Strategie der Russen

Oberst Markus Reisner: Kampf um Bachmut funktioniert wie ein Fleischwolf

Markus Reisner: Kampf um Bachmut wie Fleischwolf Winterruhe im Ukraine-Krieg?
04:05 min
Winterruhe im Ukraine-Krieg?
Markus Reisner: Kampf um Bachmut wie Fleischwolf

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von Amany Salama und Nele Balgo

Mehr als zehn Monate nach Kriegsbeginn hat Russlands Präsident Wladimir Putin im russischen Verteidigungsministerium eine Art Inventur angeordnet. Der Versuch, die Ukraine direkt einzunehmen sowie weitere Angriffe im Donbass seien gescheitert. „Ich denke, dass Putin dann begonnen hat, Fragen zu stellen“, so Oberst Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer.

Er geht auch davon aus, dass die Kommandeure mit der Wahrheit gezögert haben. Das Problem: „Die russische Armee leidet unter dem großen Manko, zu wenig Infanterie zu haben.“ Es habe mehrfach Teilmobilisierungen gegeben, bis man „mit der Masse der Soldaten eine Überlegenheit hat gegenüber den Ukrainern“, sagt Reisner im Interview mit RTL-Reporterin Nele Balgo.

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Die Festung Bachmut

Die Stadt Bachmut ist weiterhin schwer umkämpft. Das liege daran, dass „die ukrainischen Streitkräfte sich in den letzten acht Jahren vor allem im Donbass sehr tief und umfangreich eingegraben haben.“ Eine von drei Verteidigungslinien konnten die Russen durchbrechen, Bachmut sei die nächste Verteidigungslinie. Sobald dieser Stützpunkt, diese „Festung“, wie die Ukrainer Bachmut nennen, eingenommen ist, „würde man in die nächste Verteidigungslinie kommen und dann bereits in die dritte und dahinter wäre das offene Land.“ Reisner zieht den Fleischwolf-Vergleich: Bei Bachmut werde versucht „von russischer Seite die Ukraine anzusaugen, genau in die Reichweite ihrer Artillerie und sie dann zu zerstören.“

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Ukraine brauche weitere Waffen

Damit die ukrainischen Streitkräfte wieder in die Offensive gehen können, brauchen sie laut Reisner eine Überlegenheit im Verhältnis von 3:1 oder 4:1, im urbanen Raum 8:1. Zudem bedarf es Waffenlieferungen. Zwar habe der Westen im Sommer 1400 Panzer und gepanzerte Transportfahrzeuge geliefert, aber „auch die wurden in den Offensiven zu einem gewissen Maße verbraucht.“

Die Forderung des ukrainischen Generalstabschefs: 300 Panzer, 600-700 Kampfschützenpanzer und 500 Artilleriesysteme. „Die jetzige Zeit wird vor allem genutzt von der Ukraine, sich neu aufzufrischen und dann im Frühjahr in die Offensive zu gehen“, so der Militärexperte, „Hier spielt natürlich Russland auf die Zeit, Russland versucht das Gelände zu halten, es zu verstärken, Nachschub heranzuführen, in der Hoffnung, im Frühjahr in einer besseren Position zu sein als vorher.“

Wie es in den kommenden Monaten weitergeht, hänge vor allem von den folgenden fünf Faktoren ab: Mobilisierungsfähigkeit, Munitionsfaktor, Offensivfähigkeit, Unterstützung im Hintergrund und Fähigkeit zur Überzeugung der eigenen Bevölkerung.

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