Mutter von Gina (†18): "Wünsche mir, dass er ins Gefängnis geht"

McLaren-Totraser hält Bewährungsstrafe für zu hart: Berufungsprozess vor dem Landgericht Essen

Gina (18) starb beim Unfall im McLaren-Sportwagen, der Fahrer wurde in Essen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und legte Berufung ein.
Gina (18) starb beim Unfall im McLaren-Sportwagen, der Fahrer wurde in Essen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und legte Berufung ein.
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18. März 2021 - 8:48 Uhr

Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung

Gina (†18) starb, weil ihr Bekannter (25) sein PS-Geschoss nicht unter Kontrolle hatte. Im März 2019 raste er im McLaren-Sportwagen mit bis zu 314 Stundenkilometern über die A52 und krachte gegen einen Baum. Gina saß angeschnallt auf dem Beifahrersitz, wurde trotzdem herausgeschleudert und verlor ihr Leben. Das Amtsgericht Essen verurteilte den Totraser wegen fahrlässiger Tötung zu 14 Monaten auf Bewährung und 25.000 Euro Geldstrafe. Ganz entschieden zu viel, fand der Millionärssohn und ging in Berufung. Jetzt traf er vor Gericht wieder auf Ginas Mutter.

Berufungsprozess belastet Ginas Angehörige

"Seit ich die Ladung bekommen habe, habe ich kaum noch eine ruhige Minute gehabt. Tag und Nacht denke ich daran, es verfolgt mich bis in den Traum", sagt Claudia Pfeiffer. Ginas Mutter steht vor der Verhandlung im Essener Landgericht. "Ich kann damit nicht abschließen, durch den erneuten Prozess sowieso nicht."

Tränen-Entschuldigung nicht ernst gemeint?

Ginas Mutter Claudia Pfeiffer wünscht sich für den McLaren-Totraser eine höhere Strafe.
Ginas Mutter Claudia Pfeiffer wünscht sich für den McLaren-Totraser eine höhere Strafe.
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Sie kannte den Bekannten ihrer Tochter nicht, sah ihn beim Gerichtsprozess in erster Instanz zum ersten Mal. Er entschuldigte sich unter Tränen und mit zitternden Händen, hatte bis zu diesem Moment ein Gesprächsangebot von Ginas Mutter ignoriert. "Der hat keinerlei Gefühl verdient. Wenn man jemanden hasst oder wütend ist, dann ist das eine Emotion. Ich habe für diesen Mann keinerlei Emotion mehr", sagt Pfeiffer.

Dass sie jetzt erneut auf ihn trifft – für sie eine Qual: "Ich hatte große Angst davor, diesem Mann wieder gegenübersitzen zu müssen, ihn anschauen zu müssen und immer daran zu denken, dass er der letzte Mensch war, der meine Tochter lebend gesehen hat. Ich bin traurig und fassungslos, diese Gefühle werden nicht vergehen", sagt Pfeiffer.

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Auch sie ist mit dem Urteil des Amtsgerichts nicht einverstanden. Pfeiffer findet es zu milde. "Ich würde mir wünschen, dass er ins Gefängnis geht für diese Unvernunft und diese Raserei. Er sollte so bestraft werden, dass er es spürt und darüber nachdenkt, was er getan hat." Ginas Mutter ist davon überzeugt, dass ihre Tochter durch Arroganz und Unvernunft des Angeklagten ihr Leben verloren hat. Er selbst hatte den Unfall beinahe unbeschadet überstanden.

Mit dem 570-PS-Geschoss in den Tod

"Beim Tod eines Menschen müsste eine Haftstrafe herauskommen, die auch zur Bewährung ausgesetzt werden kann", sagt Jörg Küpperfahrenberg. Der Anwalt vertritt Ginas Angehörige als Nebenkläger. "Der vom Angeklagten eingesetzte Sachverständige ist zu dem Schluss gekommen, dass der Fahrer sogar schneller gefahren ist, als es im Gutachten der Staatsanwaltschaft angegeben ist. Das ist bemerkenswert."

Für Küpperfahrenberg steht fest, dass der McLaren-Totraser mit der 570 PS starken Luxuskarosse überfordert war. "Er kannte das Fahrzeug nicht, hatte es erst vor wenigen Tagen bekommen, fuhr nachts eine Strecke mit einer unbekannten Fahrbahnoberfläche und mit einer Unerfahrenheit beim Fahren dieses Fahrzeugs. Er war zu schnell und hat damit billigend in Kauf genommen, dass das Leben von Gina gefährdet ist."

Im Berufungsprozess soll jetzt ein neues Gutachten diskutiert werden, bei dem die Daten des Fahrzeugs ausgelesen wurden.