Erziehungsexpertin klärt auf

Öffentliche Bloßstellung als Bestrafung - was das mit Kindern macht

26. August 2021 - 10:21 Uhr

Fieser TikTok-Trend: Eltern stellen ihre Kinder an den Online-Pranger

Das eigene Kind demütigen vor der ganzen Welt, um es damit zu bestrafen? Das ist offenbar ein neuer, schrecklicher Erziehungstrend, der immer öfter auf TikTok beobachtet werden kann. Erst werden zum Beispiel Möbel und Spielzeug des Kindes vor die Tür gestellt, dem Kind wird befohlen sich reuig dazuzusetzen – und dann wird das Ganze auch noch gefilmt und ins Netz gestellt. Ist das wirklich eine angemessene Bestrafung für ein chaotisches Kinderzimmer?

Im Video zeigen wir Ihnen die krassesten Fälle von Eltern, die ihre Kinder an den Online-Pranger stellen.

Angemessen oder verstörend? Das sagt Erziehungsexpertin Ruth Marquardt

Familienberaterin Ruth Marquardt ist geschockt von dieser Art der Bestrafung. "Das sind keine Erziehungsmethoden, das sind Drillmethoden." Wenn Eltern auf solche Ideen kämen, spreche dies für die Ahnungs- und Hilflosigkeit der Erziehenden, so die Expertin. "Das sind Erziehungsmethoden aus dem letzten Jahrhundert."

Wie sollte ich reagieren, wenn mein Kind nicht hört?

Wie also können Eltern ein Zeichen setzen, wenn ihr Nachwuchs alles macht - nur nicht das, was es soll? "Erstmal einatmen und ausatmen und bis 23 zählen", rät Ruth Marquardt. Denn wenn Eltern mit Wut im Bauch handeln, so die Expertin, kämen dabei oft konfuse Bestrafungen heraus. Stattdessen in einem ruhigen Moment das Gespräch suchen und gemeinsam mit dem Kind herausfinden, was das rebellische Verhalten auslöst. Und wenn Ihnen doch mal der Geduldsfaden reißt und sie laut werden – alles kein Weltuntergang. "Menschen sind nicht perfekt", beruhigt die Expertin. Kinder freuten sich meist sogar, wenn ihre Eltern ehrlich zugeben, dass sie einen Fehler gemacht haben. "Und: Kinder sind nicht nachtragend." (xha, dhe)