido dem Clan-Boss 20.000 Euro angeboten. Laut Bushido reagierte Arafat darauf sehr aggressiv und die beiden hätten sich auf eine prozentuale Beteiligung geeinigt. Bushido erklärte vor Gericht: "Ich wurde gezwungen diese 30% zuzusagen. Ich hatte nie geplant ihn prozentual zu beteiligen." Der Richter sprach den Rapper darauf an, dass die Beziehung der beiden in den Medien wie eine Freundschaft ausgesehen hätte. "Ja, das ist richtig. Ich habe erst vor einem Jahr zum ersten Mal darüber gesprochen. Niemand wusste davon, nicht einmal meine Frau", sagte Bushido dazu. Was der Angeklagte Arafat Abou-Chaker von Bushidos Auftritt hält, wird im Video oben sehr deutlich.

13:45 Uhr - Befragung von Bushido startet

Immer wieder wird der Prozess unterbrochen, es geht weiterhin um den Antrag der Verteidiger. Nun hat der Richter die Akteneinsicht und die Aussetzung des Prozesses abgelehnt. Gegen 13.45 startete damit endlich die Befragung des Rappers.

RTL NEWS empfiehlt

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10:47 Uhr - Abou-Chakers Anwälte wollen Befragung von Bushido offenbar weiterhin verhindern

Die Verteidiger der Abou-Chakers halten an ihrem Antrag fest, Zeugenbefragungen von Bushido und Anna-Maria Ferchichi aus anderen Verfahren einzusehen – ansonsten fordere man eine Aufhebung des Verfahrens. Staatsanwältin Petra Leiser hält dagegen: Sie wolle in diesem Prozess nur mit Bushidos aktueller Aussage vor Gericht arbeiten, sie selbst könne weitere Vernehmungen auch nicht einsehen. Pause für eine Stunde.

31. August - 10:00 Uhr: Prozess startet

Nachdem Bushido am vergangenen Prozesstag bislang nur zu seiner eigenen Musikkarriere befragt wurde, dürfte der heutige Prozesstag spannender werden. Um10:00 Uhr soll es vor dem Amtsgericht Berlin losgehen.

Meldungen vom 26. August 2020

14:34 Uhr - Prozess für heute beendet

Der Prozesstag endet am frühen Nachmittag – bislang wurde Bushido nur zu seiner eigenen Musikkarriere befragt.

13:50 Uhr - Befragung von Bushido hat begonnen

Mit etwas Verspätung ist um kurz nach die Befragung von Bushido gestartet, sein Anwalt hat neben ihm Platz genommen. Der Rapper wird zu den Anfängen seiner Musikkarriere befragt, erzählt von einem schwierigen Start – er habe sich aus dem Nichts hochgearbeitet, betont er immer wieder. Mit Hilfe seiner Mutter habe er sich damals ein Studio im Kinderzimmer eingerichtet. Die Angeklagten verfolgen seine Schilderungen ruhig, aber gespannt – sie alle sitzen hinter Panzerglas, auch Bushido. Der Rapper bleibt während seiner Vernehmung immer höflich, genießt sichtlich die Aufmerksamkeit. Seine Gangster-Attitüde scheint er – zumindest für den Moment – abgelegt zu haben.

11:44 Uhr - Gericht berät über Anträge der Verteidigung

Die komplette Verteidigung hat sich den Anträgen des Anwalts von Arafat Abou-Chaker angeschlossen – darum gibt es erneut eine Pause und das Gericht berät darüber. In der Pause durfte die Ehefrau von Yasser Abou-Chaker, ebenfalls angeklagt, kurz in den Gerichtssaal – mit dabei: Ein Neugeborenes. Ihr Ehemann sitzt derzeit in U-Haft – womöglich hat er gerade zum ersten Mal sein Kind bewundern können.

11:14 Uhr - Verteidiger will Bushido-Aussage offenbar herauszögern

Es bleibt spannend, ob Bushido überhaupt heute dazu kommt, eine Aussage zu machen. Leicht verspätet startete der Prozess um 10:56. Arafat Abou-Chaker, welcher in neonfarbenem Mickey-Mouse-T-Shirt vor Gericht erschien, stellte über seinen Verteidiger direkt zu Beginn einen weiteren Antrag auf Akteneinsicht – es geht um frühere Aussagen Bushidos und seiner Frau Anna-Maria Ferchichi. Ohne diese Akteneinsicht soll die Vernehmung von Bushido offenbar weiter herausgezögert werden.

09:30 Uhr - Abou-Chaker-Bruder liefert sich Wortgefecht mit Gerichtssprecherin

Der Abou-Chaker-Clan sorgt schon vor Prozessbeginn für Aufmerksamkeit: Vor dem Zuschauerraum des Landgerichts hat sich eine lange Schlange gebildet. Momo Abou-Chaker, Bruder des Hauptangeklagten, hat offenbar aber keine Lust auf Anstehen und will sich an der Schlange vorbeimogeln. Das klappt nicht, es folgt ein langes Wortgefecht mit der Gerichtssprecherin – die Professionalität beweist und außerordentlich cool bleibt. "Ich interessiere mich überhaupt nicht für Sie" ist eine ihrer bemerkenswert ruhigen Antworten. Das ganze Streitgespräch: Im Video!

Das wirft Bushido dem Abou-Chaker-Clan vor

Bislang wurde Bushido immer mit immensem Begleitschutz in den Gerichtssaal gebracht – von mehreren Beamten mit Sturmhauben. Der Musiker fürchtet Rache des Clans an sich und seiner Familie. Schließlich erhebt der Rapper schwere Vorwürfe gegen den Clan. Nach jahrelanger Partnerschaft hatte Bushido die Zusammenarbeit mit den Abou-Chakers beendet – daraufhin soll er im Dezember 2017 und Januar 2018 soll er von Mitgliedern des Clans beschimpft, eingesperrt und mit einer Wasserflasche sowie einem Stuhl attackiert worden sein. Arafat Abou-Chaker soll außerdem Millionen von Bushido gefordert haben.

Angeklagt ist der Clan-Boss wegen schwerer räuberischer Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Untreue – drei seiner Brüder sind als Mittäter oder Gehilfen vor Gericht. Bushido tritt als Nebenkläger auf. Bushido wirft Arafat auch vor, seine Frau Anna-Maria und Kinder entführt haben zu wollen – darum geht es beim Prozess am Mittwoch allerdings nicht.

Anna Maria Lagerblom and singer Bushido arrive for the Bambi award in Wiesbaden, Germany, 10 November 2011. The Bambis are the main German media awards and are presented for the 63rd  time. Photo: Michael Kappeler dpa/lhe  +++(c) dpa - Bildfunk+++
Bushido und seine Familie werden geschützt - der Rapper fürchtet Rache des Abou-Chaker-Clans. Er wirft den Brüdern auch vor, versucht zu haben, seine Frau Anna-Maria und die gemeinsamen Kinder zu entführen.
© dpa, Michael Kappeler

TVNOW-Doku: Clans in Deutschland

Sie heißen Abou-Chaker, Remmo, Al-Zein, Miri. Und es gibt noch viel mehr: Arabische Großfamilien beherrschen mittlerweile ganze Straßenzüge in Berlin, im Ruhrgebiet oder in Niedersachsen. Wie konnte es so weit kommen? Wie ticken die Clan-Mitglieder? Und wie will man die Lage in den Griff kriegen? Die große TVNOW-Doku "Clans in Deutschland" gibt Einblicke in die abgeschottete Welt der Clans.