Tierschützer fordern artgerechte Unterbringung

Nach Brand im Krefelder Zoo: Schimpansen leben immer noch in provisorischem Gehege

Die Schimpansen Bally und Limbo überlebten den Brand im Krefelder Zoo.
Die Schimpansen Bally und Limbo überlebten den Brand im Krefelder Zoo.
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09. Juni 2021 - 22:06 Uhr

Streit um Zoo-Schimpansen in Krefeld

In der Silvesternacht 2019 brannte das Affenhaus des Krefelder Zoos fast vollständig nieder. Über 50 Tiere kamen im Flammeninferno ums Leben, unter ihnen acht Menschenaffen. Ausgelöst wurde das Feuer durch eine in Deutschland verbotene Himmelslaterne. Wie durch ein Wunder überlebten zwei Schimpansen die Tragödie. 16 Monate später gibt es nun Streit über die Unterbringung der Affen.

Nach dem Brand leben die Schimpansen ohne Außengehege

Zwei Schlafboxen, ein fensterloser, etwa 42 Quadratmeter großer Raum und kein Zugang zu einem Außengehege. So leben Bally (46) und Limbo (27), die einzigen Überlebenden der verheerenden Brandkatastrophe im Krefelder Zoo seit 16 Monaten. Tierschützer sprechen von einer "Besenkammer" oder einem "Bunkerraum" und fordern eine artgerechte Unterbringung der Schimpansen.

Tierschützer fordern Verlegung der Schimpansen

Für die Tierschützer hält diese Zwischenlösung schon viel zu lange an. Bereits im Sommer 2020 wurde erste Kritik an der Unterbringung der Menschenaffen in einer Minizelle geäußert. Aus ihrer Sicht verstößt der Krefelder Zoo gegen die Mindestanforderungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums an die Haltung von Säugetieren. Die Tierrechtler fordern, dass Bally und Limbo umgehend in einen anderen Zoo mit artgerechter Haltung gebracht werden. Unterstützt wird die Forderung von der bekannten Affenforscherin Jane Godell, die in einer Stellungnahme die Verlegung der Schimpansen befürwortet.

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Krefelder Zoo weist Vorwürfe zurück

In einer aktuellen Stellungnahme weist der Krefelder Zoo die Vorwürfe zurück. Nachdem die geplante Verlegung von Bally und Limbo in einen dänischen Zoo aus organisatorischen Gründen nicht zu Stande kommen konnte, würden die beiden Schimpansen nun doch langfristig in Krefeld bleiben. In Abstimmung mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) sei dies gegenwärtig die beste Lösung. Anfang des Jahres hätten zudem zwei Gutachten vom "Jane Goodall Institut Global" und vom Veterinäramt Krefeld bescheinigt, dass die beiden Affen sowohl psychisch als physisch in sehr gutem Zustand seien. Die Tierquälerei-Vorwürfe seien damit widerlegt.

Neues Affenhaus im Krefelder Zoo geplant

In Krefeld plant man den Bau eines modernen Affenhauses, in dem Bally und Limbo ihr neues Zuhause erhalten sollen. Für das "Artenschutzzentrums Affenpark" fehlt aber noch die nötige Finanzierung. Bis es soweit ist, soll für die beiden Schimpansen zumindest einen Zugang zu einem improvisierten Außengehege bekommen.

Damit wollen sich die Tierschützer aber nicht abfinden. Sie haben den Zoo und die Stadt Krefeld als Haupteigentümerin wegen tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen verklagt. Noch ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall. Von der Auseinandersetzung zwischen den Tierschützern und dem Krefelder Zoo bekommen Bally und Limbo natürlich nichts mit. Gerade der 46-jährigen Bally wäre es zu wünschen, dass aus dem Provisorium schnell ein lebenswertes Heim wird. In Gefangenschaft lebende Schimpansen werden im Schnitt 50 Jahre alt. (rra)