Norwegen: Terrorist tötete mit Pfeil und Bogen

Bogenschützen-Experte: Täter von Kongsberg muss Schießen trainiert haben

15. Oktober 2021 - 15:44 Uhr

Däne (37) tötete vier Frauen und einen Mann

Aus der Ferne hat ein 37-Jähriger in Norwegen am Mittwochabend mit Pfeil und Bogen in dem Ort Kongsberg auf Menschen geschossen. Fünf Menschen starben bei dem von den Behörden als Terrorakt eingestuften Angriff, zwei liegen verletzt im Krankenhaus. RTL hat mit einem Experten gesprochen, der sicher ist: Der mutmaßliche Täter von Kongsberg kann kein Laie gewesen sein.

Präsident des Deutschen Bogensport-Verbandes: Abschuss mit dem Bogen ist komplex

Karl Jungblut ist Präsident des Deutschen Bogensport-Verbandes. Der Experte erklärt im RTL-Interview, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter nicht um einen Laien gehandelt haben kann. Denn um mit Pfeil und Bogen tatsächlich töten zu können, bedürfe es langer Übung.

Karl Jungblut betont im Interview, wie erschüttert er über die als Terrorakt eingestufte Tat sei. Gleichzeitig sei er verwundert. "Der Ablauf eines Schusses mit dem Bogen ist ein sehr komplexer, weil der gesamte Körper gefordert wird. Deswegen bedarf es eigentlich einer relativ langen Übung, bis man überhaupt mal ein Ziel in Größe eines Menschen trifft."

Zunächst brauche man viel Kraft um einen Pfeil zu spannen, aber auch danach könne man vor dem Abschuss noch so viele Fehler machen. Der Sportschütze betont, dass im Bogensport nicht etwa solche Bögen und Pfeile benutzt würden wie die, welche man aus dem Urlaub kenne. Die Laien-Pfeile seien viel leichter zu spannen, damit könne aber auch kein großer Schaden angerichtet werden.

Was wir über den Terrorakt wissen - im Video!

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Jungblut: Täter muss genau getroffen haben

Die Bögen, die "Könner" benutzen, brauchen, um einen Pfeil zu spannen, mindestens das doppelte an Zugkraft. Darauf müsse auch der Körper trainiert sein.

Außerdem sei es laut dem Präsidenten des Deutschen Bogensport-Verbandes außergewöhnlich, dass so viele Menschen bei der Tat in Kongsberg mit Pfeil und Bogen, lebensgefährlich verletzt wurden. Jungblut: "Ein Pfeil in einem Körper ist nicht gleich tödlich. Wie viele Pfeile muss der abgefeuert haben, dass Menschen tot sind? Der (mutmaßliche Täter) muss schon sehr genau getroffen haben, sodass fünf Menschen ums Leben gekommen sind." Ein Pfeil in einer Schulter oder im Bauch, müsse laut Experten kein Todesurteil bedeuten. Da müsse man schon viel präziser schießen, vor allem aus einer gewissen Entfernung. Ein Pfeil sei außerdem im Vergleich zu einer Kugel aus einer Pistole langsamer. Gerade wenn Menschen in Bewegung sind, bedarf es eines Jagdtrainings bevor es möglich sei, sicher zu treffen.

Und dennoch sind in Kongsberg vier Frauen und ein Mann ums Leben gekommen, zwei Verletzte befinden sich noch im Krankenhaus. Der mutmaßliche Täter ist ein 37-jähriger Däne, der laut Polizei zunächst zum Islam konvertiert sein soll und sich dann radikalisiert habe. Zu dem Motiv der Tat wird zur Zeit ermittelt. Klar ist, dass es sich hier um einen Terrorakt gehandelt habe, so der norwegische Geheimdienst. (mca)