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Plastik, Abfall und tote Tiere: Das alles fischen Norddeutsche Unternehmer mit Müllsammelbooten weltweit aus dem Wasser

Künstliche Intelligenz hilft beim Müll sammeln

Plastik, Abfall und tote Tiere: Das alles fischen Norddeutsche Unternehmer weltweit aus dem Wasser

Unternehmer aus dem Norden retten die Umwelt KI sammelt Müll
01:07 min
KI sammelt Müll
Unternehmer aus dem Norden retten die Umwelt

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Einsatz auf der ganzen Welt

Sie sammeln eigentlich alles, was in Flüssen und anderen Gewässern der Welt an Abfall auftaucht: Sogar Tierkadaver haben die Boote der Unternehmer aus Niedersachsen schon in Ägypten aus dem Wasser geborgen. Auch Serbien, Bosnien-Herzegowina oder Asien unterstützen die Müllsammelboote aus dem Emsland im Einklag mit der künstlichen Intelligenz (kurz: KI) aus Oldenburg.

Wie der Umweltschutz, Made in Niedersachsen, funktioniert, sehen Sie im Video.

KI muss fleißig weiterlernen

Was ist Müll, was ist Natur: Das lernt die KI Schritt für Schritt.
Eine Kamera zeichnet alles das auf, was das Müllboot findet.
RTL Nord

Es gibt viele Schwierigkeiten, die bei der Arbeit mit der künstlichen Intelligenz wichtig sind. Das Deutsche Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz im niedersächsischen Oldenburg kommt dabei ins Spiel. Oliver Zielinski ist Experte für Marine Sensorik und weiß, was die KI zu lernen hat. Beispielsweise bei schwierigen Wetterbedingungen: „In manchen Ländern haben wir viel Sonnenschein und dadurch eine hohe Beleuchtung des Gebietes. Dann müssen wir gucken, dass das Kamerabild nicht übersteuert“, erklärt er uns. Ein weißes Kunststoffteil könne beispielsweise zu stark reflektieren und dadurch das Bild unbrauchbar machen, so dass, „alles nur noch als weißer Fleck zu erkennen ist“, so Zielinski. Außerdem muss das Equipment natürlich auch bei Regen oder Sturm die korrekten Daten übertragen können – und das bedeutet: tägliches Training für die künsltiche Intelligenz.

Studierende füttern das System mit Daten

Flaschen, Becher oder Dosen – für das menschliche Auge leicht erkennbar. Für die KI aber nicht. Erst, wenn sie bereits genügend Daten abgespeichert hat, kann sie auch selbst Material erkennen und als Abfall zuordnen. Das Team ist deswegen ständig damit beschäftigt weitere Eingaben für die späteren Bilddaten einzutragen, damit die KI weiß, was Holz oder ein Autoreifen ist – und das zahlt sich aus: „Wenn diese KI das gelernt hat, dann nehmen wir dieses fertig trainierte Modell und spielen es auf einen Laptop, der dann auf dem Schiff mitlaufen kann“, erklärt Zielinski. „Das heißt die KI lernt einmal und wendet tausende Male an." Mit jedem neuen Input wird die künstliche Intelligenz schlauer und genauer. Zur Zeit wird sie mit Bilddaten aus verschiedenen Einsätzen gefüttert und trainiert. Dazu gehört beispielsweise auch: Flaschen aus den verschiedensten Richtungen und in den verschiedensten Größen im System zu hinterlegen – auch verschiedene Lichtverhältnisse werden simuliert.

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Ein Kilo Müll weg - für nur einen Euro

Ein weiterer Partner des Forschungsinstituts und des Maschinenbauunternehmens ist das Startup everwave aus Aachen. Auch sie setzen sich dafür ein die Gewässer von Müll zu befreien. Neuerdings auch durch Ausgleichszahlungen von Industriepartnern: Unternehmen können sogenannte Plastik-Credits kaufen und für einen Euro ein Kilo Müll aus den Gewässern holen lassen. „Wir wollen Menschen inspirieren und motivieren etwas zu verändern“, so Marcella Hansch, Gründerin von everwave. Zum Beispiel in Bosnien Herzegowina: Zwei Wochen lang ist ein Müllsammelboot an einem Staudamm im Einsatz und täglich werden so bis zu 25 Tonnen Müll gesammelt. Ein Problem in dem Land sind illegale Mülldeponien. Der Hausmüll wird oft einfach in der Natur entsorgt. Bei Regen und Fluten wird er dann in kleine Bäche und Seen gespült und landet letztendlich im Staudamm.

Aufklärung vor Ort ist entscheidend

Müll ist bei dem Startup everwave aber nicht einfach nur Müll. Es ist sogar entscheidend, herauszufinden, welche Teile besonders häufig vorkommen: „Wenn wir eine bestimmte Art von Flaschen besonders oft finden, dann können wir auf den Produzenten zugehen, auf die Kommune in der die Flasche oft genutzt wird und dann sagen: ihr müsst an eurer Müllproduktion, an eurem Produkt etwas ändern, an der Art und Weise wie ihr euren Müll entsorgt“, erklärt Clemens Feigl, der in Bosnien für everwave arbeitet.

Viele Länder brauchen Hilfe

Auch in Serbien kommt vor den Toren Belgrads ein Müllboot zum Einsatz. Der Fluss, eine Weiterführung der Donau, ist das am stärksten verschmutze Gewässer Europas und transportiert täglich rund 4000 Kilo Plastik ins schwarze Meer. In der Slowakei, an einem Nebenfluss der Donau, sammelt ebenfalls ein Boot jede Menge Hausmüll. Derzeit finden dort Gespräche mit örtlichen Umweltorganisationen und Lokalpolitikern statt. Ein Schlüsselproblem des weltweiten Müllproblems ist aber der asiatische Raum: „Zweidrittel des Mülls kommen über asiatische Flüsse in die Ozeane“, so Oliver Zielinski vom Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz. Analysen zufolge gibt es in Asien beispielsweise mehr Nahrungsmittelverpackungen. Teilweise wurden deswegen sogar die Gesetzgebung geändert: „In Kambodscha wurde das eintragen von Müll in die Umwelt verboten und es wurden auch Recyclingsysteme gestärkt und Einwegverpackungen zurückgenommen. Das heißt: per Gesetz wurde verboten Einwegverpackungen zu benutzen“, so Zielinski. (cgo/ ekl)