Beim Prozess in Köln

Missbrauch in katholischer Kirche: Angeklagter Priester im Gerichtssaal verhaftet

Missbrauchsprozess in Köln
Demonstranten stehen anlässlich des Missbrauchsprozesses vor dem Landgericht hinter einem Banner mit der Aufschrift "Missbrauch aufklären".
obe alf, dpa, Oliver Berg

Im laufenden Missbrauchsprozess gegen einen katholischen Priester in Köln ist der Angeklagte überraschend im Gerichtssaal verhaftet worden. Gegen den 70-Jährigen sei am Donnerstag Haftbefehl erlassen worden, nach der Sitzung sei er dann unverzüglich ins Gefängnis gebracht worden, teilte ein Sprecher des Landgerichts am Freitag mit. Als Haftgrund habe die zuständige Kammer Wiederholungsgefahr genannt. Zuvor hatten Medien berichtet.

Katholischer Priester wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt

Der Priester steht seit November wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht und saß bislang nicht in Untersuchungshaft. Er ist angeklagt, weil er in den 90er-Jahren seine drei Nichten und 2011 ein elfjähriges Mädchen missbraucht haben soll. Im Laufe des Prozesses meldeten sich weitere mutmaßliche Opfer, die dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Gericht als Zeugen aussagten. Dabei habe eine Zeugin von Übergriffen noch im Jahr 2019 berichtet.

"Aufgrund der Vielzahl möglicher Übergriffe, die zudem nunmehr teilweise auch aus der jüngeren Vergangenheit stammen könnten, hat die Kammer in ihrem Beschluss den Haftgrund der Wiederholungsgefahr bejaht", erklärte der Gerichtssprecher.

Video: Betroffener schildert Missbrauch in der katholischen Kirche

Betroffener schildert Missbrauch in der katholischen Kirche
01:46 min
Betroffener schildert Missbrauch in der katholischen Kirche

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Hamburger Erzbischof als Zeuge im Missbrauchsprozess vernommen

Über eine Anklage wegen der neuen Vorwürfe sei noch nicht entschieden. Falls es dazu kommt, könnte sie mit einer sogenannten Nachtragsanklage in das laufende Verfahren einbezogen werden, sagte der Sprecher.

Die Kammer hatte in dem Prozess auch den Hamburger Erzbischof Stefan Heße als Zeugen vernommen. Er war früher Personalchef im Kölner Erzbistum und mit dem Fall des Angeklagten befasst, als dieser 2010 von einer seiner Nichten schon einmal angezeigt worden war. (dpa/bst)

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