Anissa Weier sollte eigentlich noch 22 Jahre in geschlossener Anstalt verbringen

Morden für Horrorfigur 'Slenderman': Messerstecherin (19) kommt frei

14. September 2021 - 16:57 Uhr

Sie war 12, als sie wie von Sinnen auf eine Freundin einstach

Anissa Weier ist gerade einmal zwölf Jahre alt, als sie 2014 gemeinsam mit ihrer Freundin eine Klassenkameradin in einen Wald lockt und versucht, sie mit 19 Messerstichen zu töten. Die beiden Mädchen aus dem US-Bundesstaat Wisconsin waren wie im Wahn in die Welt der Internet-Horrorfigur 'Slenderman' abgetaucht und hatten versucht, mit der Tat seine Dienerinnen zu werden. Weier wird zu 25 Jahren Psychiatrie verurteilt, hätte dort bleiben müssen, bis sie 37 Jahre alt ist. Jetzt kommt sie frei.

Anissa Weier muss bei ihrem Vater leben

Anissa Weier
Anissa Weier beim Prozess im Jahr 2017.
© picture alliance/AP Photo, Morry Gash, MG

Nach vier Jahren darf Weier das Winnebago Mental Health Institute in Oshkosh am 13. September verlassen, berichtet "People". Die junge Frau muss dem Bericht zufolge bei ihrem Vater leben, wird rund um die Uhr via GPS überwacht und weiterhin psychiatrisch behandelt. Das Internet darf sie nur im Haus ihres Vaters nutzen, die Justizbehörde überwacht die Nutzung.

Weier hatte in einem Brief darum gebeten, früher freigelassen zu werden. Sie wisse, dass sie mit ihrer Behandlung fertig sei, heißt es darin. "Ich sage, dass ich alle mir am Winnebago Mental Health Institute zur Verfügung stehenden Ressourcen genutzt habe. Wenn ich ein produktives Mitglied der Gesellschaft werden will, muss ich ein Teil der Gesellschaft sein." Ihre Verteidigerin Maura McMahon argumentiert: "Die Experten sagen, sie sei keine Gefahr für die Gesellschaft." Sie habe sich in Behandlung begeben, alles getan, was man von ihr verlangt hat, so die Anwältin. Weier habe in der Haft die Highschool abgeschlossen und unzählige Therapiestunden gehabt. Die Staatsanwaltschaft dagegen sagte, Weier sei noch immer eine Gefahr für andere, ihr Verstand sei "noch unreif" und "anfällig für gefährliche Einflüsse".

Horrorfigur 'Slenderman' auf Kinderjagd

Morgan Geyser bei Prozess
Mittäterin Morgan Geyser wurde zu 40 Jahren in der geschlossene Anstalt verurteilt
© picture alliance/AP Photo, Michael Sears, PH

Die Tat hatte weltweit Schlagzeilen gemacht: Anissa und ihre Freundin Morgan Geyser lockten ihre Freundin Payton Leutner im Sommer 2014 in ein Waldstück im Waukesha. Dort attackierten sie die gleichaltrige Freundin wie von Sinnen mit einem Küchenmesser. 19 Mal stachen die Mädchen auf sie ein. Alles nur, um der erfundenen Internetfigur 'Slenderman' zu gefallen – einem großen, schwarz gekleideten Wesen ohne Gesicht mit unnatürlich langen Armen. Im Internet finden sich zahllose Bilder, Videos und Geschichten über ihn. Er soll Kinder in Wäldern oder Parkanlagen entführen, sie zu grausamen Taten zwingen oder sie töten.

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Payton Leutner überlebte den Mordversuch
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Nach der Tat überließen sie ihr blutüberströmtes Opfer sich selbst – in dem Glauben Payton sei tot. Doch sie überlebte. Nur mit viel Glück – und weil ein Radfahrer das schwer verletzte Mädchen fand. "Sie sagten zu mir, sie wollten spazierengehen, ich habe mir damals nicht viel dabei gedacht, ich meine, wir lebten in Waukesha, da passieren doch keine schlimmen Dinge", erzählt Payton später. "Es hat mich total geschockt zu erfahren, dass sie diesen großen Plan über Monate geschmiedet haben."

Anissa hatte im Prozess gesagt, sie hätte die Tat begehen müssen, um den Anforderungen des 'Slenderman' nachzukommen und um zu verhindern, dass er ihre Familie angreife. Mittäterin Morgan Geyser wurde zu 40 Jahren in der geschlossenen Anstalt verurteilt. (mst)