Drastische Worte von Medizinethiker Wolfram Henn

Impf-Verweigerer sollen auf Intensivbett und Beatmungsgerät verzichten

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte am Freitag bekanntgegeben, wer bei den Corona-Impfungen zuerst zum Zug kommen soll.
Gesundheitsminister Jens Spahn hatte am Freitag bekanntgegeben, wer bei den Corona-Impfungen zuerst zum Zug kommen soll.
© dpa, Jens Büttner, jbu wst

21. Dezember 2020 - 16:58 Uhr

Drastischer Vorschlag von Medizinethiker Wolfram Henn

Mit dem Impfstoff wachse die Hoffnung auf den Durchbruch im Kampf gegen das Coronavirus, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor wenigen Tagen. Schon am 27. Dezember könnte das Impfen in Deutschland und vielen anderen EU-Ländern losgehen. Doch die Skepsis bei vielen Bürgerinnen und Bürgern ist groß, wie aktuelle Umfragen zeigen. Vor allem aus Sorge vor möglichen Nebenwirkungen. Nun wendet sich Medizinethiker Wolfram Henn mit einem Brandbrief an diejenigen, die sich nicht impfen wollen.

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Drastischer Appell an Impfgegner

"Wer partout das Impfen verweigern will, der sollte, bitte schön, auch ständig ein Dokument bei sich tragen mit der Aufschrift: 'Ich will nicht geimpft werden! Ich will den Schutz vor der Krankheit anderen überlassen! Ich will, wenn ich krank werde, mein Intensivbett und mein Beatmungsgerät anderen überlassen'", zitierte die "Bild"-Zeitung aus dem Brief des Humangenetikers und Mitglied des Ethikrats des Bundesregierung an Impfverweigerer.

Eine Impfpflicht schließt Henn allerdings aus. "Auch weil viele noch skeptisch sind und Fragen haben. Das ist verständlich. ABER: Bitte stellen Sie diese Fragen an Menschen, die sich wirklich auskennen", so Hann. Vorurteilen gegenüber dem schnell entwickelten Impfstoff widerspricht er deutlich: "Forscher weltweit haben mit riesigem Aufwand das Tempo erhöht, aber nicht auf Kosten der Sicherheit."

Der Professor der Universität des Saarlandes richtet zudem einen Appell an Verschwörungstheoretiker und Impfgegner: "Diesen Panikmachern empfehle ich dringend, mal ins nächste Krankenhaus zu gehen und ihre Verschwörungstheorien den Ärzten und Pflegern zu präsentieren, die gerade völlig ausgepowert von der überfüllten Intensivstation kommen."

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Gesundheitsminister Jens Spahn hatte am Freitag bekanntgegeben, wer bei den Corona-Impfungen zuerst zum Zug kommen soll. Die "höchste" Priorität in Gruppe 1 hat neben über 80-Jährigen, Personal und Bewohnern in Pflegeheimen auch Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko, etwa in Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten. Zur Gruppe 2 gehören über 70-Jährige und unter anderem Menschen mit Demenz oder einer geistigen Behinderung. Zur Gruppe 3 gehören über 60-Jährige und Menschen mit Erkrankungen wie Krebs oder Diabetes. Hierzu zählen etwa auch Polizei, Feuerwehr, Personal im Lebensmitteleinzelhandel, Erzieherinnen und Lehrkräfte. Da zu Beginn nicht ausreichend Impfdosen vorhanden sein werden, ist die Priorisierung nötig.

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