Tod bei Motorrad-Fahrprüfung

Unfallexperte: Wäre das Auto nicht zu schnell gefahren, wäre wohl nichts passiert

23. Juli 2020 - 10:59 Uhr

"Wenn man sich an die vorgegebene Geschwindigkeit hält, passiert auch nichts"

Der tragische Tod von Phillip B. erschüttert viele Menschen, nicht nur seine Familie und seine Freunde sind fassungslos. Der 24-Jährige starb bei einem Motorradunfall nahe Sinsheim (Baden-Württemberg), ausgerechnet bei seiner Fahrprüfung. Hätte der Unfall verhindert werden können? Was Jürgen Wolf, Experte für Unfallrekonstruktion, dazu sagt – in unserem Video.

Vier mögliche Gründe, warum der Autofahrer die Kontrolle verlor

Unfallexperte Jürgen Wolf
Unfallexperte Jürgen Wolf hat sich die Unfallstelle angesehen.

Wolf ist Diplom-Ingenieur und Kfz-Sachverständiger. Er hat sich die Unfallstelle genau angesehen. Seiner Ansicht nach ist die Strecke sicher. "Wenn man sich an die vorgegebene Geschwindigkeit hält, passiert auch nichts. Dann dürfte so ein schrecklicher Unfall hier überhaupt nicht entstehen", sagt er unmissverständlich.

Er nennt vier mögliche Gründe dafür, dass der Mercedesfahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und in den Gegenverkehr krachte.

  • Es könnte sein, dass er zu schnell war
  • Es könnte sein, dass er abgefahrene Reifen hatte
  • Es könnte sein, dass - je nachdem, wann der Regen begonnen hatte - die Fahrbahn schmierig war
  • Es könnte sein, dass er durch "ein elektronisches Bauteil" in seinem Fahrzeug abgelenkt war, mit dem er eventuell hantiert hat. Deswegen könnte der Fahrer zu spät reagiert und die Kontrolle verloren haben

Geschwindigkeitsbegrenzung an Unfallstelle völlig ausreichend

Unfallstelle
Ein kleines Holzkreuz an der Unfallstelle erinnert an das furchtbare Geschehen.

Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 Stundenkilometern an der Unfallstelle hält Wolf für absolut angemessen und ausreichend. Er glaubt: "Viele Menschen können sich nichts unter der Geschwindigkeit vorstellen und von der Energie, die frei wird, wenn ich nur zehn oder zwanzig Kilometer schneller fahre."

Das kann schlimme Konsequenzen haben: "Drei Sekunden aufs Handy geguckt, schon haben sie bei 60 Stundenkilometern 48 Meter zurückgelegt. Eine Strecke, die gigantisch ist, da können erhebliche Fahrfehler entstehen", sagt er.

Wer trägt also die Schuld an dem Unfall? Wolf sagt: "Von der Situation ausgehend, wie sie mir bisher bekannt ist, würde ich eindeutig sagen, es lag am Pkw. Ein Motorradfahrer kann die Fehler des Autofahrers nicht ausbügeln und er hat leider auch keine Knautschzone."

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Fahrschüler, Fahrlehrer und Fahrprüfer ohne Chance

Auch das Wetter - die Fahrbahn war zum Zeitpunkt des Unfalls regennass – sieht der Fachmann eher zweitrangig. "Wenn der Pkw zu schnell ist, wäre er auch bei Trockenheit passiert." Weder Phillip noch der Fahrlehrer und der Fahrprüfer hätten den Unfall verhindern können, sie hatten schlichtweg "keine Chance, etwas zu machen."

Wolfs Fazit: "Es geht nur um den einen, der ins Schleudern geraten ist. Wenn der sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten hätte, wäre vermutlich nichts passiert. Vorausgesetzt, sein Fahrzeug ist technisch in Ordnung."