Neues Epizentrum des Krieges

"Wir stehen jeden Tag unter Beschuss" - Ein Besuch im schwer umkämpften Bachmut

"Wir stehen jeden Tag unter Beschuss" Umkämpfte Frontstadt Bachmut
02:23 min
Umkämpfte Frontstadt Bachmut
"Wir stehen jeden Tag unter Beschuss"

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von Gordian Fritz und Arne Draheim

Einst lebten knapp 75.000 Menschen in der ostukrainischen Stadt Bachmut. Aktuell sollen sich nur noch knapp 10.000 Einwohner in der Stadt befinden, die für beide Seiten strategisch wichtig ist. Nachdem die Stadt in den vergangen Tagen gezielt bombardiert wurde, droht nun ein schwerer Häuserkampf.

Schwere Gefechte zum Silvesterwochenende

Anna Petrenko-Polukhina, stellvertretende Bürgermeisterin von Bachmut
Anna Petrenko-Polukhina ist stellvertretende Bürgermeisterin von Bachmut.
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Vorbei an Panzersperren, zerstörten Häusern durch menschenleere Straßen. Der Asphalt ist von Granaten aufgerissen worden und gleicht eher einem Feldweg. Überall liegen Trümmer. Eine Durchfahrt ist trotz widriger Bedingungen nur im hohen Tempo möglich. Zu groß ist die Wahrscheinlichkeit, beschossen zu werden. Weit entfernt sind die russischen Bodentruppen nicht mehr. Auf der Straße kann man die Gewehrschüsse hören.

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Noch immer leben hier Menschen. Einige von ihnen wollen Bachmut trotz schwerer Beschüsse auch gar nicht verlassen. Anna Petrenko-Polukhina ist eine von ihnen. Während ihre Familie bereits evakuiert wurde, bleibt die stellvertretende Bürgermeisterin weiterhin in der umkämpften Stadt. „Die Situation in Bachmut ist schwierig, weil wir jeden Tag unter Beschuss stehen“, erklärt sie. Denn erst am Silvesterwochenende kam es zu schweren Gefechten. Wie der Sprecher der ukrainischen Heeresgruppe Ost, Serhij Tscherewatyj, zum Jahreswechsel mitteilte, seien allein am Vortag rund 170 russische Soldaten getötet worden. Weitere 200 Russen seien bei Versuchen, die Stadt anzugreifen, verwundet worden. Inwieweit die Angaben zutreffen, lässt sich nicht abschließend prüfen.

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Hilfslieferungen sind kaum möglich

Knapp 10.000 Menschen sollen sich noch immer in Bachmut befinden, sagt Petrenko-Polukhina. In Friedenszeiten lebten hier knapp 74.000 Einwohner. Die, die noch immer hier ausharren wollen ihre Wohnungen nicht verlassen oder befinden sich in Schutzräumen. Auf die Straße traut sich hier kaum noch jemand.

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Auch Lieferungen von Hilfsgütern sind absolut gefährlich. Russische Streitkräfte beschießen gezielt Straßen, die nach Bachmut oder aus Bachmut heraus führen. Die Situation ist angespannt. Das lässt sich in den Gesichtern bereits evakuierter Bewohner Bachmuts ablesen, die sich bereits seit einigen Wochen in einem Schutzraum befinden.

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Zwischen Lametta, Lichterketten und explodierenden Granaten

Anatolii, Helfer in einem Schutzraum
Anatolii versorgt seit einigen Wochen die Menschen in einem unterirdischen Schutzraum in Bachmut.
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Hier treffen wir Anatolii. Er ist ebenfalls seit einigen Wochen im unterirdischen Schutzraum untergekommen und hilft hier weiteren Menschen. „Die Leute kommen hier her und werden ein bisschen von allem abgelenkt“, sagt er. Während draußen die Granaten explodierten, versuchten die Menschen vor einigen Wochen eine weihnachtliche Atmosphäre zu schaffen. Lametta, Lichterketten und Weihnachtskugeln hängen seither noch immer. Einzig die kahlen, engen Betonwände erinnern daran, dass es kein gewöhnliches Weihnachtsfest war.

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Und so hoffen die Einwohner, dass die ukrainischen Streitkräfte die russischen Invasoren schnellstmöglich zurückdrängen. Bis dahin könnten allerdings noch einige Wochen vergehen, meinen britische Militärexperten. Zumal ein Großteil der russischen Angriffe ohnehin von Angehörigen der berüchtigten Söldnertruppe Wagner angeführt werden, die zum Großteil aus Söldnern besteht. (mit dpa)

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