Vater des Opfers: „Er hat unser Leben versaut“

Polizist rast Fabien (21) tot: Bewährungsstrafe für Hauptkommissar Peter G.

16. Dezember 2020 - 12:03 Uhr

Polizeiauto krachte in den Wagen der 21-jährigen Fabien

"Er hat unser Leben versaut", sagt Fabiens Vater Christian Martini über den Mann, der seine 21 Jahre alte Tochter totgefahren hat. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach Peter G. nun wegen fahrlässiger Tötung schuldig und verurteilte den Polizeihauptkommissar, der mit Personenschützern zum Gerichtstermin erschien, zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung. Die junge Frau starb im Januar 2018. Sie wollte gerade einparken, als Peter G. sie mit einem Polizeiwagen rammte.

Richter über Blaulicht-Raserei des Angeklagten: "Das geht gar nicht"

Am 29. Januar 2018 fuhr er mit Blaulicht zu einem Einsatz. Er schoss mit 134km/h aus dem Grunertunnel vorbei am Alexanderplatz. "Ich dachte, oh mein Gott, das Auto hebt gleich ab", sagte eine Zeugin im Prozess aus. Fabien fuhr mit ihrem Auto auf der fünfspurigen Straße und wollte über die rechte Spur hinweg in eine Parklücke abbiegen. Das Martinshorn hörte sie offenbar nicht. Laut Gutachten ist der Polizeiwagen immer noch bei 91km/h, als er in die Fahrertür kracht. Fabien Martini hat keine Chance.

Auf keinen Fall hätte der Polizist am Tage in der Berliner City so schnell fahren dürfen, urteilte Richter Sascha Daue. "Das geht gar nicht. Das ist absolut fahrlässig, eine grobe Sorgfaltspflichtverletzung. Ein Einsatzbefehl rechtfertigt nicht alles." Das Verhalten des Polizisten sei der Grund für den tödlichen Unfall gewesen. Er hätte beim Tunnelausgang vom Gas gehen müssen.

In unserem Video: Fabiens Eltern begegnen dem Mann, der für den Tod ihrer Tochter verantwortlich ist vor Gericht.

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Fabiens Vater kämpft nach dem Urteil mit den Tränen

Die tödliche Kollision hatte große Wellen geschlagen. Erst Monate nach Ermittlungsbeginn war bekannt geworden, dass eine im Krankenhaus genommene Blutprobe des Fahrers Alkohol enthalten haben soll. Die Patientenakte durfte dann aber nicht als Beweismittel vor Gericht verwendet werden. Es kam der Verdacht auf, dies habe vertuscht werden sollen. Peter G. schwieg in dem Prozess.

Fabiens Eltern hatten als Nebenkläger eine Freiheitsstrafe von vier Jahren für den 53-Jährigen verlangt. Für Christian Martini ist der Polizeibeamte "der Mörder meiner Tochter". Zur Urteilsverkündung erschienen die Eltern komplett in schwarz gekleidet und stellten ein Foto ihrer toten Tochter auf. Nach dem Urteil kämpfte der Vater mit den Tränen. "Wir haben gehofft, dass er wenigstens Gefängnis kriegt", erklärte Martini enttäuscht. Er und seine Frau sind noch immer überzeugt, dass der Polizist betrunken am Steuer saß.

Eltern von tödlich verunglückter Fabien
Fabiens Eltern werfen dem Polizisten, der den tödlichen Unfall verursachte, vor, er hätte ihr Leben zerstört.
© RTL

Verteidiger hatte Freispruch für Peter G. gefordert

Der Verteidiger, der einen Freispruch beantragt hatte, sagte, sein Mandant sei seit 32 Jahren Polizist mit Leibe und Seele. Der Unfall habe auch sein Leben einschneidend verändert. "Er ist ein psychisches Wrack." Zu Prozessbeginn hatte der Polizist seinen Anwalt erklären lassen, ihm gehe das "tragische, schreckliche Unfallgeschehen" bis heute sehr nahe. Es tue ihm "sehr, sehr leid".

Quelle: RTL, dpa

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