NSU 2.0-Gerichtsprozess startet

Anwältin Seda Basay-Yildiz: "Derjenige, der mich bedroht hat, wollte meine Tochter töten"

Seda Basay-Yildiz: Es war kein Einzeltäter NSU 2.0-Prozess beginnt
03:48 min
NSU 2.0-Prozess beginnt
Seda Basay-Yildiz: Es war kein Einzeltäter

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von Benjamin Holler und Hanna Dickert

Die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz vertrat Opfer des NSU, verteidigte Islamisten oder unterstützte die Angehörigen der Hanau-Opfer. Auch für ihren Einsatz erhielt die Anwältin Morddrohungen, die unter anderem den Tod ihrer kleinen Tochter ankündigten. Am Mittwoch steht ein Mann aus Berlin in Frankfurt vor Gericht, der die Schreiben verfasst haben soll. Doch handelte er alleine?

Seda Basay-Yildiz: "Der wollte meine Tochter töten"

ARCHIV - 16.07.2018, Hessen, Frankfurt/Main: Seda Basay-Yildiz, Rechtsanwältin, steht in ihrem Büro. (zu dpa «Anwältin erwägt Verdoppelung von Belohnung bei NSU-2.0.-Ermittlungen») Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Anwältin Seda Basay-Yildiz in ihrer Kanzlei im Frankfurter Gallusviertel.
brx rho ade kno jai rho hjb, dpa, Boris Roessler

Seda Basay-Yildiz vertritt als Anwältin Islamisten und hat bereits des Öfteren scharfe Kritik bekommen. Doch im Jahr 2018 erreichte sie erstmals ein Fax mit persönlichen Daten und einer Morddrohung: "Derjenige, der mich bedroht hat, der wollte meine Tochter töten und er hatte meine Adresse. Das fühlt sich so real an." Die Drohungen waren immer mit „NSU 2.0“ unterzeichnet. Eine Anspielungen auf die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU).

Polizistin einer rechtsextremen Whatsapp-Gruppe

1. Polizeirevier Frankfurt - NSU 2.0
Im 1. Polizeirevier auf der Zeil in Frankfurt wurden sensible Daten von Seda Basay-Yildiz abgerufen - ohne aktuellen Anlass. Kurz darauf kam das erste NSU 2.0-Drohschreiben.
Benjamin Holler, rtl.de

Kurz vor dem ersten Fax wurden Basay-Yildiz’ Daten im 1. Frankfurter Polizeirevier abgerufen. Innerhalb weniger Minuten gab es bereits 17 Abfragen in unterschiedlichen Datenbanken: Geburtstage von Basay-Yildiz´ Eltern und mögliche Ermittlungsverfahren. Aktuell gibt es die Theorie, dass die Polizei auf den Angeklagten aus Berlin hereingefallen ist, demnach solle er sich als Kollege ausgegeben und private Daten per Telefonanruf erfragt haben. Die Daten waren aber so umfangreich, dass sie nicht innerhalb eines Telefonats hätten ausgetauscht werden können, glaubt Basay-Yildiz.

Doch wer fragte die privaten Daten von Basy-Yildiz ab? Die ID gehörte einer Beamtin an, die Teil einer rechtsextremen Whatsapp-Chatgruppe war. Das Landeskriminalamt empfahl der Anwältin, ihr Haus besser abzusichern. Die Kosten hierfür betrugen mehrere tausend Euro. "Meine Daten wurden im ersten Revier abgerufen und in der Welt verteilt, wer übernimmt denn hier die Verantwortung? Beuth hat geantwortet, dass ihm das unendlich leid tue, aber das sei mein Privatproblem", so Basay-Yildiz. Der Innenminister setzt zwar mit Hanspeter Mener einen Sonderermittler ein, doch einige Empfänger der Drohschreiben fühlten sich von Beuth nicht ernst genommen.

Ist die Polizei wirklich auf einen "Enkeltrick" hereingefallen?

Bereits nach den ersten Drohschreiben baute sich ein so großer Druck auf, dass die Anwältin überlegte, ob sie nicht ihren Job oder zumindest ihren Schwerpunkt als Anwältin wechseln sollte. Doch im Mai vergangenen Jahres konnte der Mann aus Berlin gefasst werden. Er gilt als Hauptverdächtiger, der die Polizei per Telefonanruf hintergangen haben soll.

VIDEO-TIPP: Eine Schachplattform verriet den mutmaßlichen NSU 2.0-Täter

Seda Basay-Yildiz glaubt dieser Theorie aber nicht: "Der hessische Innenminister sagte, es war ein Beamter, der im 1. Revier von dem Anrufer übertölpelt wurde. Die Beamten dort haben auch alle nicht gesagt, dass es einen solchen Anruf gab."

Kurz vor Beginn des Prozesses bittet die Anwältin erneut um vollständige Aufklärung: „Es ist ein Skandal, dass die Ermittlungen gegen einen vermeintlichen Einzeltäter geführt wurden.“

Waren rechtsextreme Polizisten schuld?

Für die Frankfurter Anwältin ist der Fall längst nicht abgeschlossen: „Es gibt zwingende Hinweise auf gezielte Datenweitergabe aus Polizeikreisen.“ Mit dem Prozess hofft sie, dass auch die Hintergründe aufgeklärt werden und festgestellt werden kann, ob möglicherweise rechtsextreme Polizisten an den Drohschreiben beteiligt waren.

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