Streit mit den Großeltern?

So setzen Eltern ihre Erziehungsregeln durch!

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9. Juli 2019 - 13:36 Uhr

von Lauren Ramoser

"Bei Oma darf ich das aber!" Viele Eltern kennen diese Diskussionen mit den eigenen Kindern. Nach einem Wochenende bei den Großeltern brauchen sie Wochen, um den Nachwuchs wieder von Süßigkeiten zu entwöhnen und die Bettzeit einzuhalten. Doch wie vermittelt man den eigenen Eltern und Schwiegereltern sein Erziehungskonzept? Die systemische Familienberaterin Ruth Marquardt gibt Tipps für ein erfolgreiches Gespräch.

Schlechtes Gewissen: Darf ich mein Kind überhaupt abgeben?

Den meisten Müttern fällt es nach der sehr intensiven Anfangszeit schwer, ihr Kind für ein paar Stunden abzugeben. Mit dem gewonnen Freiraum müssen sie zunächst wieder lernen umzugehen.

"Da ist auch manchmal ein Leistungsanspruch dran", sagt die systemische Familienberaterin Ruth Marquardt. "Das Kind ist das Wertvollste, das ich habe und ich möchte, dass es diesem Kind gutgeht." Mütter stehen unter einem hohen Druck, oft auch selbst gemacht, wie ihr Kind am besten betreut werden sollte. Da ist es schwierig, anderen zu vertrauen, auch wenn es die eigene Familie ist.

Warum wird meine Autorität untergraben?

Kaum ist diese emotionale Hürde überwunden, stellt sich das nächste Problem: Wie vermittle ich den Großeltern, Tanten und Schwiegereltern meine Erziehungsregeln? Auch wenn die selbst Kinder großgezogen haben, entwickeln Eltern für ihr eigenes Kind selbst Regeln und ein Erziehungskonzept.

Häufig gibt es Streit, wenn Eltern merken, dass ihre Regeln von den babysittenden Verwandten ignoriert werden. Wie lange darf das Kind aufbleiben? Was bekommt es zu essen? Wie lange darf es vor dem Fernseher sitzen?

Ruth Marquardt empfiehlt ein klärendes Gespräch. Ganz wichtig dabei: "Belehrungen beleidigen den Geist. Wenn ich also konkret sage: Du darfst auf keinen Fall…, dann verleitet das im Zweifel zu Widerstand", so die Familienberaterin.

So gelingt ein klärendes Gespräch mit den Babysittern:

  • Verständnis aufbringen für unterschiedliches Wertesystem
  • ​Nicht belehren, sondern gemeinsame Regeln festlegen
  • Entscheidungen begründen, statt nur zwanghaft durchzusetzen

Als gutes Argument empfiehlt die Expertin das gemeinsame Interesse am Wohl des Kindes. Also anstatt zu belehren, lieber sagen, dass man mit einer gemeinsamen Regelung nicht gegeneinander ausgespielt werden kann.

Geht es meinem Kind gut damit?

Ganz wichtig: Auch Eltern müssen in dieser Hinsicht ein bisschen entspannen. Die wichtigste Frage ist: Tut das meinem Kind gut? "Ansonsten profitieren die Kinder aber auch aus dieser Mischung und auch die Großeltern, durch diese Mischung Jung und Alt", erklärt Marquardt. "Und man muss sich da was Neues überlegen und die Kinder bekommen da ein anderes Werteverständnis mit. Bei Oma und Opa gibt es dann vielleicht auch kein Tablet, da gibt es vielleicht mehr Süßigkeiten."

Von unterschiedlichen Perspektiven und Wertevorstellungen kann das Kind durchaus profitieren. Das unterstützt die Entwicklung der Kinder. Und auch wenn es nicht immer den Anschein erweckt, die Kleinen können auf einer Gefühlseben durchaus unterscheiden, was sie bei wem dürfen. Um die finale Diskussion kommen Eltern wohl nicht herum. Ein klärendes Gespräch mit den Verwandten schafft aber möglichst wenig Reibung.