Vor allem Jungen zwischen 10 und 13 Jahren

216.000 Kinder in katholischer Kirche in Frankreich missbraucht

Hunderttausende Kinder und Jugendliche sind in der katholischen Kirche in Frankreich Opfer von sexuellem Missbrauch geworden (Symbolbild).
Hunderttausende Kinder und Jugendliche sind in der katholischen Kirche in Frankreich Opfer von sexuellem Missbrauch geworden (Symbolbild).
© dpa, Luca Bruno, LB esz fgj wst

08. Oktober 2021 - 10:44 Uhr

Frankreich: Sexueller Missbrauch in katholischer Kirche

Nach Hochrechnungen einer Untersuchungskommission sind in der katholischen Kirche in Frankreich seit den 50er-Jahren 216.000 Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch geworden. Unter Einbeziehung der von der Kirche betriebenen Einrichtungen werde von 330.000 Opfern ausgegangen, sagte der Präsident der Unabhängigen Missbrauchskommission in der Kirche (CIASE), Jean-Marc Sauvé. 80 Prozent der Opfer seien Jungen im Alter zwischen zehn und 13 Jahren gewesen, 20 Prozent Mädchen unterschiedlicher Altersgruppen. Bei den Taten habe es sich in fast einem Drittel der Fälle um Vergewaltigungen gehandelt.

Nonnen missbrauchten Kinder mit Kruzifixen

Laut einem Bericht der britischen Zeitung "Daily Mail" benutzten Nonnen jahrzehntelang Kruzifixe, um kleine Mädchen zu vergewaltigen. Auch Jungen sollen sie auf diese Weise Gewalt angetan haben.

"Die Zahlen sind erschütternd und können nicht folgenlos bleiben", sagte der Kommissionspräsident. Die Opfer hätten Leiden, Isolation und oft auch Scham und Schuldgefühle erlitten. Knapp die Hälfte von ihnen litten auch nach vielen Jahren noch unter den Folgen. Für knapp zwei Drittel der Missbrauchsfälle waren nach der Studie Geistliche und für die übrigen Beschäftigte der Kirche verantwortlich. 2.900 bis 3.200 Geistliche wurden seit 1950 als Täter identifiziert. Nach Familie und Freundeskreis sei die katholische Kirche in Frankreich der Ort mit dem höchsten Missbrauchsrisiko, so die Studie.

Papst Franziskus spricht Opfern seine Trauer aus

Papst Franziskus äußert sich zu Missbrauchsskandal in Frankreich
Papst Franziskus während seiner wöchentlichen Generalaudienz im Vatikan.
© dpa, Alessandra Tarantino, AJM aju

Papst Franziskus zeigte sich betroffen vom Ergebnis der Studie. "Das ist ein Moment der Schande", sagte er bei einer Generalaudienz im Vatikan am Mittwoch. Er sprach "den Opfern meine Trauer und meinen Schmerz aus für das Trauma, das sie erlitten haben. Aber auch meine Scham, die Scham von uns allen, meine Scham". Franziskus forderte die Bischöfe und Kirchenverantwortlichen in Frankreich dazu auf, alles zu unternehmen, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen und "damit die Kirche wieder ein sicheres Zuhause wird für alle".

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Französische Bischofskonferenz kündigt Konsequenzen an

Der Gründer des Opferverbandes "La Parole Libérée", François Devaux, mahnte die Kirche bei der Vorstellung des in Frankreich mit Spannung erwarteten Berichts: "Sie müssen für alle diese Verbrechen bezahlen." Dabei werde es um Milliardensummen gehen.

Die französische Bischofskonferenz kündigte Konsequenzen an. "Angesichts so vieler zerrütteter, oft zerstörter Leben schämen wir uns und sind entrüstet", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Éric de Moulins-Beaufort. Man werde alle erforderlichen Schritte einleiten, damit sich ein solcher Skandal nicht wiederhole. Auf der Sitzung der Kirchengremien im November sollten Maßnahmen getroffen werden.

Eckiger Tisch fordert unabhängige Untersuchungen

Der deutsche Verband von Opfern kirchlichen Missbrauchs, Eckiger Tisch e.V., betonte die Bedeutung unabhängiger Untersuchungen wie nun in Frankreich. "Das fehlt uns in Deutschland dank des hinhaltenden Widerstands der deutschen Kirchen immer noch – auch elf Jahre nach dem Missbrauchsskandal", sagte Verbandssprecher Matthias Katsch. Die Politik habe es zu lange laufen lassen, es fehle eine mutige Aufarbeitung der Ergebnisse deutscher Missbrauchsstudien. (dpa/bst)