Jüdische Kinder sind immernoch gefährdet

Malen, Basteln und Videoüberwachung! Dieser Kindergarten braucht Polizeischutz

Diese Kita braucht Polizeischutz Alltag für jüdische Kinder
01:12 min
Alltag für jüdische Kinder
Diese Kita braucht Polizeischutz

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von Shari Jung und Jessy Siodlaczek

Die Eingänge dieser Kita sind videoüberwacht. Mehrere Eingangsschleusen und die Polizei sollen die Kinder schützen. Die Kita Tamar ist die erste jüdische Kita seit dem Holocaust in Hannover und muss diverse Sicherheitsvorkehrungen treffen. Wie die Kindergartenkinder diese Sicherheitsvorkehrungen wahrnehmen, sehen Sie im Video.

Bedrohliche E-Mails, Anrufe und Briefe

Die Tora und Menora
Im Kindergarten sind viele jüdische Gegenstände zu finden, wie die Tora und die Menora.
RTL Nord

Die Mehrheit der Kinder der Kita Tamar hat jüdische Wurzeln. Denn hier werden ausschließlich jüdische Feiertage, Rituale und Traditionen gelebt. Regelmäßig erhält die liberal-jüdische Gemeinde der Kita bedrohliche E-Mails, Anrufe und Briefe. Der Grund ist Antisemitismus. Wie alle jüdischen Einrichtungen in Hannover muss dieser Kindergarten vom Staatsschutz geschützt werden.

Die Polizei ist immer präsent

Die genaueren Schutzmaßnahmen werden nicht bekanntgegeben, aber der Leiter des Staatsschutzes Harry Blome versichert: Die Polizei ist da, ob sichtbar oder nicht. „Der Schutz jüdischen Lebens ist gesamtgesellschaftlicher Auftrag, seit dem zweiten Weltkrieg“, sagt Blome. Seit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober 2019, eine Tat, die die Behörden bis dahin für unmöglich gehalten haben, wurden die Sicherheitsmaßnahmen bundesweit auf den Prüfstand gestellt und Gelder für Umbauten akquiriert.

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Die Gelder bleiben aus

Nur sind die versprochenen Gelder, die für die Schutzmaßnahmen vorgesehen sind, noch nicht beim Kindergarten angekommen: „Die Konzepte liegen vor, auch die Kostenvorschläge, auch der niedersächsische Landtag hat die Gelder nun letztes Jahr bewilligt, aber immer noch befinden wir uns in der Warteschleife, denn das Geld ist noch nicht angekommen. Zwei Jahre nach Halle!“, sagt Rebecca Seidler, die erste Vorsitzende der liberal-jüdischen Gemeinde. Franz Rainer Enste, abgestellt vom Land zum Schutz des jüdischen Lebens und Antisemitismusbeauftragter, ist aber zuversichtlich, dass der Kindergarten die Gelder bald erhält: „Es wird jetzt zeitnah umgesetzt werden und ich kann auch sagen ich werde den Prozess selbstverständlich verfolgen und sollte es an irgendeiner Stelle haken, werde ich gerne nochmal den Finger in die Wunde legen.“ Denn wichtig ist, dass die jüdischen Kinder in Sicherheit aufwachsen können.