Das sagt der Experte

Nasennebenhöhlen mit einfachem Handgriff befreien - funktioniert das wirklich?

So kriegen Sie Ihre Nebenhöhlen frei Gesundheits-Hack vom Arzt
01:18 min
Gesundheits-Hack vom Arzt
So kriegen Sie Ihre Nebenhöhlen frei

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von Vera Dünnwald

Die Temperaturen werden niedriger, die Zahl der Krankheitsfälle steigt. Wer schon bei einer Schnupfnase die Krise kriegt, der kann froh sein, dass er noch keine Nasennebenhöhlenentzündung hatte. Denn diese Infektionskrankheit, die in der Regel durch Viren – selten auch durch Bakterien – ausgelöst wird, ist nicht nur nervig – sondern auch ziemlich schmerzhaft. Umso schöner wäre es doch, wenn man die Nebenhöhlen im Handumdrehen befreien könnte? Auf seinem YouTube-Kanal zeigt Dr. Alan Mandell, wie ein kleiner Handgriff dabei helfen soll, die Nebenhöhlen wieder zu befreien. Aber geht das wirklich so leicht? Wir haben Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht gefragt.

Den Life-Hack von Dr. Alan Mandell sehen Sie im Video.

YouTube-Trick: Wärme und mechanische Bewegung soll Sekret wieder verflüssigen

Dr. Christoph Specht - Allgemeinmediziner und Medizinjournalist
Dr. Christoph Specht erklärt, wieso der Life-Hack zwar Sinn macht, aber keine Wunderheilung verspricht.
Moritz Jansen, photoMo

Die Nasennebenhöhlenentzündung, auch Sinusitis genannt, zählt zu den häufigsten Erkrankungen im mitteleuropäischen Raum. Pro Jahr erkranken ein bis fünf Prozent aller Erwachsenen daran. Auch wenn die Krankheit, die so gut wie immer mit einer Nasenschleimhautentzündung (Rhinitis) einhergeht, in der Regel komplikationslos verläuft: Wenn die Schleimhäute und die einzelnen Nasennebenhöhlen entzündet sind, ist das für Betroffene wenig spaßig. Sie plagen sich dann meist mit Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen und sogar Fieber herum. Hinzu kommt eine vermehrte Ansammlung von Schleim im Nasen-Rachen-Raum.

Kann also der vom YouTube-Arzt gezeigte Trick Abhilfe schaffen? Dr. Specht sagt: „Ganz generell kann man sagen, dass es da tausend Tipps und Griffe zu gibt. Und wie immer – wenn es etwas so häufig gibt – ist das ein starker Hinweis dafür, dass das Wahre noch nicht gefunden wurde.“ Klingt zunächst ernüchternd. Aber: „Manchmal ist es möglich, dass solche Griffe funktionieren.“ Der Mediziner erklärt, warum: „Die Idee dahinter ist, dass auf der Haut, da wo der Schnodder liegt, herumgerieben wird, wodurch Wärme erzeugt wird. In Kombination mit der mechanischen Bewegung soll das Sekret mobilisiert werden, sodass es sich verflüssigt und wieder ab- beziehungsweise zurückfließen kann. Ob das jedoch immer zu einem tollen Erfolg führt – da wäre ich vorsichtig.“

Es hänge immer vom jeweiligen Krankheitsstadium ab: Wendet man den Trick zu Beginn der Krankheit an? Oder erst gegen Ende? Wie ist die Sekretbeschaffenheit? „Das kann ganz unterschiedlich sein. Das kann bei derselben Person morgens super funktionieren – und abends schon wieder nicht mehr.“

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Dr. Specht: "Kann funktionieren, muss aber nicht"

Außerdem müsse man aufpassen, dass man nichts falsch macht. Denn dann könne das Sekret in die andere Richtung, zurück in die Höhlen wandern. Zudem, so sagt Dr. Specht, spiele auch der Placebo-Effekt und die Psychoneuroimmonologie, dass man daran glaubt, dass etwas funktionieren wird, eine große Rolle: „Im Endeffekt ist es ja so: Die Betroffenen ärgern sich über ihre Symptome, wollen irgendetwas tun, kriegen dann etwas Leichtes an die Hand, was sie gerne annehmen und probieren das aus. Wenn dann ein begrenzter Effekt erzielt werden kann, freuen sie sich.“

Besser sei es, einen Arzt aufzusuchen. „Eigentlich würde man gar nicht großartig viel dagegen unternehmen. Aber Nasenspülungen und Nasentropfen können für eine Linderung sorgen.“ Bei einer Nasennebenhöhlenentzündung ist es so, dass die kleinen Blutgefäße in der Nase verengt sind. „Wenn wir Schnupfen haben, ist es ja nicht nur der Schleim und der Schnodder, der uns zu schaffen macht, sondern eigentlich sind die weitgestellten Gefäße das Problem. Sie sorgen für die Entzündung und dafür, dass eine Schwellung entsteht. Diese verengt die Nasenräume und wir kriegen schlecht Luft.“

Nasentropfen, so erklärt Dr. Specht, seien eine gute Möglichkeit, dass die Nase wieder abschwillt und wieder frei wird. Weil die Sinusitis in den meisten Fällen viral bedingt ist, ist eine Gabe von Antibiotika üblicherweise nicht sinnvoll. (mas)